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Volker Kutscher im Gespräch : „Babylon Berlin“ – Unsere wilden Jahre

Kommunisten entführen einen Zug voll Gold: Szene aus „Babylon Berlin“. Bild: Sky

Volker Kutschers Bestseller-Romane um den Kommissar Gereon Rath sind zu einer Serie geworden, wie man sie im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen hat. Ein Gespräch mit dem Autor über „Babylon Berlin“.

          Als sich der Bezahlsender Sky, die ARD, deren Tochter Degeto und verschiedene Filmförderer für „Babylon Berlin“ zusammentaten, wollten sie beweisen, dass auch eine deutsche Serie international konkurrenzfähig sein kann. Die 40 Millionen Euro für die 16 Folgen der ersten Staffel sind – das kann man nach Ansicht der ersten acht Folgen behaupten – gut angelegt. Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten haben die Serie geschrieben und inszeniert, Vorlage waren Volker Kutschers Bestseller-Romane um den Kommissar Gereon Rath.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kutschers Reihe, die aus mittlerweile sechs Romanen besteht und den Zeitraum von 1929 bis 1934 umfasst, zeigt im Medium des Kriminalromans, wie sich die deutsche Gesellschaft allmählich, aber nicht deterministisch-zwangsläufig in den Nationalsozialismus bewegt. Sie bringt auf einzigartige Weise Alltag, Zeitgeschichte und Kriminalistik zusammen. Und sie wird weitergehen. Mit den drei Romanen, die Kutscher noch schreiben wird. Und hoffentlich auch mit weiteren Staffeln der Serie „Babylon Berlin“, die bisher im Wesentlichen auf dem ersten Roman „Der nasse Fisch“ beruht. Darin wird Gereon Rath aus Köln nach Berlin versetzt und gerät gleich bei seinem ersten großen Fall in Verstrickungen, die mühelos für zwölf Stunden Fernsehen reichen.

          Herr Kutscher, wir haben uns gemeinsam die erste Folge von „Babylon Berlin“ angesehen. Ihr Kommissar Gereon Rath wirkt weniger forsch und unbekümmert als von seinen Kriegserlebnissen traumatisiert. Charlotte Ritter, die weibliche Hauptfigur, ist nicht Jurastudentin, sondern Stenotypistin aus ärmsten Verhältnissen und gelegentlich auch als Prostituierte tätig. Haben Sie Ihre Figuren überhaupt noch wiedererkannt?

          Volker Kutscher

          Ja, die Figuren sind anders angelegt als im Roman. Aber es gab ein Wiedererkennen. Liv Lisa Fries kommt Charlotte, Charly, wie ich sie mir vorstelle, schon vom Aussehen sehr, sehr nah. Sie hat einen anderen sozialen Hintergrund als im Roman, sie muss sich von weiter unten nach oben kämpfen, aber vom Charakter her ist es dieselbe Figur, eine Frau, die die neuen Freiheiten der Republik nutzen möchte, um sich zu emanzipieren. Im Roman sind es kleinbürgerliche Verhältnisse, aus denen sie herauswill. Hier ist es ein Milieu der Armut, das im Roman von den Hauptfiguren nicht bespielt wird. In der Serie rücken so von Anfang an die starken sozialen Gegensätze ins Zentrum. Gereon Rath habe ich im Buch ganz bewusst nur grob skizziert, weil ich wollte, dass jeder Leser sich seinen eigenen Gereon vorstellt. Der mag nicht bei jedem aussehen wie in der Serie, doch Volker Bruch spielt die Rolle großartig, er zeigt Rath als einen Mann, der nicht genau weiß, was er will; das passt auch zur Figur, wie ich sie angelegt habe. Wer mich jedoch wirklich umgehauen hat, ohne dass ich damit die anderen schauspielerischen Leistungen abwerten möchte, ist Peter Kurth als Bruno Wolter, Raths Vorgesetzter im Sittendezernat.

          Der Tanzsaal im „Moka Efti“’

          Peter Kurth sorgt für das, was im Roman die Grundstimmung ausmacht: eine gewisse Schwere, eine Wurstigkeit, hinter der sich eine tiefe Verletzbarkeit verbirgt, eine Gebrochenheit, zu der auch die Korrumpierbarkeit gehört. Verkörpert er die Stimmung der Geschichte und damit der ganze Serie?

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