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Krimi-Folge „Falsche Liebe“ im ZDF : Kraftsuche der implodierenden Kommissarin

  • -Aktualisiert am

Sieht überall Gefahren: Jana Winter (Natalia Wörner) mit ihrem Sohn Bild: Anna Schwarz

Im Schleswig-Krimi „Falsche Liebe“ gerät ein Behinderter unter Verdacht und Natalia Wörner als Jana Winter unter Druck. Die Kommissarin sehnt sich nach lichteren Tagen. Wir sehnen uns nach einem anderen Drehbuchautor.

          Eigentlich ist es ja eine tolle Sache, wie selbstverständlich sie zur Pflege des Schlossgartens einen Mann eingestellt haben, der ohne die fortwährende Betreuung durch seine Schwester normalerweise in einem Heim für geistig Behinderte leben müsste. Und Schwerter schnitzen, Holzschwerter, wie die Kinder sie beim Ritterspiel schätzen, kann er im Winter an der Schlei auch.

          In dem Moment, in dem sich ein blondes, ebenfalls im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum tätiges Aufsichtspüppchen einem Eisenstachel aus der Sammlung nähert, hat der Mann allerdings ein Problem.

          Ein Fall für Jana Winter

          Denn war nicht der Mörder noch immer der Gärtner? So ist es, und Stefan Kolditz, der Drehbuchautor dieses neuen, populär trist gezeichneten Falls für Jana Winter, weiß aus dem Gärtner-Spiel durchaus Funken zu schlagen. Der fürsorglich bevormundete Kranke (weltentrückt, aber nicht psychopathisch: Peter Jordan) bleibt lange einer der Kandidaten, von denen die unterbezahlte Museumsfachkraft in einem unbeherrschten Moment an die Wand „geklatscht“ worden sein könnte.

          Vor allem dem Direktor, einem Langeweiler, den das Eheleben nicht angemessen konzentriert zu den Büchern finden lässt, scheinen Dörtes Reize nicht entgangen zu sein. Überhaupt mangelt es nicht an Menschen, die vor die Glasscheiben des Alltags zu donnern meinen wie das Vögelein, das eines Tages tot auf dem Fenstersims des Gärtners zu liegen kommt.

          Es fehlt doch einfach nur ein Mann

          Erst recht die Kommissarin sehnt sich nach lichteren Tagen, so zusammengesackt und verzweifelt, wie sie abends auf der Matratze ihres Söhnchens die bösen Träume zu verscheuchen versucht. Leo hat sich geprügelt. Er weicht ihrer tröstenden Hand aus, die Schulpsychologin redet vom Verdacht auf Asperger-Syndrom. Und wie es aussieht, als im wuchtigen Filmauftakt eine Frau mitsamt ihrer Tochter von einem Parkhausdach in den Tod zu springen versucht und Jana Winter nur ohnmächtig zuschaut, hat die Kommissarin nicht einmal ihren Job mehr im Griff.

          Vielleicht liegt das an einem Beruf, der mehr fordert, als er geben kann: Arne Brauner, ihr großartig grummelnder Chef (Martin Brambach), legt Jana die Lektüre einer Zeitschrift zum Thema „Burn Out“ nahe, und sie drückt ihm Leo in die Hand, bis die beiden zum Schrecken der Mutter in den Ermittlerakten vertieft sind. Vielleicht aber fehlt doch einfach nur ein Mann im Leben der Kommissarin.

          Eingespieltes und überzeugendes Fernsehteam 

          Fest steht: Dieses eingespielte Fernsehteam ist eines der überzeugendsten im Land. Natalia Wörner als um Kraft ringende, implodierende Kommissarin, Ralph Herforth als kantiger Hamm, Max von Pufendorf als schnittiger Jessen. Und wenn wir es recht verstanden haben: Thomas Sarbacher als Nachfolger für den dereinst per Helikopterabsturz verabschiedeten Filmpartner Matthias Brandt. Einen Mann, der ihr den Kopf zurechtrückt und den Kaffee serviert, hat Jana Winter zumindest verdient.

          Jetzt müssen sie beim ZDF nur noch einen Drehbuchautor finden, der bei der nächsten Folge um die Zufallsbegegnungen ihrer Kommissarin einen Bogen macht. Diese schicksalshaften Szenen, allen voran die Begegnung Leos mit dem Gärtner, hemmen die Sogwirkung der neunten Folge von „Unter anderen Umständen“ ein wenig. Stimmungsvolles Unterhaltungsfernsehen mit skandinavischem Touch hat die Regisseurin Judith Kennel mit „Falsche Liebe“ trotzdem geliefert.

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