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„New York Times“ gegen Trump : Am offenen Herzen der Demokratie

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Besprechung: Die Redakteure Adam Goldman, Matt Apuzzo, Mark Mazzetti und Mathew Rosenberg (von links) von der „New York Times“. Bild: © Aletheia Films LLC

Liz Garbus’ Dokumentation aus dem Inneren der „New York Times“ zeigt, was Donald Trump für Medien in Amerika bedeutet: Gefahr, Umbruch und Rausch.

          Diese Serie ist ein Hammer. Wer alle vier Teile hintereinander weg schaut und dabei die jüngere Zeitgeschichte aus nächster Nähe als atemlosen Politthriller erlebt, als wild rotierendes Schelmen- und Schurkenstück, das selbst „House of Cards“ in Fragen der Egomanie und des Stils hinter sich lässt, dürfte eine Ahnung von dem Adrenalinrausch bekommen, in den die gegenwärtige Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ihre zum Feind erklärten Qualitätsmedien versetzt hat. Man sieht aber auch, was diese Medien für die (einst) so stolze Demokratie bedeuten. Sie sind die letzte Brandmauer in einer tief gespaltenen Gesellschaft.

          Ökonomisch zermürbt, an den heftigen Umstrukturierungen hin zu Realzeit-Online-Foren (mit teils neuen Standards) laborierend und sich dabei auch noch einem gesellschaftlichen Klima oftmals offener Ablehnung gegenübersehend, wachsen die politischen Journalisten zugleich über sich hinaus. Fast täglich scheint in den ehrwürdigen Zeitungen und Sendern heute eine Bob-Woodward-Karriere möglich, so grenzwertig ist der Politikstil, dem man nur mit unbestechlichen, abgesicherten Informationen beikommt.

          Auch in der „New York Times“, die noch niemandem einen so tiefen Einblick in ihre tägliche Arbeit gewährt hat, fühlen sich viele Mitarbeiter an die Zeit der Watergate-Affäre erinnert: Aus politischen Ungeheuerlichkeiten können Sternstunden der Publizistik werden. Und die Informanten stehen Schlange. Es gab wohl lange keine Zeit mehr, in der es derart spannend, kräftezehrend, wichtig und erfüllend war, die Fahne der vierten Gewalt hoch zu halten.

          Fit to print? Julie Hirschfeld Davis und Elisabeth Bumiller (rechts) vollenden einen Artikel.

          Die internationale Showtime-Koproduktion „The Fourth Estate“, an der auf deutscher Seite die Produktionsfirma Sutor Kolonko, der WDR und Arte beteiligt waren, läuft nun pünktlich zu den Halbzeitwahlen, deren Vorlauf überschattet wurde von einer Bombenserie gegen Politiker, einem Neonazi-Anschlag auf eine Synagoge und Hetztiraden gegen Armutsflüchtlinge.

          Es ist nichts besser geworden seit dem ersten Jahr von Donald Trumps Präsidentschaft, um das sich Liz Garbus’ aufwendiger Film dreht. Die oscarnominierte Filmemacherin zeigt uns dieses Jahr ganz aus der Perspektive der Politikredaktion der „New York Times“ (NYT). Gefilmt werden durfte bei wichtigen Konferenzen, Ad-hoc-Besprechungen und Aufmacher-Freigaben ebenso wie bei hochrangigen Terminen, etwa bei einem Interview von Jeremy Peters mit Steve Bannon in der „Breitbart Embassy“. Diese Seite der Entstehung von Nachrichten bleibt normalerweise verborgen.

          Sind diese Risse noch zu kitten?

          Wir blicken Reportern und Redakteuren beim Verfassen von Artikeln über die Schulter, deren Auswirkungen uns allen bekannt sind: Mark Mazzetti und Matt Apuzzo informieren die Weltöffentlichkeit über die russische Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf; Maggie Haberman telefoniert mit Trump, nachdem sein Plan, Obama-Care abzuschaffen, gescheitert ist; Michael Shear hat zufällig exklusiv erfahren, dass FBI-Direktor James Comey entlassen wird und schreibt seinen Artikel, noch bevor Comey selbst von dieser Entwicklung weiß; Michael Schmidt deckt das „Loyalität-Dinner“ auf, den Versuch Trumps, Comey zur Einstellung der Russland-Untersuchung zu drängen.

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