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Serie „Riviera“ : Vom blonden Engel zum blonden Gift

Willkommen in der Welt der schönen Amoral: Georgina Clios (Julia Stiles) blickt hinter die Kulissen des eleganten Jet-Set und findet Abgründe. Bild: © Sky/John Wright Photography

Der Clan schlägt zurück: In der Hochglanz-Serie „Riviera“ muss sich eine junge Witwe gegen die Kunsthandel-Mafia behaupten. Dabei spielt sich Julia Stiles in üppiger Eleganz durch alle Lebenslagen.

          Seine Koffer packen, ab ins Flugzeug, den Zug oder das Auto und an einem anderen Ort, dem Alltag entronnen, selbst ein anderer werden – gibt es eine bessere Zeit für Eskapismus und die Sehnsucht nach einem schöneren Leben im Sonnenschein als den Sommer? Passend dazu legt der Sender Sky den Auftakt seiner nächsten Miniserie mit Starbesetzung aus Hollywood an den Beginn der Hauptreisezeit. Nach Nicole Kidman und Reese Witherspoon, die in den Luxus-Kulissen des Nemesis-Dramas „Big Little Lies“ aufspielten, gibt sich nun Julia Stiles die Ehre. In „Riviera“ bewegen wir uns abermals in der Welt der Superreichen und Schönen, dieses Mal allerdings nicht an einer amerikanischen, sondern einer europäischen Goldküste, und wieder gilt es ein verbrecherisches, mutmaßlich mörderisches Geheimnis im engsten Kreis aufzudecken.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nach den „Bourne“-Filmen ist eine Thriller-Serie kein unbekanntes Terrain für Julia Stiles, auch wenn es nicht um Spionage und Verschwörung im ganz großen Stil geht. Dafür geht es um Geld, sehr viel Geld sogar. Stiles verkörpert die Amerikanerin Georgina Clios, die wesentlich jüngere zweite Frau des gleichermaßen millionenschweren wie dubiosen Privatbankiers Constantine Clios (Anthony LaPaglia). Das Paar verbindet eine Leidenschaft für bildende Kunst. Georgina war Kuratorin der familieneigenen Sammlung, bevor sie zur Gemahlin aufstieg – und das, obwohl sie, wie Constantines Ex-Frau mit toxischem Lächeln bemerkt, nicht einmal dessen Typ ist.

          Ein Schwelgen in Eleganz

          In der ersten Folge sehen wir Georgina mit siebenstelligen Beträgen um sich werfend auf einer Auktion, wild entschlossen, ein konstruktivistisches Gemälde von Kasimir Malewitsch zu ersteigern. Per Handy setzt Constantine das Limit, Georgina wähnt ihn in Cannes im Haus eines Freundes. Tatsächlich schaukelt er in den Gewässern vor Monaco auf der Yacht eines russischen Oligarchen und schaut einer Frau dabei zu, wie sie sich entkleidet – was sein Interesse offensichtlich mehr fesselt als das Gemälde von Claude Lorrain an Bord. Sekunden später ist ohnehin alles verloren: Das Schiff explodiert, die Verbindung ist tot, und es beginnt der Niedergang des Hauses Clios.

          Serientrailer : „Riviera“

          Was Neil Jordan, der schon die Idee für die historisch-fiktionale Fernsehserie „Die Borgias“ entwickelt hat, bei „Riviera“ ins Werk setzt, ist allerdings weniger ein packender Thriller oder eine tragische Familiengeschichte, sondern ein Schwelgen in Eleganz. Set, Ausstattung und Kostüme sind vom Feinsten; alleine was die Hauptdarstellerin trägt, ist eine textile Klasse für sich: seidige Hosenanzüge und scheinbar nachlässig übergeworfene Hemdblusenkleider zu teurem Schmuck schaffen modische Perfektion in jedem Augenblick, sei es auf der Beerdigung Constantines vor dem azurblauen Meer oder in einem monegassischen Luxusapartment, in dem sie einem ihrer Widersacher mit der Waffe droht. Die größte Herausforderung für das internationale Regie-Quartett, zu dem der Deutsche Philipp Kadelbach gehört, besteht darin, das Abgründige unter dieser glatten Oberfläche aufscheinen zu lassen.

          Geld, Macht und Geltung sind die Drogen des Clans

          Es gelingt ihnen nur teilweise und nur, weil sie auf Julia Stiles setzen können, die als Georgina Schritt für Schritt aus der Welt der Illusionen, in der sie in ihrer einjährigen Ehe gelebt hat, in die hässliche Realität des Clans eintaucht. Daran, dass die Explosion ein Unfall war, glaubt sie nicht, jemand muss ihrem Mann nach dem Leben getrachtet haben. Seine geschiedene Frau (Lena Olin), die als eiskalte Matriarchin auftritt? Der drogensüchtige Sohn und Kronprinz Christos (Dimitri Leonidas), sein Bruder Adam (Iwan Rheon), der seiner Stiefmutter Avancen macht, oder seine psychisch labile Schwester Adriana (Roxane Duran)?

          Dubiose Russen laufen auf, und Georginas Freund Robert (Adrian Lester), gleichfalls Kunsthändler, spielt ein doppeltes Spiel. Will die junge Witwe im Netz der Intrige, das sich, wie sie entdeckt, um illegalen Kunsthandel und Waffenschiebereien gelegt hat, überleben, muss sie sich selbst von der blonden Unschuld zum blonden Gift entwickeln – diese Verwandlung meistert Julia Stiles mühelos.

          Kunst ist für die Clios-Banker nur eine andere Form von Kapital, mit dem man zocken, Insiderhandel treiben und Reichtum mehren kann; der letzte vordergründig legale, aber unregulierte Markt mit phantastischen Gewinnspannen, die ohne weiteres an jene im Rauschgifthandel heranreichen. Geld, Macht und Geltung sind die Drogen des Clio-Clans. „Riviera“ lädt in zehn Folgen dazu ein, in seine Welt der schönen Amoral einzutauchen.

          Riviera startet am Freitag um 20.15 Uhr auf Sky.

          Quelle: F.A.Z.

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