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Sat.1-Serie „Einstein“ : Immer auf Albert

Superhirn mit großer Klappe: Tom Beck überführt als Einstein Verbrecher. Bild: obs

Mit der Serie „Einstein“ verirrt sich Sat.1 in der Welt der Physik: Schöne Menschen retten schöne Menschen vor schönen Menschen. Und die Kreiszahl Pi wird bis auf die zweihundertste Stelle durchdekliniert.

          Albert Einstein hatte gewiss Humor. Doch nur weil es ein Bild von ihm gibt, auf dem er lustig die Zunge herausstreckt, macht ihn das nicht zum universellen Klamauk-Paten für Fernsehunterhaltung, deren Gags relativ wenig Energie im Vergleich zu ihrer Masse mitbringen. Wer, wie die Sat.1-Serie „Einstein“, den Namen des Physikers als Synonym für Intelligenz und Witz im Titel führt, sollte sich etwas einfallen lassen. Zumindest mehr als: Gutaussehendes Physikgenie löst zusammen mit gutaussehender Polizistin (immerhin aus Bochum) Kriminalfälle, in denen andere gutaussehende Menschen böse Dinge tun (Regie Thomas Jahn, Drehbuch Matthias Dinter und Martin Ritzenhoff).

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Als das Genie Professor Felix Winterberg darf sich Tom Beck versuchen. Zunächst wird dem Zuschauer kurz vor Augen geführt, was für ein unorthodoxer Typ dieser Professor ist und welches Kreuz er zu tragen hat: Er schläft mit seiner Studentin, hat dann aber plötzlich Besseres zu tun, weil ihm der kluge Gedanke zur Lösung aller Energieprobleme der Welt ausgerechnet jetzt beschert wird. An einer tödlichen Erbkrankheit leidet er allerdings leider auch. Wenig später spaziert der Professor mit einem Strahlendetektor und einer Seminargruppe zufällig an einem völlig verstrahlten (wortwörtlich) Kollegen vorbei, der radioaktiv vergiftet ist. Von nun an rattert die Ereigniskette brav herunter, ohne dass der Zuschauer zu sehr durch das Wieso, Weshalb oder Warum belästigt würde. Seine Intelligenz – „Vor Ihnen steht ein IQ von 210, was soll da ’ne Nummer zu groß sein?“ – darf Winterberg in der ersten Folge vornehmlich durch wenig glaubwürdige Unausstehlichkeiten beweisen. Oder durch die originelle Fähigkeit, die Kreiszahl Pi bis auf zweihundert Stellen nach dem Komma aufsagen zu können.

          Fernsehtrailer : „Einstein“

          Wischende Blenden und „wusch“ende Kameras

          Was die Physik betrifft: ein Gutteil ihrer 45 Minuten verwendet die Serie darauf, die Anziehungs- und Abstoßungskräfte zwischen dem Protagonisten und den ihn umkreisenden Frauen, darunter die Polizistin Elena Lange (Annika Ernst), in hektische Einstellungen und selten schmerzfreie Dialoge zu packen. Da sagt der kesse Winterberg zu seinem Forschungskollegen in Übersee, der gerade Nudelsuppe in sich hineinschlürft: „Und nimm endlich einen Löffel, Stäbchen sind die Steinzeit des Essbestecks.“ Ganz smarter Tipp. Für die Doktorarbeit einer Studentin bemüht Winterberg einen Golfervergleich: „Deine Arbeit ist einiges unter Par.“

          So sprechen sie, die genialen Physiker – Black Hole in One, sozusagen. Auch die Optik der Serie ist anstrengend und wirkt wie eine dramatische Fassung der Reihe „Galileo Mystery“. Die Schnittfolgen sind schnell, es gibt Wischblenden, und in Gesprächsszenen schwenkt die Kamera mit einem hörbaren „wusch“ zwischen den Dialogpartnern hin und her. Die Lösungswege in Gefahrensituationen werden erst durch die Kamera abgefahren und dann noch einmal mittels Computeranimation sichtbar gemacht – einfach weil es geht. Gut, dass Unterhaltung etwas mit der Zeit gemeinsam hat. Auch sie ist relativ.

          Einstein beginnt heute um 20.15 Uhr mit einer Doppelfolge bei Sat.1.

          Quelle: F.A.Z.

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