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Emmy-Anwärter Netflix : Der Thronanspruch könnte eine Zäsur ankündigen

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Was schauen sie denn? Sie schauen uns an: Emma Stone (rechts) und Julia Garner in der Serie „Maniac“, die in ein paar Tagen bei Netflix startet. Bild: Netflix

In Amerika wird wieder der Emmy vergeben, der „Fernseh-Oscar“. Bei den Nominierungen liegt der Videodienst Netflix vorn. Wirtschaftlich erfolgreich ist er. Aber hat er auch das beste Programm?

          Nur fünfeinhalb Jahre, nachdem Netflix mit „House of Cards“ seine erste Originalserie ins Programm nahm, läuft der Streamingdienst dem Abosender HBO, der seit mehr als einem Jahrzehnt als weltweiter Qualitätsführer in Sachen Fernsehserie gilt, den Rang ab. In 112 Fällen ist Netflix für den Fernsehpreis Emmy nominiert, der am kommenden Montag in Los Angeles vergeben wird. HBO kommt auf immerhin achtzig Nennungen. Die Investitionen von Netflix machen sich offenbar bezahlt.

          Dafür steht schon, dass Alfonso Cuaróns Netflix-Film „Roma“ in der vergangenen Woche bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden ist. Netflix will klotzen, um seinen Stamm von zurzeit rund 130 Millionen Abonnenten zu halten und auszubauen. Der Konzern will aber auch mit künstlerischem Anspruch glänzen. Und das gelingt, Der Netflix-Western „The Ballad of Buster Scruggs“ der Coen-Brüder erhielt in Venedig den Preis für das beste Drehbuch.

          Als vor siebzehn Jahren der Abosender HBO (Home Box Office, in etwa: Heimkino) dem damaligen Liebling der amerikanischen Kritiker NBC bei den Emmys überrundete, markierte das den Beginn eines neuen Fernsehzeitalters. Serien wie „The Sopranos“, „Six Feet Under“ und „The Wire“ wurden zu einer neuen Form von Bildschirm-Literatur, wie der Schriftsteller Salman Rushdie einmal befand. HBO, das damals mit dem Slogan „It’s not TV. It’s HBO“ warb, pflegte sein anspruchsvolles Image sorgfältig. Man rekrutierte für opulent gefilmte Miniserien renommierte Schauspieler wie Al Pacino, Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Helen Mirren, sowie Filmemacher wie Steven Spielberg, Mike Nichols und David Simon. Und man schuf mit der Verfilmung von George R. R. Martins „Game of Thrones“ die bis dato teuerste Serie aller Zeiten, die bald auch zum am häufigsten raubkopierten Fernsehstoff wurde.

          Feinkost und Fast-Food

          Mit dem Thronanspruch von Netflix könnte sich abermals eine Zäsur ankündigen: Wird anspruchsvolles Fernsehen zur Massenware? HBO sei wie Tiffany, Netflix das Walmart des Abo-Fernsehens, sagte kürzlich der Chef des Medienkonzerns AT&T, Randall Stephenson. Der Vergleich freilich hinkt. HBO mag mit „Game of Thrones“ (22 Nominierungen) und „Westworld“ (21 Nominierungen) bahnbrechende Serien produzieren. Aber Netflix’ „Stranger Things“ (zwölf Nominierungen), die Wrestlerinnen-Serie „Glow“ (zehn Nominierungen) haben nicht von ungefähr Kultstatus. Die außergewöhnlich gefilmte Western-Miniserie „Godless“ (sechs Nominierungen) steht bei den Fernsehkritikern auf der Favoritenliste. Ganz zu schweigen davon, dass der düstere Thriller „Ozark“, für den Jason Bateman als bester Hauptdarsteller und Regisseur nominiert ist, als neues „Breaking Bad“ gefeiert wird.

          Der Programmchef von Netflix, Ted Sarandos, sagt, er habe Stoffe für Feinschmecker wie für Fast-Food-Zuseher. Es gelte, „jedem etwas zu bieten“. Besonders glücklich, sagte er zu den Emmy-Nominierungen, sei er darüber, dass diese sich auf vierzig verschiedene Programme erstreckten.

          Was aber macht den Erfolg von Netflix aus? Zunächst der Preis: Das Abonnement kostet mit acht bis vierzehn Dollar im Monat (in Europa dieselbe Summe in Euro) nur etwa halb so viel wie das von HBO. Die Videothek von Netflix ist mit rund viertausend Filmen und mehr als 1500 Serien umfangreich. Das meiste davon ist jederzeit abrufbar. Damit kommt Netflix auf zurzeit rund 130 Millionen Abonnenten weltweit, davon allein 56 Millionen in den Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: HBO, das im November seinen 45. Geburtstag feiert und Streaming ohne Kabelanbindung erst seit Ende 2014 offeriert, konnte im Februar 142 Millionen Abonnenten weltweit vorweisen. Einer Studie vom Oktober 2017 zufolge verfügen dreiundsiebzig Prozent aller amerikanischen Haushalte über Netflix, in etwa so viele, wie einen traditionellen Fernsehanschluss ihr Eigen nennen.

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