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Remake der Serie „Roots“ : Die Wurzeln Amerikas

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Versklavt und entwurzelt: Malachi Kirby als Kunta Kinte in der Neuverfilmung von „Roots“ Bild: History

In der Neuauflage von „Roots“ komprimiert der Sender History die berühmte Familiensaga eines Sklaven. Den Schnelldurchlauf durch die Jahrzehnte vermag nicht einmal Oscar-Preisträger Forest Whitaker zu retten.

          Vor vierzig Jahren, im Januar 1977, strahlte der amerikanische Sender ABC eine Serie aus, die auf dem Roman „Roots“ von Alex Haley basierte und insgesamt neun Emmys gewann. Sie blieb im kollektiven Gedächtnis der Vereinigten Staaten haften – denn „Roots“ erzählte die Geschichte der Sklaverei konsequent aus der Perspektive eines Sklaven, seiner Kinder und Kindeskinder. Ganz nebenbei machte die Serie den Schauspieler LeVar Burton berühmt. Heute überdeckt die Rolle von „Geordi La Forge“, dem Lieutenant Commander auf dem „Raumschiff Enterprise“, sein Schaffen. In der ursprünglichen „Roots“-Serie verkörperte er einen Jugendlichen, der 1767 von Westafrika an die amerikanische Ostküste verschleppt wird: Kunta Kinte, den Vater von Kitty, Großvater von „Chicken George“ und Urgroßvater von Tom. Für das neue „Roots“-Remake war er als Ko-Produzent tätig.

          „Der folgende Film basiert auf historischen Ereignissen“, steht im Vorspann zum Auftakt jeder Folge zu lesen. Der Schriftzug ist mit einem der vielen Sternenhimmel unterlegt, die in „Roots“ immer wieder über einer eigenartigen Mischung aus Romantik, Pathos und Brutalität stehen. Kunta Kinte wird in der neuen Fassung von dem britischen Schauspieler Malachi Kirby gespielt. Zunächst sieht man Kinte jedoch als Baby, das in der ersten Folge in Juffureh, einem Ort im heutigen Gambia, mit Trommelschlägen in die Welt gelockt wird. Es wächst bald zu einem stattlichen jungen Mann heran, mit dem breiten Lächeln, der an einem Fluss aufwächst, zu einem guten Muslim und Mandinka-Krieger erzogen wird und insgeheim von einem Studium an der Uni von Timbuktu träumt – einer der ältesten Universitäten der Welt.

          Zur gefügigen Arbeitsmaschine erzogen

          Doch statt eines Studiums, liegt er wenige Augenblicke später im Rumpf eines Schiffes in Ketten. Eine befeindete, auf hässliche Weise in den Sklavenhandel involvierte Familie nimmt Kinte – es ist das Jahr 1767 – gefangen und verkauft ihn an die Engländer. Die wiederum veräußern ihn, kaum dass das Schiff den Atlantik überquert hat, an einen Tabakfarmer in Virginia, der ihn „Toby“ nennt. Von einem geigenspielenden Sklaven namens „Fiddler“ (Forest Whitaker) wird er fortan zu einer gefügigen Arbeitsmaschine erzogen. So kommt es zur Neuauflage jener Auspeitsch-Szene, durch die „Roots“ im Jahr 1977 für Aufsehen sorgte: Kinte wehrt sich gegen den neuen Namen und die neue Identität, doch man drischt sie ihm erbarmungslos ein. Schon diese Bilder tun weh, auch wenn es in den insgesamt acht Episoden der Serie noch schlimmere gibt.

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          Für Dialoge mit Zwischentönen fehlt hingegen die Zeit. In der „Washington Post“ versah der sonst wohlwollende Rezensent – als die Serie im Sommer in den Staaten anlief – seinen Text mit dem Hinweis: „Das ist ein ,Roots‘ für eine hektische Welt, die ,Cliffs Notes‘-Version“. Zügig arbeitet der Film ein Kapitel der Familiengeschichte nach dem anderen ab: Dann war Kinte im Krieg. Dann verlor Kinte den Fuß. Dann war Kinte verliebt. Nicht einmal Oscar-Preisträger Forest Whitaker vermag da schauspielerisch etwas zu richten. Außerdem verlässt er mit der Stabübergabe zur nächsten Kinte-Generation auch schon wieder die Bühne.

          Denn „Roots“, dieses blutige, durch grässliche Jahrzehnte rasende Epos, erzählt ja nicht nur Kintes Geschichte, sondern auch die seiner Nachfahren. Am Ende gelangt man so beim „Dreizehnten Zusatzartikel“ der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika an, mit der die Sklaverei 1865 abgeschafft wurde – und bei einem ersten Kind, das in Freiheit geboren wird. „Das heißt nicht, dass du kein Krieger sein musst“, schärft ihm sein Vater ein, „um frei zu bleiben, musst du stets kämpfen.“

          Die eigentlichen Schlussworte wird Alex Haley sprechen. Jener von Laurence Fishburne gespielte Journalist, der einst „Malcolm X“ zu einer Autobiographie verhalf – und der nach einer Gambia-Reise begann, an „Roots“ zu schreiben, der Geschichte seiner Familie. „Meine Vorfahren“, sagt er, „würden ein Symbol für Millionen von Sklaven sein.“ Genauso ist es, und genau so soll es mit dieser neuaufgelegten „Roots“-Serie sein.

          Roots läuft von diesem Karfreitag an bis Montag um 22.10 Uhr auf History, Sonntag und Montag ergänzt um eine Dokumentation zum Thema.

          Quelle: F.A.Z.

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