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Arte-Serie „Kim Kong“ : Ein Gorilla wird Kommunist

King Kong gegen Amerika: Der Kommandant (Christophe Tek) stellt sein Filmexposé vor. Bild: Kwaï/Pénélope Pourriat

Arsenal und Spitzendeckchen: In „Kim Kong“ entführt ein ostasiatischer Diktator einen Regisseur, um die „ideologische Bombe“ zu entwickeln. Das klingt absurd, beruht jedoch auf einer wahren Geschichte.

          Genosse Marx, Genosse Stalin, Genosse Mao: Sie alle gehen ihm gehörig „auf die Nüsse!“ Sind doch die Genossen James Cameron und Peter Jackson seine „wahren Freunde“ – Genosse Oliver Stone bleibt hier wohlweislich außen vor.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Es ist eine Last, der „große Kommandant“ eines kommunistischen Regimes in Ostasien zu sein. Zumindest, wenn man statt seiner Berufung als Drehbuchautor zu folgen, „Fünfjahrespläne für die Agrarproduktion und Hinrichtungspläne für die politischen Gegner“ schreiben muss. Dass alle Diktatoren insgeheim gescheiterte Künstler sind, kennt man ja. Nur dass sie, wie in der dreiteiligen Serien-Groteske „Kim Kong“, zum Motor der Kunst – in diesem Fall des Films – werden, das ist ungewöhnlich, tragisch und auch ziemlich komisch.

          Die Herren vom „Zimmerservice“ haben einen Elektroschocker

          Nun aber hat sich der „große Kommandant“ (Christophe Tek) dieses fiktiven, aber gut wiederzuerkennenden Regimes (auf der Karte eine Halbinsel zwischen der chinesischen Insel Hainan und Taiwan) etwas überlegt. Er kidnappt seinen französischen Lieblingsregisseur Mathieu Stannis (Jonathan Lambert) und macht ihm ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Zwei freundliche aber bestimmte Herren vom „Zimmerservice“ unterbreiten die Offerte in Paris mit einem Lächeln und einem Elektroschocker. Als der Regisseur wieder aufwacht, befindet er sich einige tausend Kilometer weiter östlich im „Wohnheim der Demokratie im Süden“, über seinem Bett hängt das Bild des Kommandanten.

          Das klingt herrlich absurd, ist allerdings im Jahr 1978 ähnlich passiert und diente den Drehbuchautoren Simon Jablonka und Alexis Le Sec als Vorlage. Dem südkoreanischen Regisseur Shin Sang-ok war just das Studio geschlossen worden (er hatte Kritik an der Militärdiktatur unter Park Chung-hee geübt), da wurde seine Ex-Frau, die Schauspielerin Choi Eun-hee in Hongkong entführt und nach Nordkorea verschleppt. Sang-ok, der nach ihr suchte, fand sich alsbald ebenfalls in nordkoreanischer Gefangenschaft wieder. Diktator Kim Jong-il, der sich als großer Cineast inszenierte, verlangte, dass die beiden Filme zu Ehren seines Landes produzierten. Zudem befahl er ihnen wieder zu heiraten. Sechs Filme musste Sang-ok für das Regime drehen. Darunter auch „Pulgasari“, in dem eine kleine Figur aus Reis durch Blut zu einer Art lebendigem Eisen-Godzilla wird. Sogar die Macher des echten Godzillas, darunter Teruyoshi Nakano und sein Team vom japanischen Studio Toho sowie der Godzilla-Darsteller Kenpachiro Satsuma wirkten mit.

          In Mathieu Stannis (Jonathan Lambert, re.) hat der Große Kommandant (Christophe Tek, li.) endlich jemanden gefunden, mit dem er seine Begeisterung für Filme teilen kann.

          So verwundert es nicht, wenn auch in „Kim Kong“ abscheuliche Monster eine große Rolle spielen. Das Drehbuch, aus der Feder des großen Kommandanten, enthält folgenden Plot: Der amerikanische Präsident Donald Trump will King Kong, der über Jahrzehnte im Pentagon eingefroren war, wieder zum Leben erwecken, um ihn in den Krieg gegen das Regime zu schicken. Nur einer einfachen Bauerntochter kann es gelingen, dem Affen die wahre Größe der kommunistischen Idee zu vermitteln, woraufhin dieser kehrtmacht und die „Mutter aller Schlachten“ entfacht. Nun soll der Franzose unter Aufsicht des getreuen Herrn Choi vom „Komitee für bildende und plastische Kunst“ mit einem unfähigen Filmteam und uraltem Equipment drehen. Sonst landet er im „Zentrum für freiwillige Umerziehung Tianpi Hong“.

          Der echte Regisseur von „Kim Kong“, Stephen Cafiero, macht es sich nicht so einfach, wie es zu Beginn scheint. Die Rollen der Vertreter des Regimes geraten mit Ausnahme des Diktators – er spürt keinen Schmerz, schläft nur fünfundvierzig Minuten pro Nacht und hat noch nie geweint – nicht zu reinen Witzfiguren. Und auch der „große Kommandant“ ist ein ernstzunehmender Bösewicht. Gleichzeitig ist er jedoch der, den es braucht, den gelangweilten Regisseur auf Trab zu bringen: „Sie sind wie ein überfütterter Hund, der nicht mehr weiß, wie man jagt. Werden sie wieder ein Wolf, der hungrig darauf ist zu kreieren.“

          „Kim Kong“ ist trotz angespannter Weltlage und überraschend bitteren Wendungen eine Hommage an das Filmemachen von einst, mitsamt Schneidemaschinen, die noch Kurbeln haben und Glockentöne von sich geben, pseudo-chinesischen Arbeiterliedern, Truffaut-Zitaten und tausend wundervollen Details. „Kino“, sagt der Kommandant, „ist Emotion – nicht Software.“ Auf die Filmkunst.

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