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Veröffentlicht: 19.06.2017, 18:05 Uhr

Serien-Neuauflage Wir wollen unseren alten MacGyver wiederhaben

Auferstehung als besserwisserisches Bürschchen: Die Wiederauflage der Serie aus den achtziger Jahren beraubt den tüftelnden Agenten seines ganzen Charmes.

von
© CBS Broadcasting Was haben sie bloß aus ihm gemacht! Lucas Till als MacGyver in jung und unsympathisch.

Nach etwa einer Minute ahnt man es schon: Sie haben MacGyver auf dem Gewissen. Sie, das ist der amerikanische Sender CBS, der beschlossen hat, eine Neuauflage der immer noch ganz nett anzuschauenden Achtziger-Jahre-Serie zu drehen, die sich außer einem leichten Frisuren- und Karottenjeansproblem eigentlich ganz gut gehalten hat. MacGyver ist, für die Jüngeren unter uns, eine agentenartige Abenteurerfigur, die aus biographischen Gründen eine Abneigung gegen Handfeuerwaffen hat und sich mit Hilfe von Kaugummi, Büroklammer und Knallfrosch durch mitteldicke Gefängnismauern sprengt. Außerdem ist MacGyver ein Guter, der sich treuherzig für die Unterdrückten dieser Welt einsetzt. Das ist unterhaltsam anzuschauen, die Serie ein zeitloser Klassiker und der Begriff MacGyverismus hat mittlerweile in die Umgangssprache Eingang gefunden.

Andrea Diener Folgen:

Derzeit werden viele Klassiker der achtziger Jahre wiederbelebt. „Baywatch“ wurde als Kinofilm aufgegriffen, „Miami Vice“ und das „A-Team“ haben das schon hinter sich, „Lethal Weapon“ wurde als Fernsehserie adaptiert. Man muss Angst haben, dass sich irgendjemand noch an „Magnum“ oder „Ein Colt für alle Fälle“ erinnert, denn so richtig gut funktioniert keine dieser Neuauflagen. Anscheinend ist es recht kompliziert, den Charme alter Rumms-Bumms-Genreklopper in die digitale Gegenwart zu hieven.

Mit diesem Schnösel soll man mitfiebern?

Für die Neuauflage wurde Angus MacGyver verjüngt, wir erfahren die Vorgeschichte des Agenten, der eine Geheimorganisation für hochriskante Operationen gründet. Und sobald sein Darsteller Lucas Till in Anzug und Fliege aus seinem viel zu teuren Flügeltür-Benz steigt, die blonden Haare zurückbetoniert, ein überlegenes Grinsen im Gesicht, möchte man dem Jüngelchen das antun, was er gerade der beliebten Fernsehfigur MacGyver antut. Während sein Vorgänger, gespielt von Richard Dean Anderson, auf dicken Turnschuhsohlen herumschlurfte und sich sympathisch unprätentiös gab, so dass seine Gegner ihn ständig unterschätzten, man als Zuschauer sich aber diebisch freute, wie geschickt er sich wieder aus der Falle manövrierte, hält der Neue gar nichts von Bescheidenheit. In der Eingangsszene schon leiert er als Stimme aus dem Off seine akademischen Meriten herunter und betont dann lässig, er habe das alles nicht nötig. Mit diesem Schnösel soll man mitfiebern?

© Youtube / CBS MacGyver – Ankunft in Frankfurt

Der Reiz des MacGyverismus lag vor allem darin, dass der Agent über keine Task-Force verfügte, sondern immer alles selbst erledigte, und zwar hübsch analog mit allem, was er an Ort und Stelle vorfand. MacGyver war auf sich gestellt, aber das genügte, denn er war schlau. Der neue MacGyver behauptet, schlau zu sein, verlässt sich jedoch vor allem auf die Dienste seines Teams: der Hackerin Riley Davis (gespielt von Tristin Mays), dazu kommt Jack Dalton (George Eads), der die Fluchtyacht steuert. Außerdem spricht MacGyver neuerdings fließend Mandarin und wer weiß was noch alles, diagnostiziert ein Virus, wenn er jemanden drei Sekunden würgen sieht, und fängt startende Flugzeuge mit der Hand.

Die hundertste Agenten-Actionserie

Nach all dem Getöse ist es einem schon egal, ob er nun das tödliche Virus vernichtet und damit einen Planeten vor dem Untergang bewahrt, auf dem so jemand wie er als charmant durchgeht. „Mal wieder stilvoll die Welt gerettet! Klasse gemacht!“, gratuliert ihm sein Sidekick Jack, und man möchte ihn schütteln, damit er sich endlich von seinem jungen Kollegen emanzipiert. Stattdessen freut er sich, dass sein Boss es erlaubt „diese kleine Wildkatze hier zu behalten“, womit er das neue Teammitglied Riley meint, die eine halbe Minute zuvor schon mit „Hey, Süße“ angesprochen wurde und sich nicht nennenswert wehrt. Wenn Modernisierung bedeutet, dass zwar alle Computer benutzen, mit dem weiblichen Personal aber immer noch reden wie vor dreißig Jahren, kann man sich die Mühe eigentlich auch sparen.

Was dieses superschlaue, supersouveräne Superagenten-Abziehbild mit dem höflichen Schluffi aus der alten Serie zu tun haben soll, das weiß vermutlich nicht einmal Peter M. Lenkov, der Entwickler. Stattdessen hat er die hundertste Agenten-Actionserie abgeliefert, die sich nur dadurch auszeichnet, dass der Protagonist am Flugzeug Fahrwerk und Hydraulik unterscheiden kann, die auch noch sorgsam beschriftet werden, damit man das als Zuschauer auch kapiert. So bleibt nicht viel, was sich zur Rettung des jungen MacGyver sagen ließe. Nicht einmal das Frisurenproblem haben sie behoben.

Glosse

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