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Christoph Maria Herbst : Bei den Austern haben die Deutschen gepasst

  • -Aktualisiert am

Spielt deutsch-französisch: Christoph Maria Herbst Bild: dpa

Christoph Maria Herbst spielt in der Serie „Deutsch-Les-Landes“ einen Mann, dessen Firma nach Frankreich umzieht. Das sorgt für Tohuwabohu, von dem die deutsch-französischen Dreharbeiten so gar nicht geprägt waren. Ein Gespräch.

          Sie haben Dany Boone bei „Willkommen bei den Schtis“ synchronisiert. Jetzt spielen Sie eine Hauptrolle in der Serie „Deutsch-Les-Landes“, die bei Magenta TV der Telekom läuft.  Einer der Autoren hat an der deutsche Fassung von Dany Boones Film und an „Deutsch-Les-Landes“ mitgeschrieben. Hat sich das ausgezahlt?

          Ehrlicherweise ja. Das hat mir geholfen, das Buch auf komödiantisches Potential hin zu überprüfen. Hinzu kommt, dass der Autor von deutscher Seite auch am „Stromberg“-Kinofilm mitgeschrieben hat.

          Sie spielen hier mit Kollegen aus Frankreich.

          In Frankreich zu drehen mit französischen Schauspielern, die man schon lange auf der Tanzkarte hatte oder sogar deren Fan ist und in einem komplett französischen Team aufgehoben zu sein ,hat meinen Horizont auf jeden Fall geweitet. Die kulturellen Probleme, die in der Serie erzählt werden, habe ich am Set nicht erlebt. Aber man konnte an dem einen oder anderen Detail festmachen, dass Europa ein Zusammenschluss verschiedener Kulturen ist und kein Laden, der alles gleichmacht.

          Will heißen?

          Wenn ich daran denke, wie schon mal gern um halb zwölf zur Mittagspause die erste Flasche Rotwein geöffnet wurde, denn die stehen da nicht als Deko rum. Der wird getrunken und die Mittagspause dauert nicht wie bei uns eine halbe, sondern zwei Stunden. Das savoir vivre habe ich kennen gelernt und nicht nur aus diesem Grund stehe ich für eine zweite Staffel zur Verfügung.

          Die französische Hauptdarstellerin der Serie ist Sylvie Testud.

          Spätestens seit „Jenseits der Stille“ bin ich ein Fan von ihr. Denn auf dem Besetzungszettel zu lesen, dass das die Frau ist, mit der ich in jeder dritten Szene spiele - da denkt man schon: Hey beruflich hast du wohl doch nicht alles falsch gemacht. Sonst wäre ich immer noch bei der Deutschen Bank Wuppertal. Das sind die Momente, in denen ich mir sage: Schön, dass ich mir nicht habe reinreden lassen, dass es nicht noch andere Berufe gibt, die mit „S“ anfangen, sondern den des Schauspielers. Ich bin natürlich mit vielen Ressentiments und Klischees Frankreich betreffend zum Dreh gefahren. Die wenigsten haben sich bewahrheitet.

          Seine Ruhe ist dahin: Christoph Maria Herbst in „Deutsch-Les-Landes“.

          Gar nicht?

          Nun ja. Wenn ich dran denke, dass es bei uns in Deutschland am Set nachmittags vielleicht ein paar Hähnchenkeulchen und Schnittchen mit Käse und Teewurst gibt, hier aber der französische Caterer drei Holzkisten mit Austern auf den Tisch stellt. Da kommt es mir als Veganer kurz hoch. Aber sie konnten gar nicht gucken, wie schnell die Kisten leer waren. Die Franzosen haben sich echt gefreut, dass ihnen die deutschen Kollegen nicht die Austern weggegessen haben.

          Dass die Serie nicht fürs klassische Fernsehen konzipiert ist, ist wahrscheinlich kein Schaden.

          Wir leben schon in spannenden Zeiten von Wandel und Paradigmenwechsel. Da herrschen gerade Goldgräberzeiten. Es ist mir schon eine Freude, bei der ersten von der Telekom produzierten Serie mitzuwirken und dann noch in einem joint venture mit Amazon Frankreich. Das ist schon etwas Besonderes. Da ziehen Global Player, die vorher nichts miteinander zu tun hatten, am selben Strang.

          Kreative schwärmen von der Freiheit, dass eine Folge nicht mehr 30, 45 oder 90 Minuten dauern muss.

          Das kenne ich auch anders. Bei „Stromberg“ wurden wir in das Korsett gepresst. Eine Folge durfte nicht länger sein als 24.55 Minuten wegen der Werbeinseln. Das gibt es im Streaming-Bereich natürlich nicht und es wäre jetzt ziemlich wurscht gewesen, ob wir 26, 28 oder 31 Minuten lang sind. Auch hier entdecken wir also nicht nur eine innere, sondern auch eine äußere Freiheit.

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