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Sky-Serie: „The Break“ : Zu Hause ist es doch nicht am schönsten

Von wegen trautes Heim: L’inspecteur Yoann Peeters (Yoann Blanc, links) und sein Kollege Sébastian (Guillaume Kerbusch) haben etwas entdeckt. Bild: Federation Entertainment

Heiderfeld grüßt „Twin Peaks“: In der belgischen Serie „The Break“ kommt ein traumatisierter Polizist all den dunklen Geheimnissen der Bewohner seiner Heimat auf die Spur.

          In den belgischen Ardennen reicht der Nadelwald, so weit das Auge blicken kann. Über den Wipfeln herrscht Ruhe, von der wir bald erfahren, wie trügerisch sie ist. Es ist die einstige Heimat des Polizisten Yoann Peeters (Yoann Blanc). Gemeinsam mit seiner Tochter Camille (Sophie Breyer) ist er kürzlich aus Brüssel hierher zurückgekehrt. Beider Leben steckt noch in flachen, quadratischen Umzugkartons. Die Heimkehr, die in vielen Serien das Motiv des Aufbruchs abgelöst hat, steht unter keinem guten Stern. Yoann muss den Tod seiner Frau, Camille den Tod ihrer Mutter verwinden.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Zudem ist Peeters schwer traumatisiert. Er wird für das blutige Scheitern einer Polizeioperation verantwortlich gemacht. Ein Fall für die namenlose Psychologin (Jasmina Douieb). Bei ihr sieht und hört man den Mann, dessen Rasiermesser-Charme vom Lehramtsreferendar (Mathe/Chemie) bis zum Rummelboxer reicht, zum ersten Mal von sich erzählen. Er schildert einen Traum. Darin habe er einen Paketboten zusammengeschlagen, sehr „methodisch“ und „ganz klar“ im Kopf. Der Zuschauer merkt, wie sehr ihn das ängstigt und wie wenig er es zeigen will. Yoann Blanc gibt ein äußerst glaubwürdiges Rauhbein ab.

          Ein vermeintlicher Selbstmord

          Die Gespräche mit der Psychologin bilden den erzählerischen Rahmen der finsteren Geschichte, die die belgische Serie „The Break“ (La Trêve) von Regisseur Matthieu Donc erzählt. In deren Mittelpunkt steht der Mord an dem jungen, aus Togo stammenden Fußballspieler Driss Assani. Kaum hat Peeters im neuen Heim das erste Bild ins Regal gestellt, klingelt schon der zarte, unerfahrene Kollege Sébastian Drummer (Guillaume Kerbush) und bittet ihn, sich den vermeintlichen Selbstmord anzusehen. Zwei Angler haben die Leiche des jungen Mannes aus dem Fluss gezogen. Er sei von der Brücke gesprungen, heißt es. Doch Peeters, der nicht nur ein harter Knochen, sondern ein ziemlicher Fuchs ist – auch das glaubt man ihm –, kauft die Geschichte nicht.

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          Bis zu diesem Punkt wirkt die Serie dank der ehrfurchtgebietenden Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Olivier Boonjing so, als sei sie die zufällige Nebenhandlung beim Dreh eines BBC-Naturfilms, und das Team habe dann einfach draufgehalten. Doch nun lernen wir im Blick über die Schulter der beiden Polizisten bei ihren Ermittlungen die Bewohner von Heiderfeld kennen, einer seltsamer als der andere: Heiderfeld grüßt „Twin Peaks“.

          Wie üblich beginnt es mit einem Verdächtigen, dessen Gestalt und Umfeld darauf deuten, er müsse es gewesen sein: „Jeff, der Indianer“ lebt in einem Wohnwagen im Wald und ist etwas aus der „Balance“, seit seine Tochter vor fünf Jahren gestorben ist. Vor dem heruntergekommenen Roll-Domizil verheißt schon die Kombination aus Marienstatuen und zerlegten Kinderpuppen nichts Gutes. Noch weniger das Fliegensummen beim Öffnen der Trailertür. Am allerwenigsten aber die Handwaffen, Jagdgewehre und in die Wand geritzten Hakenkreuze. Bei Jeff, dem Indianer, ist was im Busch.

          Trailer : „The Break“

          Von Folge zu Folge wird allerdings deutlich, dass in Heiderfeld alle etwas zu verbergen haben: Die Bürgermeisterin, die Lobbyarbeit für einen Damm betreibt, der in der Nähe errichtet werden soll. Ihr Sohn, der das Hausmädchen verführt und sein Taschengeld mit dem Verkauf von Marihuana aufbessert. Der Leiter der Polizeidienststelle, der den Fall gern zu den Akten legen würde. Die sadistische Frau Malausa, die ihren Bruder wahlweise „Lapin“ (Kaninchen) oder Schweinchen nennt.

          In diesem Reigen von Außenseitern und Bürgern mit gutem Ruf stimmt nur die Fassade. Dahinter verbirgt sich Gewalt, eruptiv-wilde und kühl organisierte. Die Landschaft ist Seelenlandschaft, gerade dort, wo Zivilisation an Natur grenzt: Der Mensch gerät in beiden Sphären gleichermaßen außer Kontrolle. Um das zu zeigen, geht die Kamera in „The Break“ so distanziert wie kalkuliert vor. Wenn Menschen in dieser Serie etwas tun, dann sieht man sie oft aus großer Entfernung, bis sich die Kamera Schnitt für Schnitt an sie herantastet. Dann wiederum sehen wir oft lange im Detail, was geschieht – etwa, wie jemand in aller Seelenruhe Marmeladenbrote schmiert –, bevor zu erkennen ist, wer hier gerade Frühstück zubereitet. Dabei spielt in Heiderfeld eigentlich keine Rolle, wer was tut. Die Nachbarn des Polizisten Yoann Peeters und seiner Tochter Camille sind fast alle zum Fürchten – immer und überall.

          The Break läuft heute, Dienstag, 11. April, um 21 Uhr auf Sky Atlantic.

          Quelle: F.A.Z.

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