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Serie „Bad Banks“ : Hauptsache siegen, wofür spielt keine Rolle

Gleich steht sie wieder auf: Jana (Paula Beer) lernt schnell, dass sie nicht lange am Boden bleiben darf. Bild: ZDF und Sammy Hart

Wer eine deutsche Serie vom Feinsten sehen will, muss Arte oder das ZDF einschalten: „Bad Banks“ ist ein Thriller aus der Welt des Investmentbankings, in der es immer um alles oder nichts geht.

          Vielleicht ist jetzt endlich Schluss mit dem Staunen darüber, dass eine Fernsehserie aus Deutschland kommen und richtig gut sein kann. Spannend geschrieben. Elegant gefilmt. Exzellent gespielt. Cool inszeniert. Und das sogar, ohne Ausflüge in eine reizvolle Vergangenheit zu unternehmen. „Bad Banks“, dieser nahezu makellose, atemlose Sechsteiler des Regisseurs Christian Schwochow, bewegt sich ähnlich wie das Gangsterepos „4 Blocks“ von TNT Serie auf der Höhe unserer Zeit und markiert einen weiteren Schritt hiesiger Sender auf Weltmarktniveau. Nach dem im eigenen Land ungeliebten „Deutschland 83“, das von RTL zu Amazon wanderte, und der gefeierten ARD-Sky-Zusammenarbeit „Babylon Berlin“ demonstriert „Bad Banks“ von ZDF und Arte – anders als die an amerikanischen Vorbildern orientierte deutsche Netflix-Produktion „Dark“ –, wie blendend europäisches Fernsehen aussehen kann, wenn es ganz bei sich bleibt, aber alle mittelmäßige Lustlosigkeit hinter sich lässt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Bad Banks“ lädt zu einem rauschhaften Trip in die Welt des Investmentbankings ein, zu einer Tour de force zwischen Frankfurt, Luxemburg und London. Wir folgen einer jungen Bankerin bei ihrem kometenhaften Aufstieg, der in Wahrheit eine achtwöchige Höllenfahrt ins dunkle Herz der nur nach außen hin glänzend dastehenden Großbank ist, bei der sie arbeitet. Da, wo die Schrottpapiere der fiktiven Global Invest mit Hauptsitz Frankfurt versenkt werden, im Keller der Systeme, liegt für einen kleinen Kreis skrupelloser Egomanen der Hebel, einander fertigzumachen, des Gewinnens und der Gewinne wegen, und wenn das den nächsten Bankencrash heraufbeschwört, sei es drum. Hier siegt kein Wir, in diesem vom Leben draußen abgekoppelten Universum ohne Solidarität und Loyalität kämpft jeder für sich allein und muss immer weiter siegen, sonst wird er zermalmt.

          Wofür? Die Frage schreit gleich am Anfang, der das Ende vorwegnimmt – eine Bankenpleite von verheerendem Ausmaß, Run der Sparer auf ihre Konten, gewalttätige Krawalle in Frankfurts Straßen –, der Spitzenbanker heraus, der mit schätzungsweise Mitte vierzig als Typ der alten Schule gilt und Hemmungen zeigt, wenn es kriminell wird. Gabriel Fenger, von dem Niederländer Barry Atsma als charismatischer, aber getriebener Antreiber mit verwundeter Seele gespielt, schleudert die Frage der Frau entgegen, die er gefördert und der er vertraut hat und die nun eiskalt über ihn hinwegsteigt, da er am Boden liegt.

          Kein Erklärstück

          Wofür das Ganze also? Eine der großen Stärken von „Bad Banks“ liegt darin, dass uns der Drehbuchautor Oliver Kienle Erklärdialoge erspart, denen man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sonst unentwegt begegnet. Wir bewegen uns unter Figuren, die in denglischem Investment-Sprech unter extremem Druck hochkomplexe Finanzprodukte verticken; und bis auf eine Szene, in der ein Versuch, verständlich zu machen, was sie da genau tun, mehr parodiert als unternommen wird – Luc (Marc Limpach), zu Sozialstunden verdonnerter Banker in der Sinnkrise, textet Obdachlose in der Suppenküche zu –, steht das alles für sich. Weil es dramaturgisch nicht wichtig ist, wie ein „Catastrophe Bond“ aufgebaut ist. Wichtig ist, dass Erdbeben Zockerherzen höherschlagen lassen und was das mit den Figuren macht.

          Und so lässt „Bad Banks“ denn auch die große Frage nach dem Warum und Wofür, über die der betrunkene Fenger einmal sinniert, offen. Der Banker trägt eine alte Goldmünze an der Kette um den Hals als sentimentale Erinnerung daran, dass Geld einst einen greifbaren materiellen Wert hatte. Wo das Geld heute herkommt, die Scheine aus dem Automaten? Letztlich weiß auch er es nicht. Er weiß nur, dass die abstrakten Zahlen Macht bedeuten, Status, Freiheit, Erregung – und süchtig machen. Am gefährlichsten, lehrt die Serie, sind diejenigen, die nicht den leisesten Schimmer haben, warum sie sich und anderen für immer größere Zahlen und bessere Rankings immer mehr abverlangen, bis zum Zusammenbruch und darüber hinaus. Jana Liekam, die junge Frau im Zentrum des Geschehens, ist ein solcher Charakter. Sie wolle es, weil sie es braucht, sagt sie. Der Mann, den sie dafür zurücklässt, sagt: weil in ihr nur Leere ist.

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