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Mini-Serie „Eyewitness“ : Ich habe was gesehen, was Du nicht weißt

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Helen Sikkeland (Anneke von der Lippe) weiß viel, spricht aber nicht mit jedem über die streng vertraulichen Ermittlungen. Bild: Thomas Ekström/NRK

Zeugen gesucht: In der sechsteiligen Arte-Serie „Eyewitness – Die Augenzeugen“ erzählt niemand niemandem irgendetwas. Alles ist streng geheim, dabei gibt es gute Zeugen für die brutalen Morde in der norwegischen Provinz.

          „Es ist nicht unsere Schuld“, beschwichtigt Henning seinen Mitschüler Philip. Die beiden haben sich nachts in der elterlichen Hütte an einer Kiesgrube getroffen und sind Zeugen eines vierfachen Mordes geworden. Sie geben dem Täter eins mit der Pfanne auf den Kopf und fliehen mit dessen Waffe - zurück in das Kleinstadtidyll im südnorwegischen Mysen.

          So weit der wenig originelle Auftakt der Miniserie „Eyewitness - Die Augenzeugen“, in welcher der Regisseur und Autor Jarl Emsell Larsen das Genre Krimi ausbuchstabiert, als wollte er einen Lehrfilm drehen. Bald beginnen die obligatorischen Sticheleien zwischen der Polizistin vor Ort und den Beamten aus der Hauptstadt; gnadenloser gestaltet sich die Fehde zwischen einem Motorradclub und dem „Z-Syndikat“ des Drogenbosses Hamit Milonkovic. Hinzu kommt ein mysteriöser Internet-Liebhaber aus Dänemark, weitere Tote gibt es selbstverständlich auch. Für die Ermittlerin Helen Sikkeland (Anneke von der Lippe) gestaltet sich die Suche nach den Tätern schwierig. Einige ihrer Kollegen sind eher zwielichtig denn hilfreich, und ihr Pflegesohn Philip, der Augenzeuge, schweigt: ein versonnener, rotwangiger Schönling, hin- und hergerissen zwischen Selbstfindung und Selbstzweifel, überzeugend gespielt von Axel Bøyum.

          Ein Techtelmechtel, vom Tod überschattet

          Weil sie wochenlang keine Ergebnisse vorweisen kann, gerät Sikkeland durch die Medien und bei den Osloer Kollegen unter Druck. Den Ermittlern fehlt die Verbindung zwischen der Schießerei an der Kiesgrube, einem vermissten Mädchen und der Explosion in einem Osloer Restaurant. Der Serienmarathon, zu dem Arte mit drei jeweils einstündigen Folgen am Donnerstagabend einlädt, entwickelt sich zu einem Spießrutenlauf, ebenso wie Philips Alltag, dessen durchdringend glasiger Blick verrät, wie schwer sein Wissen auf ihm lastet. Die absichtsvoll unruhige Kameraführung und etliche Nahaufnahmen steigern die Dramatik, mehr als Schießereien und Gewaltszenen, in denen vor allem die Rockerbande überzeichnet wirkt. Mit dem Stilmittel „Eyewitness“, bei dem Live-Berichterstattung vom Tatort suggeriert wird, kommt uns die Serie glücklicherweise nicht.

          Der Mörder beseitigt alle Spuren seines vierfachen Mordes. Doch er wurde beobachtet! Bilderstrecke

          Sie ist solide produziert und so glaubwürdig, wie wir es von skandinavischen Drogenkriegs- und Gangstergeschichten gewohnt sind. Nicht nur geographisch liegt der Tatort Mysen auf einer Höhe mit Henning Mankells Heimatstadt Stockholm. Eine unfreiwillig komische Note hat nur die Landlust-Idylle, in der die Kommissarin Sikkeland lebt: Mit der Pferdekutsche dreht sie eine Runde, bevor sie sich an den von ihrem Gatten gedeckten Frühstückstisch setzt - sofern sie nicht zum nächsten Tatort gerufen wird, wo sie wieder keine Spuren findet.

          Wenn sie wüsste, dass ihr bester Zeuge hinter der Orangensaftkaraffe sitzt und schweigt, wäre einiges leichter. Allerdings würde dann niemand über sechs Folgen hinweg so unterhaltsam im Dunkeln tappen. Und wieso erzählen die Teenager nichts von ihren nächtlichen Beobachtungen? Damit ihre Freunde und die Eltern von Henning (Odin Waage) nichts von ihrem Techtelmechtel erfahren. Das ist ein ziemlicher Anachronismus, die Serie entwickelt ihre Spannung ansonsten auf der Höhe der Zeit.

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