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Schöne neue Springer-Welt Ein Haus für die Bewohner des Internets

 ·  Mit dem radikalen Abschied von seinen Printmedien wirbt der Springer-Verlag um Anerkennung in der digitalen Welt. Dafür soll in Berlin ein „überwältigend schöner“ Campus entstehen - Heimat und Symbol zugleich.

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© Getty Images Vergrößern Das Axel-Springer-Hochhaus in Berlin, Ein Denkmal aus goldenen Zeiten

Wenn die neuen Freunde aus dem Silicon Valley zu Besuch kommen, sollen sie neidisch sein. Sie sollen vor dem Gebäude stehen, das die Axel Springer AG, die einmal ein Verlag war, für sie und ihresgleichen hat bauen lassen. Sie sollen staunen, wie cool und modern ein deutsches Medienunternehmen sein kann, und vor allem sollen sie sich wünschen, dass sie auch hier arbeiten könnten.

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, hat sich erkundigt, wer die angesagtesten Architekten der Welt sind. Dann hat er sie eingeladen, Ende Mai, in den Journalistenclub im 19. Stockwerk des alten Verlagsgebäudes, einen Ort der Vergangenheit, vertäfelt mit dem Holz des 1785 errichteten Hauses der Londoner „Times“. Dort erzählte er ihnen, was er von ihnen erwartet. Von ihnen und vom „Axel Springer Campus“, den sie entwerfen sollen, der Heimat und dem Symbol für all die neuen, digitalen Aktivitäten des Unternehmens.

Geprahlt wird mit Geltungsdrang

„Das Gebäude soll überwältigend schön sein“, sagt Döpfner. „Ich erwarte ein Gebäude, wie ich es noch nicht gesehen habe.“ Den bestehenden Bebauungsplan (er stammt aus dem Jahr 2000 nach Christus beziehungsweise 4 vor Facebook) sollten sie „am besten nicht beachten“. Das Gebäude müsse so avantgardistisch sein, dass es „die Digital Natives, die mit der Computer-Technologie aufgewachsen sind“ anlockt, damit sie „uns Digital Immigrants, die diese Technologien erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben, mit ihrer Kultur, ihren Ideen und ihrer Arbeitsweise inspirieren“. Passanten solle vor Staunen der Mund offen stehen, zitiert am nächsten Tag die hauseigene überregionale Tageszeitung „Die Welt“ Döpfner.

Es ist schwer, angesichts dessen nichts ins Psychologisieren zu kommen. Und darüber zu spekulieren, wie groß die Minderwertigkeitskomplexe dieses Unternehmens und seines Vorstandsvorsitzenden sein müssen; das Gefühl, bei aller Macht, bei allem Erfolg, letztlich einfach nicht genug geliebt zu werden. Springer wird gefürchtet und respektiert. Aber geschätzt, bewundert, geliebt?

“Welt“ und „Welt am Sonntag“ haben trotz aller Entstaubungs- und Entrümpelungsaktionen der vergangenen 15 Jahre immer noch keine Ausstrahlung, die sich ein Mathias Döpfner erträumen muss; nicht den intellektuellen Glanz, die Meinungsführerschaft, die Debattenfähigkeit. Kai Diekmann hat seit einigen Jahren sichtlich den Ehrgeiz, sich mit der „Bild“-Zeitung den Respekt der Journalisten-Elite zu erarbeiten; doch trotz aller Recherche-Erfolge bleibt fast jeder seriöse Preis für das Blatt dann doch ein Eklat. Viele Journalisten bei Springer erleben einen großzügigen Arbeitgeber, aber nicht das Gefühl, dass das irgendjemand von außerhalb anerkennt.

Buhlen um neue Zielgruppe

So lassen sich auch die Ausflüge des Konzerns ins Mekka der Start-ups, nach San Francisco, erklären: Nicht nur als Teil der Suche eines Unternehmens nach der richtigen Strategie. Nicht nur als Bildungsreise, die den Horizont erweitert. Sondern auch als Umarmung und Anbiederung. Der Chefredakteur als sympathischer Wuschelnerd, der Vorstandsvorsitzende im Kapuzenpulli - das sind Teile einer Inszenierung, mit der Springer um Liebe und Anerkennung buhlt. Nicht mehr bei den alten Zeitungsfreunden. Bei einer neuen Zielgruppe: den Geeks und Entrepreneurs, den Hackern, den zukünftigen Herrschern der Medienwelt.

Ihnen will das Unternehmen imponieren, explizit durch die Architektur des neuen Campus, womöglich aber auch durch die Radikalität und Unsentimentalität, mit der es sich von seinen alten Medien trennt und „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“ und fast alle Zeitschriften verkauft. „Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen“, sagt Friede Springer. Der Laden wird entrümpelt, damit nichts den Glanz des neuen, digitalen trübt. Alles muss raus. Und nur die alte Verlagsbranche steht daneben und sagt fassungslos: „Aber das war doch gut. Da hätte man doch noch was mit anfangen können.“

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