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Rundfunkgebühren : Gehen im Schweizer Rundfunk bald die Lichter aus?

Der erste macht das Licht aus: Roger de Weck, Generaldirektor der SRG geht nächstes Jahr in Ruhestand. Bild: Picture-Alliance

Die Zeitungsverleger fordern, dass die öffentlich-rechtlichen Sender schrumpfen. Sie seien zu teuer und zu groß. Die Schweizer Volkspartei will sie ganz abschalten. Es riecht nach Brexit.

          Am Schluss des Interviews löschte Roger Schawinski, der eine Zeitlang Senderchef von Sat.1 gewesen war, das Licht im Studio und fuchtelte mit einer Taschenlampe herum. Das Gesicht seines Gasts erschien nun im Kegel des fahlen Lichts. Der Mann, der Schawinski gegenübersaß, war sein oberster Chef Roger de Weck, Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehprogramme SRG in der Schweiz. Zum dritten Mal hatte ihn Schawinski in seine Talkshow eingeladen. Das Gespräch fand Anfang Oktober statt, einen Monat später wurde bekannt, dass de Weck nächstes Jahr in Ruhestand geht.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          „Am Schluss es birebitzeli en Joke“, kommentierte Schawinski seinen Gag gleich selbst: Er wolle damit die Sparmaßnahmen bei der SRG illustrieren. Schawinskis Witz könnte man aber auch wörtlich nehmen und fragen: Gehen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in der Schweiz bald die Lichter aus? Extrem knapp war im Frühsommer vor einem Jahr die Abstimmung über die Umwandlung der Gebühren in eine Zwangsabgabe, die alle Haushalte berappen müssen, ausgefallen. Die SRG wollte damit nicht nur den wenigen Schwarzsehern das Handwerk legen, sondern ihre Finanzierung langfristig absichern und setzt dabei auf die Einwanderung und das Bevölkerungswachstum. Die Schweizer bezahlen für ihre Sender in den vier Landessprachen einen hohen Preis. Er wurde im Namen des eidgenössischen Zusammenhalts bislang ohne Murren beglichen.

          Ein tiefer Röschtigraben

          Doch die Abstimmung hat eine Diskussion in Gang gebracht, die sich die SRG wohl lieber erspart hätte. In der deutschen Schweiz kämpft die politische Rechte gegen die Staatssender und wirft ihnen eine allzu linke und proeuropäische Ausrichtung vor. Die Kritik ist unberechtigt, die Informationsprogramme sind von hoher Qualität. Die Frage nach dem Programmauftrag der SRG stellt sich aber sehr wohl: Wo werden die Grenzen gezogen? Wie viele Programme braucht es, um eine Grundversorgung an Information zu garantieren und der Rolle als „eidgenössische Klammer“ gerecht zu werden? Braucht es eine Musikwelle für Pop oder Folklore? Einen Nachrichtenkanal?

          In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz ist die SRG wenig umstritten: Die Regionen profitieren vom Finanzausgleich, der aus der deutschen Schweiz kommt, und sie stehen in einer gewissen Entfernung zur politischen Hauptstadt Bern und dem wirtschaftlichen Machtzentrum Zürich. Sie sind die Nutznießer des Föderalismus. Diesbezüglich hat die Gebühren-Abstimmung einen Röschti-Graben bewusst gemacht. In Genf und Lausanne ist die SRG auch deshalb beliebt, weil alle großen Zeitungen von Verlagen aus Zürich aufgekauft wurden. Sie haben Sparmaßnahmen verfügt, gegen die einzelne Kantonsregierungen protestierten. Zum Glück, sagen die Welschen und die Tessiner, gibt es die SRG.

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