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ZDF-Dreiteiler „Maximilian“ : Im Nebel der Geschichte

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Die Regie übersteigert alle Kontraste

Die Rahmenereignisse stimmen wenigstens cum grano salis. Der französische König Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade), der nach dem Tod Karls des Kühnen auf Einziehung des Lehens besteht – kein männlicher Erbe! –, verstärkt seine Angriffe auf das Burgunderreich und wirbt bei den Kaufleuten um Akzeptanz, verspricht etwa den Fortbestand des „Großen Privilegs“, das die Stände Flanderns der geschwächten Maria im Februar 1477 abgerungen haben. Maria setzt auf die Verbindung mit Maximilian, um der französischen Umklammerung zu entgehen. Bei der Reise von Wien nach Gent, wo die Hochzeit nach vorausgegangener Stellvertretereheschließung „per procurationem“ im August 1477 vollzogen wird, traten in der Tat Verzögerungen ein: Der zahlungsunfähige Kaisersohn blieb in Köln hängen (im Film leidet er noch an Pest-Fieber). Im Langgedicht „Teuerdank“, das Maximilian über seine Brautfahrt anfertigen ließ, stellen die aufhaltenden Widerfahrnisse Anfechtungen durch den Teufel dar: eine hochallegorische Angelegenheit. Gar nichts hingegen ist allegorisch an der allzu glatt erfundenen Gefährten-Figur Wolf von Polheim (Stefan Pohl), der durch die verbotene, fatale Beziehung zu einer Hofdame Marias (Miriam Fussenegger) die tumbe Liebeshandlung noch einmal verdoppelt.

Adolf von Egmond (Fritz Karl) stellt Maria (Christa Théret) nach.
Adolf von Egmond (Fritz Karl) stellt Maria (Christa Théret) nach. : Bild: ZDF und Thomas W. Kiennast

Die Regie von Andreas Prochaska übersteigert alle Kontraste. Kaiser Friedrich III., Maximilians Vater, von Tobias Moretti reichlich abgekämpft verkörpert, scheint ein vereinsamter Herrscher über ein blaugraues Land zu sein, in dem die Sonne niemals scheint und das Zeremoniell kaum Bedeutung hat: Diese Witzfigur von Kaiser in der funzelbeleuchteten Dunkelburg im Dauernebel nimmt dem Stoff Glanz und Größe, verrückt ihn ins billig Fantasyhafte. Ein deutsches „Game of Thrones“ ist der Film damit noch lange nicht. Es wäre auch vielmehr darum gegangen, diesem offenbar angepeilten Modell etwas entgegenzusetzen. Bis zur Langweiligkeit überspitzt wurden die Gegenspieler Maximilians: Philippe De Commynes (Nicolas Wanczycki), der berühmte Überläufer zu Ludwig, ist hier kein schlitzohriger Rhetoriker, wofür seine „Memoiren“ sprechen, sondern diabolischer Intrigant. Er ist der maliziöse Mentor des Genter Pelzkragen-Wutbürgers Jan Coppenhole, den Sebastian Blomberg als aufgeblasenen Revoluzzer karikiert.

Auch Martin Wuttke als Ulrich Fugger mit locker sitzender Brieftasche, Fritz Karl als schmierig um Maria buhlender Herzog Adolf von Egmont oder Erwin Steinhauer als gehörnter Ehemann wirken so übertheatralisch und kostümverliebt, dass man sich bei „Sketch History“ wähnt, auch wenn hier leider kein Kinski-Lookalike „Du dumme Sau, du“ brüllt. Die einzig gelungene Nebenfigur ist der erzcoole kaiserliche Haudegen Georg, den Harald Windisch ohne Wimpernzucken gibt. Trotz des antihistorischen Individualismus-Updates der Charaktere sagt uns dieser Film wenig, was doppelt ruinös ist. Nur einmal versucht man einen augenzwinkernden Kommentar zur Jetztzeit: Maria, die geflohene „Fremde“ (aus der Picardie) aufnimmt, pocht auf Nächstenliebe und widersetzt sich dem Unmut des Volkes mit den Worten: „Wir schaffen das!“ Das stimmt sogar, schließlich widersteht Maximilian letztlich den Franzosen. Nur reicht der Film so weit gar nicht. Es wird nur die für Burgund siegreiche Schlacht von Guinegate (1479) angedeutet, bevor Maria 1482 quellengemäß verunglückt. Damit ist die Liebesgeschichte erzählt. Das Machtspiel freilich beginnt erst.

Ein Kaiser von der traurigen Gestalt: Tobias Moretti als Friedrich III.
Ein Kaiser von der traurigen Gestalt: Tobias Moretti als Friedrich III. : Bild: ZDF und Thomas W. Kiennast

Die Lichtführung der Kamera von Thomas W. Kiennast immerhin beeindruckt, auch wenn es allzu viele unmotivierte Kerzenlicht-Nacktszenen gibt. Dass sich die Eheleute kaum verständigen konnten, ist leider verlorengegangen, obwohl man sogar zweisprachig gedreht hat (Christa Théret sprach Französisch). Jetzt aber – Fluch der Synchronisation – reden hier natürlich auch alle Franzosen Deutsch, ist jeder Zauber dahin. Trotzdem haben die Dialoge das Originalitätsniveau von Glückskekssprüchen: „Ist die Liebe nicht besser als der Krieg?“ „Wer sich hoch hinauswagt, läuft Gefahr, sehr tief zu fallen.“ „Männer sind wie Hunde. Wenn man sie füttert und manchmal nett zu ihnen ist, dann wedeln sie mit dem Schwanz.“ Das ist Retro-Emanzipation als Beleidigung. Die stolzen Habsburger haben Gewitzteres verdient. Burgund erst recht.

Die drei Teile von Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe laufen Sonntag (22 Uhr), Montag (22.15 Uhr) und Dienstag (22 Uhr) im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

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