http://www.faz.net/-gsb-8xaw6

Neue Miniserie auf Sky : Wir sind dann mal weg

Sie hat größere Probleme als den Gefängnisaufenthalt: Rhonda ging für ihren Sohn ins Gefängnis, jetzt droht ein Komet die Erde zu zerstören. Bild: NBC Universal

Die Serie „You, Me and the Apocalypse“ zeigt auf komisch-fatalistische Weise, womit sich Menschen und Regierungen im Fall einer Apokalypse herumschlagen müssen.

          Es läuft nicht gut für Rhonda (Jenna Fischer). Ihr Sohn Spike (Fabian McCallum) hat sich in die Datenbank der NSA gehackt. Als Superhacker trägt er den Namen „Boobmuncher2000“. Löwenmutter, die sie ist, hat sie für ihn den Kopf hingehalten. Jetzt sitzt sie im Frauenknast in New Mexico, zehn bis fünfzehn Jahre. In der Zelle gegenüber wohnt die dralle Anführerin der Latina-Gang. Rhonda soll bezahlen, damit ihr nichts passiert. Dann ein Lichtblick. Der Zuschauer hört nur die Stimme. Sie macht klar, dass Rhonda unter ihrem Schutz steht. „Wofür sind Freunde da?“ Die Kamera fährt eine Zelle weiter. Close-up des Gesichts: Am Gitter lehnt Leanne (Megan Mullally), eine freundlich dreinblickende Blondine. Ein Hakenkreuz ziert ihre Stirn. Wenig später heißt es in den Fernsehnachrichten, dass die Erde in 34 Tagen untergeht. Ein Komet rast auf die Erde zu.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Das ist der Grundton der Serie „You, Me and the Apocalypse“. Sie verkauft dem Zuschauer all jene Dramen, die eigentlich zum Heulen sind, auf hinreißend komisch-fatalistische Weise. Sie übertreibt lakonisch. Was bleibt einem angesichts des Weltuntergangs anderes übrig?

          Auch für die anderen Figuren, die über die ganze Welt verteilt sind, häufen sich die schlechten Offenbarungen. Der Bankangestellte Jamie Winton (Mathew Baynton) wird fälschlicherweise für den Kopf einer großen Hacker-Organisation gehalten, verhaftet und erfährt, dass seine Mutter ihn adoptiert hat. Ein Foto seiner Frau taucht auf, die vor sieben Jahren spurlos verschwand. Mit seinem schrulligen Mitbewohner Dave (Joel Fry) macht sich Jamie auf die Suche. Im Vatikan haben der rauchende und saufende Priester Jude (Rob Lowe) und Schwester Celine (Gaia Scodellaro) andere Sorgen: Sie sollen herausfinden, ob der Weltuntergang zufällig mit Christi Wiederkehr zusammenfällt.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          „Rauchen Sie?“, fragt Jude seine Assistentin. „Nein.“ „Haben sie es probiert?“ „Nein.“ „Woher wissen Sie dann, dass Sie es nicht mögen?“ In „You, Me and the Apocalypse“ tragen nicht nur die diabolischen Dialoge zum Vergnügen bei, es sind auch die kommentierenden Details, die sich in vielen Bildern verstecken. Als es auf den Straßen zu Ausschreitungen kommt, Autos brennen und die Menschen – ausgerechnet – mit geklauten Fernsehern durchs Bild rennen, wandelt ein einsamer Mann mit einem großen roten Schild durch den Hintergrund, auf dem schlicht steht: „Told you so“ – „Ich hab’s euch doch gesagt“.

          Der Schöpfer der Serie, Iain Hollands, und der Regisseur, Michael Engler, schalten umstandslos von einer Szene zur anderen, indem sie in der einen das letzte Wort des Dialogs kappen und die nächste Szene damit beginnen lassen. Auch die Musik kommentiert ironisch das Geschehen. So rast der Komet im Vorspann zu Johnny Nashs „I Can See Clearly Now“ auf die Erde zu, derweil der Gefängnisausbruch zu „Non, Je Ne Regrette Rien“ von Édith Piaf eskaliert. Allein die animierte Weltkugel bei Szenenwechseln nervt höllisch.

          Ganz nebenbei spielt die Serie durch, was Regierungen im Falle eines Weltuntergangs zu tun bekommen. Ein Mitarbeiter des, für den Fall ihres Eintretens, mit der Apokalypse betrauten „Departments für spezielle Situationen“ unterrichtet den amerikanischen Präsidenten: Das Wichtigste sei zu verkünden, man habe einen Plan. Die Details der „Operation Saviour“ könne man, falls noch Zeit bleibe, später ausarbeiten. Denn, es sei schließlich die Hoffnung, die dafür sorge, dass die „Leute nicht aus der Reihe tanzen“. Das passt auch ein Jahr nach dem Start der Serie in England. Was bleibt, ist eine frohe Botschaft: Die Apocalypse ist für alle da.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Ich war am Ende nur noch ein Wrack Video-Seite öffnen

          Video-Serie „Frankfurt & ich“ : Ich war am Ende nur noch ein Wrack

          Seit über zehn Jahren ist Thomas Adam trocken und erzählt auf Stadtführungen durch sein ehemaliges „Sauf- und Bettelgebiet“ seine Geschichte von der Straße. FAZ.NET hat Adam für die Video-Serie „Frankfurt & ich“ begleitet.

          Neues Deutsches Fernsehen Video-Seite öffnen

          „4Blocks“ und Co. : Neues Deutsches Fernsehen

          Mit einem Jahrzehnt Verspätung beginnt auch in Deutschland das Zeitalter ambitionierter Serien. Der Wille, Geschichten zu erzählen, die auch internationales Publikum finden, ist groß wie nie. Aber haben deutsche Serienmacher dafür auch genug Freiheiten?

          Topmeldungen

          Neue Verbindung: Russland baut eine Brücke über die Straße von Kertsch.

          Krim-Annexion : Abgerissene Verbindungen

          Die Krim-Bewohner und wie sie die Welt sehen – drei Jahre nach der russischen Annexion. Würden die Bewohner wieder für einen Anschluss an Russland stimmen?
          Der amerikanische Präsident Donald Trump und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem

          Naher Osten : Palästinenser drohen Amerikanern mit Gesprächsabbruch

          Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Palästinensern eskaliert. In Washington muss die Mission der Palästinenserorganisation PLO schließen. Palästinenserpräsident Abbas warnt vor „gefährlichen Konsequenzen für den Friedensprozess“.
          Unter dem Namen „DJ D-Sol“ legt David Solomon ungefähr einmal im Monat elektronische Musik auf.

          Manager David Solomon : Der DJ von Goldman Sachs

          David Solomon ist einer der wichtigsten Manager der amerikanischen Großbank. Daneben hat er aber noch eine ganz andere Leidenschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.