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Fernsehserie „Candice Renoir“ : Nie wieder Elternzeit!

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild mit Nachwuchs: Candice Renoir (Cécile Bois) im Kreise ihrer Lieben, bevor sie ins Kommissariat aufbricht. Bild: ZDF und Fabien Malot

Zehn Jahre hat sie sich den Kindern gewidmet, jetzt kehrt die Polizistin Candice Renoir zurück in den Job. Die Kollegen empfangen ihre Chefin nicht gerade mit Euphorie. Doch die ist durch den Familiendienst gestählt und weiß auch, wie sie am besten mit Alphamännchen umgeht.

          Meist münden die Tage, an denen die Familien-Logistik besonders reibungslos funktionieren muss, weil Termine anstehen, die weder Verspätung noch Ablenkung dulden, im Chaos. Darüber lernt man als Eltern über die Jahre zu lachen. Und auch Candice Renoir, eine Kriminalpolizistin, die sich zehn Jahre zuvor beurlauben ließ, weil sie vier Kinder aufziehen musste und einen Mann liebte, der die Familie von einer beruflichen Auslandsstation zur nächsten zog, hat ihre Lektionen in Demut gelernt.

          Trotzdem ist es ihr unangenehm, dass sie ausgerechnet am ersten Arbeitstag nach der Pause zur Schule ihrer Söhne aufbrechen muss, um die Tornister nach den verschollenen Anmeldeformularen für die Mensa zu durchwühlen. Das wirkt unprofessionell wie der krähende, von den Söhnen heimlich auf lustig getrimmte Klingelton ihres Handys. Die Polizistin versteht also, weshalb die Kollegen im südfranzösischen Sète, die zum Auftakt der französischen Krimi-Serie „Candice Renoir“ zu einer Frauenleiche am Strand gerufen werden und denen sie als neuer „Commandante“ vorstehen soll, die Augen verdrehen. Aber so ist das nun einmal, das müssen auch Alpha-Männchen wie Capitain Antoine Dumas (Raphaël Lenglet) akzeptieren, dessen Karrierehoffnungen die Ankunft der Neuen durchkreuzt.

          Wirkt sie wie eine „Polizei-Barbie“?

          Wenn nicht: auch gut. Dann muss sich Dumas an das Ungewohnte gewöhnen wie Candice Renoir an die „computergestützte Vorgangsbewertung“. Die gab es noch nicht, als sie bei der Kripo Dienst tat und sportlich aussah. Heute platzt ihr beim Bücken der Rock und wirkt die Blondine in der alten Uniform wie eine aufgetakelte „Polizei-Barbie“ (ein billiger Scherz: Cécile Bois sieht hinreißend aus). Die Kollegen lästern, während sie die Vergangenheit der Vorgesetzten per Bildsuche im Internet erkunden: „Ist sie das? Ganz schön zugelegt.“ Sie witzeln über ihren Vornamen, schließen Wetten auf ihre Verweildauer ab und stellen, da die Chefin mit ihrem Kopf ständig woanders zu sein scheint, kollektiv den Versetzungsantrag.

          Nichts wäre falscher. Candice Renoir - das ist die Botschaft dieser braven, im Kern eher vom Wiedereinstieg in den Beruf als originellen Fällen handelnden Serie - bringt Lebenserfahrung in die Ermittlungen ein, die den Jungspunden fremd ist. Wenn sie Wohnungen der Verdächtigen mit Blick für vermeintlich Belangloses wie die Zusammensetzung der Speisevorrats oder den Zustand der Rosen durchstreift und Zeugen zu nettem Geplauder verführt, wirkt sie beinahe wie eine französischer Wiedergängerin des großen Inspektors Columbo.

          Fernsehtrailer : „Candice Renoir"

          Auch hier lebt die Serie, die auf wohltuend konservative Weise gefilmt ist und in Frankreich auf die vierte Staffel zuläuft, von der Lust der 1971 geborenen Hauptdarstellerin an ihrer Rolle. Ohne sie hätte „Candice Renoir“ kaum eine Chance, ginge uns schon der vorhersehbare Flirt mit dem unrasierten Nachbarn auf den Keks, das Beste-Freundinnen-Getuschel an der Strandbar oder der Moment, an dem sie die Coaching-CD „Positiv Denken“ aus dem Autofenster schleudert, um stattdessen Aretha Franklins „Respect“ aufzudrehen.

          Die für die Ausstrahlung der ersten beiden Staffeln in Deutschland verantwortliche ZDFneo-Redakteurin hat „Candice Renoir“ als „Gegenentwurf“ zu den „vielen düsteren Krimis mit gebrochenen Charakteren“ bezeichnet. Das ist richtig. Auch Wellness-Krimis funktionieren allerdings nur, solange es Schauspieler wie Cécile Bois gibt, die den subtilen Humor mitbringen, der die Episoden trägt.

          Wer hat gesagt, sie sähe wie eine „Polizei-Barbie“ aus? Candice Renoir (Cécile Bois) lässt nichts auf sich sitzen.
          Wer hat gesagt, sie sähe wie eine „Polizei-Barbie“ aus? Candice Renoir (Cécile Bois) lässt nichts auf sich sitzen. : Bild: ZDF und Fabien Malot

          Manchmal fällt der allerdings auch deftig aus. Für das Au-pair-Mädchen, das die störrischen Kinder zu disziplinieren versucht, hat Renoir jedenfalls einen (nicht ernstgemeinten) Tipp: Einfach mal zum Nachdenken an den nächsten Baum fesseln, in der Nähe eines Ameisenhügels, und dann läuft’s. Das ist Knowhow, das man nur im Eltern-Dasein erwirbt.

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