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Neue Western-Serie „The Son“ : Falls du eine bessere Idee hast, als zu schießen, sag’s mir

Keinen Schritt weiter: Eli McCullough (Pierce Brosnan) in Arbeitskleidung, in seinem natürlichen Habitat. Bild: 2016 AMC Film Holdings LLC. Al

Beim Abosender TNT läuft eine Western-Serie, die sich aufs Wesentliche der Geschichte Amerikas konzentriert: In „The Son“ spielt Pierce Brosnan einen Mann, der keine Gefangenen macht.

          Der amerikanische Traum hat seinen Preis. Den höchsten, den man sich vorstellen kann – das eigene Leben. Wer das nicht zu riskieren bereit ist und sich scheut, es anderen zu nehmen, geht unter. Jeder ist sich selbst der Nächste, einer nehme des anderen Skalp. Anders geht es nicht, sagt Eli McCullough. Etwas anderes hat er auch nicht kennengelernt, der „First Son of Texas“, geboren am 2. März 1836, dem Tag, an dem Texas seine Unabhängigkeit von Mexiko erklärte. Mit dreizehn Jahren wird er von Comanchen entführt, die seine Mutter und seine Schwester vergewaltigt und ermordet haben. Sein ebenfalls verschleppter Bruder Martin wird vor seinen Augen von Lanzen durchbohrt. Eli kämpft um sein Überleben, erst als Sklave, dann als Ziehsohn des Häuptlings Toshaway. Bei den Indianern lernt er, welches Gesetz gilt: das desjenigen, der alle anderen ausschaltet. Daran wird Eli sich halten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wer glaubte, die Zeit der harten Western sei vorbei, wird im Fernsehen seit einiger Zeit eines Besseren belehrt. Serien wie aktuell „Deadwood“, aus der Stadt der Gesetzlosen, oder „Hell on Wheels“, die vom Bau der Eisenbahn handelt, setzen die Frühzeit der Vereinigten Staaten in epischen Erzählungen in Szene, die frei von Gründerzeit-Pathos und Canyon-Romantik sind und auch dem ansonsten verbreiteten Trend widerstehen, alles und jedem und vor allem der Geschichte den Stempel des Zeitgeistes aufzudrücken. Sie sind vielmehr Charakterstudien des Menschen, Moritaten vor großartiger Landschaft.

          Unter Indianern: Der junge Eli (Jacob Lofland) wird von den Comanchen verschleppt.

          Dafür braucht es allerdings die richtige Vorlage, mit der die Serie „The Son“, die gerade bei dem Abosender TNT Serie angelaufen ist, wirklich wuchern kann. Sie fußt auf dem 2013 erschienene Roman „Der erste Sohn“, mit welchem der vormalige Finanzhai und Broker Philipp Meyer von Kritikern gleich zum „modernen Klassiker“ ausgerufen wurde.

          Meyer erzählt vom Aufstieg und Fall der Familie McCullough, die im Süden von Texas eine große Rinderfarm betreibt und ins Ölgeschäft strebt. Treibende Kraft ist der Patriarch Eli (Pierce Brosnan), der, wie wir in der Serie gleich zu Beginn gesehen haben, von Kindheit an gewohnt ist, keine Gefangenen zu machen. Wenn er, nun Ölbaron in spe, im Jahr 1915 auf seinem Anwesen zum großen Gesellschaftsabend bittet, finden sich alle ein: die Banker, von denen er Geld will; die Indianer, die inzwischen dekorative Randfiguren sind; die Mexikaner, die einen Aufstand gegen die Landnahme der Ölsucher planen; und die Hüter des Gesetzes, die Eli ebenso in der Tasche hat wie die üblichen Honoratioren der vermeintlich besseren Gesellschaft. Er ist der Chef im Ring, er kann charmant sein und witzig, doch weiß jeder, dass Eli mit der Bemerkung, der eine oder andere der hier Versammelten habe ja auch schon auf ihn geschossen, keine Witze macht. Da bleibt einem das Lachen doch gleich viel besser im Halse stecken.

          Großvaters Liebling: Jeannie (Sydney Lucas) und Eli McCullough (Pierce Brosnan).

          Was Eli mit dem jungen Mexikaner Cesar anstellt, der mit anderen gerade seinen Ölförderturm in die Luft gesprengt hat, sehen wir wenig später. Es hat mit der Methodenlehre der Comanchen zu tun, der Elis Sohn Pete (Henry Garrett) gerne abschwören würde. Muss das denn immer so weitergehen? „Müssen wir immer weiter töten?“, fragt Pete seinen Vater. Wenn er eine bessere Idee habe, lasse er sich gerne überzeugen, entgegnet der Alte. Pete hat eine bessere Idee, aber sie funktioniert nicht – denn so wie sein Vater handeln auch alle anderen. Gefangene macht hier niemand, das versteht auch Elis Enkelin Jeannie (Sydney Lucas), die sich anschickt, auch in den Augen ihres Großvaters eine respektable Größe zu werden.

          Dessen Part ist für Pierce Brosnan eine lässige Altersrolle, die er mit der gebotenen Härte und Doppelbödigkeit annimmt. Dass neben ihm das übrige Personal der Saga bestehen kann, dafür sorgt das Drehbuch, an dem der Romanautor Meyer mitgewirkt und das er mit den Produzenten Brian McGreevy und Lee Shipman umgesetzt hat.

          So erzählt die Serie „The Son“ nicht nur von demselben und den McCulloughs, sondern auch von den Garcias; von Liebe, Verrat und Tod und vom Kampf Mann gegen Mann gegen Frau, Indianer gegen Amerikaner gegen Mexikaner – jeder gegen jeden, vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang in Landschaft zum Sattsehen, vorausgesetzt, man ist nicht zimperlich. Für Feiglinge, die nicht bereit sind, um ihren Platz zu kämpfen, ist hier kein Platz. Wobei Pete seinem Vater die Frage nicht erspart, ob ihm das Kämpfen nicht zum Selbstzweck geworden sei und wo denn die Moral bleibe. In der Welt, in dem Amerika, von dem diese Serie handelt und von dem Philipp Meyer geschrieben hat, stellt sich diese Frage nicht.

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