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Serie „Deception“ bei Sat.1 : Auf der Abrakadabra-Achterbahn

An Knalleffekten herrscht kein Mangel: Kay (Ilfenesh Hadera) und Cameron (Jack Cutmore-Scott) im Einsatz. Bild: Sat.1

Harry Houdini aus Lönneberga: In der Sat.1-Serie „Deception“ mischt ein Illusionist das FBI auf und bietet täuschend gute Unterhaltung. Davon lässt man sich als Zuschauer gerne verzaubern.

          Gönnen Sie sich den Spaß. Es schaut sonst ja keiner zu. Tippen Sie auf eine Karte auf dem Bildschirm, wenn Cameron Black (Jack Cutmore-Scott), der etwas zu smart wirkende Lausbubenhoudini aus der neuen Sat.1-Serie „Deception“ Ihnen wieder mal die Karten hinhält, damit sie eine auswählen. Und wundern Sie sich nicht, wenn hinterher exakt die Karte fehlt, auf die Sie getippt haben: It’s a kind of magic.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die unterhaltende Illusion, das Spiel mit dem täuschend echt wirkenden „Als ob“ ist ein sehr altes Handwerk. Von den Gauklertruppen über die Zirkuszelte und die Bühnen von Las Vegas hat es einen langen Weg hinter sich – im Fernsehen und im Kino hat es ein Zuhause gefunden. Einerseits um Mord und Totschlag mit den Werkzeugen der Illusion glaubhaft darzustellen, andererseits als deren ausgleichendes Gegengewicht. Deshalb rühren amerikanische Sender gerne beides zusammen: Krimi und Magie. Gerahmt wird dies stets durch eine absurde, mitunter erwartbare Komik, die dem Kontrast beider Elemente entspringt. Das Rezept ist auch hier immer wieder das übliche: hochbegabter Michel-aus-Lönneberga-Narzisst mit autistischen Zügen bekommt professionelle Polizistin an die Seite gestellt und entfacht ein Tischfeuerwerk an unorthodoxen Methoden. Serien wie „Castle“, „Forever“, „The Mentalist“ oder „Lucifer“ haben das schon durchgespielt. Und wenn man sich damit zufrieden geben kann, von einer Serie im Jahr 2018 auch einfach nur mal glänzend unterhalten zu werden, anstatt nachhaltig verstört, dann kann man sich an vielen dieser Serien gar nicht sattsehen.

          Bei Anruf Magie: Das Team von „Deception“ sammelt sich.

          „Deception“ ist eine solche Serie. Zum hintereinander wegschauen – „bingen“ – taugt sie nicht. Dafür ist kontinuierlich zu viel Vollgas angesagt. Man braucht eine Woche, bis man sich von einer Folge erholt hat. Dann freut man sich auch wieder auf die nächste. Den Anschluss findet man leicht, denn Cameron Black bringt den Zuschauer zu Beginn jeder Folge mit einem kurzen Überblick wieder auf Stand. Der Illusionist – das stellt er in der ersten Folge sowohl durch kleine Taschenspielertricks, als auch durch eine megalomanische Bühnenshow unter Beweis, die selbst dem durchgeknallten Magier Steve Gray (Jim Carrey) aus der herrlichen Zaubersatire „The Incredible Burt Wonderstone“ Respekt abgerungen hätte – ist ein Meister. Nach einer seiner Shows steht jedoch die amerikanische Bundespolizei FBI vor der Tür, in Person der Agentin Kay Daniels (Ilfenesh Hadera). „Es ist nichts Persönliches, ich mag einfach keine Magie“, sagt sie. Ihr Partner Mike Alvarez (Amaury Nolasco) will stattdessen wissen: „Wie haben Sie das nur gemacht?“

          Dann wird es kurz kompliziert: Black soll eine Frau ermordet haben. Es stellt sich heraus, er hat einen Zwillingsbruder, Jonathan. Auch den gibt Cutmore-Scott in einer Doppelrolle als abgeklärtes Mastermind hinter den Tricks. Nun wird Jonathan verdächtigt und verhaftet. Der aber sagt aus, jemand wolle ihn ans Messer liefern, genauer, eine höchst geheimnisvolle Dame mit einem waffenscheinpflichtigen Lächeln und verschiedenfarbenen „magischen Augen“ (Stephanie Corneliussen). Ein bisschen Carmen Sandiego, ein bisschen Hexe von Eastwick, scheint sie hinter einer Reihe von Anschlägen zu stecken, die das FBI durch ausgeklügelte Illusionen in die Irre führen sollen. Die Jagd nach ihr bildet die Rahmenhandlung: Ein Duell der Magier auf großer Bühne. Für Cameron Black geht es darum, die Unschuld seines Zwillingsbruders zu beweisen. Ansonsten trommelt er von Folge zu Folge sein etwas zu auffällig auf Multikulti ausgelegtes Team – Jordan Kwon, ein asiatischer Straßenmagier (Justin Chon), Dina Clark, eine schwarze Maskenbildnerin (Lenora Crichlow) und Gunter Gastafsen (geht immer: Vinnie Jones) – zusammen, um dem FBI bei anderen Fällen mit etwas Magie auszuhelfen.

          Bis auf die penetrante Musikuntermalung, das stellenweise auffällig hinzugefügte Geräuschdesign und Kostüme, in denen die Schauspieler noch mit Kevlarweste aussehen, als wären sie unterwegs zur Afterwork-Party, schnurren die Bilder so flüssig dahin, dass die konventionelle Kameraführung (John Lindley) kaum auffällt. Es fließt nicht, es rauscht, rollt, knallt und funkt. Zwei wesentliche Komponenten der Illusion hat sich „Deception“ zu eigen gemacht: Schnelligkeit und Ablenkung durch Bewegung. Es geht Schlag auf Schlag, Hokus auf

          Pokus – der Wechsel zwischen „Cameron hat die Dinge unter Kontrolle“ und „die Jungfrau ist tatsächlich zersägt“, ist rasant. Manchmal ist Cameron Black, der sich mit Tricks und Sprüchen als ständig überlegener Last-Action-Harry-Potter aus dem Schlamassel mogelt, anstrengend. Aber dann fängt ihn seine Assistentin Agent Kay mit ihrer erdgebundenen, ganz eigenen Magie wieder ein. Täuschend gute Unterhaltung eben.

          Deception – Magie des Verbrechens läuft donnerstags um 20.15 bei Sat.1.

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