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Schweizer Fernsehen : Reisewarnung

Die Wege des Schweizer Fernsehens sind ähnlich verschlungen: Alte Tremola Passstrasse Bild: Berthold Steinhilber/laif

In einem Film für das Schweizer Fernsehen spart der Schriftsteller Robert Menasse nicht mit Kritik an Alpeneuropa. Kurz vor der geplanten Ausstrahlung wird er abgesetzt. Die Erklärung ist abenteuerlich.

          Eine vierteilige Serie fürs Schweizer Fernsehen soll es werden und Robert Menasse nur den Anfang machen. Der österreichische Schriftsteller wurde in die Schweiz eingeladen, um in Begleitung des einheimischen Publizisten Stefan Zweifel das Land zu bereisen. Je ein Kollege aus Deutschland, Frankreich und Italien werde in weiteren Folgen mit auf die Reise genommen, hatte man Menasse erklärt. Er bestaunte die Landschaften und erinnerte an die Anarchisten. Mit Stefan Zweifel redete er über Wilhelm Tell, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Auch Kritik an Nestlé und der möglichen Privatisierung des Wassers will er geübt haben. Was davon aber in der fertigen Fassung übrig blieb, weiß er nicht so genau, sie haben „dauernd geschnitten“.

          Der Film bekam einen hervorragenden Programmplatz: am vergangenen Sonntagabend, zwischen dem „Tatort“ und einer Satiresendung. Dass die Produktion im letzten Augenblick durch einen Film über einen ehemaligen Skispringer und Holzschnitzer ersetzt worden war, entnahmen die Beteiligten der „Neuen Zürcher Zeitung“; Menasse und Zweifel hatte man nichts gesagt. Der österreichische Schriftsteller vermutet, seine proeuropäische Haltung habe die Absetzung motiviert, zusammen mit seiner Kritik an direkter Demokratie, vor der er sich für Österreich fürchtet: „Nach einer Woche hätten wir die Rückkehr zur Todesstrafe und wenig später Deportationszüge.“

          Den Vorwurf „vorauseilenden Gehorsams“ (Menasse) gegenüber der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei SVP weist der Sender aber empört zurück. Menasses Aussagen hätten Platz im Programm, überhaupt sei die Sendung wegen ihrer brennenden Aktualität einfach noch näher an den Wahltag gerückt worden: Vom 12. Oktober an ist sie im Internet zu sehen, ins Fernsehen aber kommt sie vor den Wahlen am 18. Oktober nicht. Dann fällt der Sendeplatz der Wahlberichterstattung zum Opfer.

          Für Menasses Film ergibt das eine neue Dramaturgie: Premiere im Netz und, so der Sender, als „übliche Wiederholung“ – ohne Erstausstrahlung! – am Montagmorgen nach der Wahl. In diesem Sinne warten wir gespannt auf die Fortsetzung der Serie, in der Schriftsteller aus den Nachbarländern ihren wachen Blick auf die Schweiz werfen sollen.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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