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TV-Serienmacher Dick Wolf : „Flammendes Inferno“ ist nichts dagegen

  • -Aktualisiert am

Freunde und Helfer im Serienformat: die versammelte Mannschaft von „Chicago P.D.“ Bild: Paul Drinkwater/NBC

Dick Wolf prägt mit seinen Serien Amerikas Fernsehen wie kein Zweiter. Sie laufen auch bei uns. In Chicago vereint der Produzent drei Serien zum Großspektakel. Wieso? Das sagt er beim Gespräch am Set.

          Los, Leute, wir ziehen in den Krieg“ – mit diesen Worten schickte Bataillonschef Boden (Eamonn Walker) Anfang Oktober seine Crew aus „Chicago Fire“ zum Einsatz in einen Hochhausbrand, in den auch die Teams von „Chicago Med“ und „Chicago P.D.“ eingebunden waren.

          Ein Paukenschlag, mit dem der Sender NBC seine „Chicago“-Serien in die neuen Staffeln schickte: Gleich in der zweiten Episode von „Chicago Fire“, inzwischen in der siebten Saison, „Chicago P.D.“, jetzt in Staffel sechs, und „Chicago Med“, wo die vierte Staffel ansetzt, kommen die Crews der Serien bei einem vernichtenden Feuer gemeinsam zum Einsatz. „Wir haben hier letztlich ,Flammendes Inferno‘ gemacht“, sagte der Produzent Dick Wolf beim Pressegespräch in den Studios seiner Chicagoer Shows, „ein Feuer in einem Hochhaus, das zu vielen Toten und Verletzten führt und bald polizeiliche Ermittlungen nach sich zieht.“

          Als Anlehnung an den mit Paul Newman und Steve McQueen starbesetzten Katastrophenfilm von 1974 hatte Wolf die Episoden konzipiert, die den Zuschauern einiges Durchhaltevermögen abfordern. Der Fernsehgipfel war dazu gedacht, die Fans der jeweiligen Serien in einem dreistündigen Spektakel vor den Schirm zu bannen – eine Achterbahnfahrt, in deren Verlauf unter anderem das Feuerwehrpärchen Severide (Taylor Kinney) und Stella (Miranda Ray Mayo) in eine Zwickmühle gerät, sich der Polizist Jay Halstead (Jesse Lee Soffer) einem Familientrauma stellen muss und auch sonst jede Menge schwieriger Entscheidungen zu treffen sind.

          Aber dass so etwas anstrengend ist, gehört eben dazu. „Diese Crossovers sind immer eine Herausforderung“, so Dick Wolf, „sie sind immer zu teuer, und jedes Mal dauert es zu lange, sie zu drehen. Aber die Resultate sind spektakulär.“ Tatsächlich hatte NBC mit dem Chicagoer Dreierlei den Fernsehabend für sich.

          Produziert Serien in Serie: Dick Wolf.

          Wolfs Serien dominieren inzwischen das amerikanische Fernsehprogramm wie keine zweite Marke seit „CSI“. Neben den Feuerwehrleuten, Polizisten und Medizinern aus Chicago sind die Ermittler und Staatsanwälte von „Law and Order: Special Victims Unit“ bei NBC im Einsatz. Seit wenigen Wochen läuft bei CBS eine neue Serie aus der Wolf-Werkstatt: „FBI“. Und soeben wurde mit „Law and Order: Hate Crimes“ ein weiterer Ableger geformt, bei dem es um Verbrechen aus Hass geht.

          Dick Wolf, Jahrgang 1946, ist seit 1988 in Hollywood im Geschäft. Nach einer Karriere als Werbetexter fasste er als Drehbuchautor Fuß, unter anderem für die Serien „Hill Street Blues“ und „Miami Vice“. Aber es war „Law and Order“, das ihm den Durchbruch brachte – eine Serie, die den Kriminalfall der Woche von der polizeilichen Ermittlung bis zur juristischen Aburteilung verfolgt. „Law and Order“, Recht und Ordnung, werden hier (in aller Regel) allwöchentlich wiederhergestellt.

          Gruppenbild mit Schauspielern und dem Produzenten: Dick Wolf und seine Crew bei den Dreharbeiten zu den „Chicago“-Serien.

          Wolf hatte für das Konzept der Serie zunächst den Sender Fox gewonnen, der indes einen Rückzieher machte. Wolf warb bei CBS um Interesse und landete schließlich 1990 bei NBC, wo „Law and Order“ zu einer Grundfeste des Programms wurde. Als die Originalserie 2010 nach zwanzig Staffeln und insgesamt 456 Episoden eingestellt wurde, gehörte sie mit „Gunsmoke“ (432 Episoden) zu den langlebigsten Serien im amerikanischen Fernsehen. Weitere Varianten – „Criminal Intent“, Trial By Jury“, L.A.“ und „True Crime“ – liefen mit unterschiedlichem Erfolg, letztere, im vergangenen November gestartet, pausiert zurzeit. Den Langstreckenrekord, so viel ist sicher, wird eine weitere Serie aus dem „Law and Order“-Universum einstellen: „Special Victims Unit“ ist kürzlich in die zwanzigste Staffel gestartet. Seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten zieht dort Mariska Hargitay als Detective Olivia Benson mit Einfühlungsvermögen, aber auch Härte Sexualstraftäter zur Rechenschaft.

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