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Serie „24“ kehrt zurück : Die Uhr tickt wieder

  • -Aktualisiert am

Terror in London, die Zeit ist mal wieder knapp - werden Jack Bauer (Kiefer Sutherland) und Chloe (Mary Lynn Rajskub) auch Europa retten können? Bild: Fox/Sky

Die Terror-Serie „24“ startet im amerikanischen Fernsehen und auf Sky. Der Agent Jack Bauer muss abermals die Welt vor einem vernichtenden Anschlag retten. Der droht diesmal in Europa.

          Da ist er wieder, der Mann unter Druck, der die Welt retten muss: Mit „24 – Live Another Day“ startet heute die Fortsetzung der Serie des amerikanischen Senders Fox, in der Kiefer Sutherland den ewig gejagten Agenten Jack Bauer spielt. Vor vier Jahren war die Serie mit Bauers Flucht zu Ende gegangen. Dank der Hilfe seiner Kollegin Chloe (Mary Lynn Rajskub) entkam Jack sowohl den Russen als auch den Häschern der eigenen Regierung und tauchte ab.

          Nun meldet sich Jack Bauer zurück – aus London. Es gilt abermals, einen katastrophalen Anschlag zu vereiteln, und natürlich ist Bauer der Mann, der allein es richten kann. Nicht nur das – er ist der einzige, der überhaupt davon weiß. Der Mann, der immer schon als Einzelgänger auftrat, ist nun  seine eigene Instanz. Auch die Computerspezialistin Chloe ist wieder dabei. Sie hat sich allerdings verändert.

          Eigentlich wollte sich niemand von Jack Bauer trennen

          „Live Another Day“ vereint fast alle führenden Figuren der Serie: Howard Gordon, der die ersten acht Staffeln der Serie gemeinsam mit Alex Gansa geschrieben hatte, leitete die Produktion in London; der frühere „24“-Regisseur Jon Cassar fungierte als ausführender Produzent und Regisseur, sogar die Serienschöpfer Joel Surnow und Robert Cochran sind dabei.

          Action geht immer - ist der Folter-gegen-den-Terror-Stoff in die Jahre gekommen?

          Das verwundert nicht - denn eigentlich hatte man sich von Amerikas liebstem Fernseh-Actionhelden gar nicht trennen wollen. Ein Kinoprojekt wurde lange geplant, geschrieben, schließlich auf Eis gelegt – und irgendwann wandten sich die „24“-Macher neuen Projekten zu. Kiefer Sutherland machte für Fox eine Thriller-Serie namens „Touch“, der nicht besonders erfolgreich war; Jon Cassar produzierte bei Steven Spielbergs Sci-Fi-Thrillerserie „Terra Nova“ mit, und Gansa und Gordon machten aus der israelischen Serie „Hatufim“ das international erfolgreiche  „Homeland“,  das an „24“ anknüpft: Es geht um den „Krieg gegen den Terror“ und dessen Folgen.
          Die „24“-Macher hatten also gut zu tun, doch es lief nicht so gut. „Touch“ wurde nach der zweiten Staffel eingestellt, für „Terra Nova“ war schon nach dreizehn Folgen Schluss, und die dritte Staffel von „Homeland“ wirkt ausgelaugt. Und so ist man wohl, froh, wieder auf einem „24“-Set versammelt zu sein, um Jack Bauer einen weiteren furchtbar langen Tag zu bescheren – auch wenn der diesmal nur in zwölf Stunden und entsprechend zwölf Episoden erzählt wird, anstatt wie im Original in vierundzwanzig.

          Kiefer Sutherland wirkt verletzlicher

          Sutherland ist inzwischen siebenundvierzig Jahre alt und wirkt verletzlicher als der knallharte Durchgreifer Jack Bauer, der er mal war. Er schaltet seine Gegner aber immer noch aus, auch, wenn er mit Handschellen gefesselt und wie üblich auf sich gestellt ist. Mary Lynn Rajskub spielt als Chloe weiterhin den unverstandenen Sonderling, und auch sonst ist vieles, wie man es von „24“ gewohnt war: rasante Action, unmögliche Wendungen, ein getriebener Held.

          Jack Bauer ist der einzige, der von dem bevorstehenden Terroranschlag weiß, er will ihn vereiteln, mit allen Mitteln - wie üblich

          Aber die große Frage ist, ob Jack Bauers Geschichten noch ziehen. Als „24“ kurz nach dem 11. September 2001 auf Sendung ging (der Pilotfilm war schon vorher produziert worden), schien die Serie Entsetzen und Wut der Amerikaner Ausdruck zu geben – in einem Helden, der zu krassen Mitteln greift, der jenseits der offiziellen Strukturen operiert, um den vernichtenden Terror-Angriff abzuwenden, und der an der Schuld allein und schwer trägt. Doch dann wurde „24“ von der Realität überholt. Die Bilder aus dem amerikanischen Gefängnis im Irak, Abu Ghreib gingen um die Welt, und die Rechtsberater des damaligen Präsidenten George W. Bush, arbeiteten an der Rechtfertigung von Foltermethoden.  Inzwischen hat die Angst vor dem Terror nachgelassen, die Regierung Bush ist Geschichte. Jack Bauer, möchte man meinen, passte nicht mehr ins Programm.

          „Die Serie kann wohl für immer weitergehen“

          Im Grunde war „24“ aber immer bloß ein clever konzipierter Thriller. Und deswegen ist es nebensächlich, dass  „Live Another Day“ durchaus in einem aktuellen Gewand daher kommt, mit Anleihen an Wikileaks und Edward Snowden. Am Ende zählen die tickende Uhr, die erstaunlichen (oder: haarsträubenden) Wendungen der Story, die schockierenden Mittel, die zum Einsatz kommen müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Spannende Unterhaltung ist „24“ immer noch, mehr wollte die Serie vermutlich nie sein.

          Weiterhin der unverstandene Sonderling: Mary Lynn Rajskub als Chloe

          Ob die Neuauflage von „24“ über mehr als zwölf Episoden reicht, ob also Jack Bauer noch einen Tag, oder drei, oder fünf erlebt, darauf sich will bisher niemand festlegen. Die Produzenten sagen, sie betrachteten „Live Another Day“ zunächst als einmalige Sache. Kiefer Sutherland aber sagte der „Los Angeles Times“: „Die Serie kann wohl für immer weitergehen. Ich weiß aber nicht, wie lange Jack Bauer weitermachen könnte.“

          „24 – Live Another Day“ beginnt heute Abend, am Montag, in Amerika bei dem Sender Fox. Der hiesige Abosender Sky hat die Premiere heute Nacht um 2.10 Uhr auf seinen Plattformen Sky Go und Sky Atlantic HD im englischsprachigen Original im Programm.  Am Dienstag, um 21 Uhr, gibt es bei Sky Atlantic, Sky Go und Sky Anytime abermals das Original und die ersten beiden Episoden in deutscher Synchronisation zu sehen.

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