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Dienstag, 14. Februar 2012
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Schleichwerbung Das Bankhofer-Geheimnis

28.07.2008 ·  Vor wenigen Tagen entließ der WDR seinen Gesundheits- und Ernährungsexperten Hademar Bankhofer wegen des Verdachts auf Schleichwerbung. Bankhofer wehrte sich. Zuletzt verstrickte sich jedoch in widersprüchliche Aussagen und verspielte das Vertrauen seines Arbeitgebers.

Von Michael Hanfeld
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Bis vor einigen Tagen entkam man Hademar Bankhofer kaum. Zumindest in der ARD schien der Gesundheits- und Ernährungsexperte mit seinen mitunter absonderlichen Ratschlägen allgegenwärtig. Seit 1985 tritt er beim österreichischen ORF auf, im Ersten Deutschen Fernsehen bereicherte er unter anderem das vom Westdeutschen Rundfunk betreute „Morgenmagazin“. Am vergangenen Donnerstag aber hat der WDR die Zusammenarbeit mit dem von Kritikern als „Kräuteronkel“ apostrophierten Bankhofer brüsk beendet. Grund sei „der Anschein auf Schleichwerbung unter anderem für Produkte aus dem Gesundheitsbereich“. Zudem habe Bankhofer „gegenüber dem WDR unterschiedliche Aussagen zu dem Sachverhalt gegeben“.

Bankhofer bestreitet die Vorwurf, Schleichwerbung betrieben zu haben. „Ich bin doch nicht blöd und mache Schleichwerbung“, zitiert ihn die „Bild“-Zeitung. Bankhofers Anwalt teilte zum Wochenende hin mit, dass die Presseerklärung des WDR „möglicherweise den Tatbestand der üblen Nachrede“ erfülle. Die „unverantwortlichen Äußerungen“ hätten „eine Gerüchtekaskade in Gang gesetzt“ und bedeuteten eine „nicht hinnehmbare Rufschädigung“, man prüfe rechtliche Schritte – auch in Bezug auf mutmaßliche „Informanten“, die „mit manipulierten Videos“ den Versuch unternommen hätten, Bankhofer „in den Dunst von Schleichwerbung zu rücken“.

Widersprüchliche Aussagen

Wie es scheint, haben allerdings nicht unbedingt besagte Vorwürfe das Blatt zu Bankhofers Ungunsten gewendet, sondern sein Verhalten dem WDR gegenüber, das man dort als Vertrauensbruch wertet. Die Redaktion des „Morgenmagazins“ nämlich hatte am vergangenen Mittwoch nach einem anonymen Hinweis auf etwaige Schleichwerbung bei Bankhofer nachgefragt. Und von diesem, wie es im Sender heißt, zuerst per E-Mail und dann am Donnerstagmorgen nochmals schriftlich die Zusicherung erhalten, dass er „mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel zu tun hat, einen Werbe- und PR-Vertrag habe und von Seiten einer Firma für seine Arbeiten kein Geld geflossen sei“.

Das war der Stand von Donnerstagmittag, doch da war der High Noon nicht vorüber. Nach einem konkreten Hinweis auf die Firma MCM Klosterfrau habe man abermals nachgefragt, so der WDR, und nun habe Bankhofer bestätigt, „mit der Firma MCM Klosterfrau einen Beratervertrag abgeschlossen zu haben“. Damit könne aus Sicht des Senders „der Anschein von Schleichwerbung nicht ausgeschlossen werden“, Grund genug, die Zusammenarbeit mit Bankhofer zu beenden, dem Sender sei der Vertrag nicht bekannt gewesen, und es sei an den WDR auch kein Geld geflossen. Bankhofer wiederum verweist darauf, dass ein Sendeausschnitt mit ihm, in dem von „Klostermelisse“ die Rede sei, aus dem Jahr 2005 stamme, mit der Firma Klosterfrau habe er erst 2006 einen Beratervertrag geschlossen, und in diesem stehe, „dass ich keine Werbung oder PR mache“. Der WDR will den Sachverhalt „im Einzelnen“ noch aufklären.

Von Klostermelissen keine Rede

Kritik an der Sinnfälligkeit von Bankhofers Einlassungen zu Gesundheitsthemen hatte in einem Brief an die ARD Gerd Antes vom Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg geübt, das die Qualität medizinischer Expertisen prüft. Das Internetforum „Boocompany“ beharkt Bankhofer mit einem Film, der bei YouTube läuft und fünf seiner Gesundheitstipps angreift, unter anderen einen, der im Januar 2007 bei RTL lief und von einem Gerät zur Atemluftergänzung handelte, das angeblich 5800 Euro kosten soll, in einem anderen Beitrag, der beim ORF lief, geht es um Nahrungsmittelergänzungen, in einem weiteren um ein ganz bestimmtes Mittel zur Cholesterinsenkung und schließlich – am 25. August 2005 im „ARD-Morgenmagazin“ – um besagte „Klostermelisse“.

Beim ORF will man „die Gründe, die zur Entscheidung des WDR“ im Fall Bankhofers geführt haben, „ganz genau überprüfen“, bis dato gebe es keinen Anhaltspunkt, dass es im Programm des Österreichischen Rundfunks zu Auffälligkeiten gekommen sei. In der „Frankfurter Rundschau“, für die Bankhofer eine Kolumne schreibt, entfiel dessen jüngstes Stück, statt dessen gab es eine Erklärung in eigener Sache, die darauf lautete, dass in den Beiträgen der „Rundschau“ der problematische Begriff „Klostermelisse“ nicht gefallen sei – den die Firma Klosterfrau verwendet –, sondern von „Zitronenmelisse“ die Rede gewesen sei, ohnehin würden medizinische Beiträge routinemäßig auf ihre Korrektheit hin geprüft.

Aus Erfahrung sensibel

Der Hessische Rundfunk wiederum folgt dem WDR und hat, wie der Branchendienst „dwdl“ meldet, die Zusammenarbeit mit Bankhofer zumindest vorläufig beendet – bis die Schleichwerbungsvorwürfe geklärt seien. Beim HR, wo Bankhofer als Experte und Moderator im Fernsehen und im Radio auftrat, gebe es keine Verdachtsmomente. Der Hessische Rundfunk und insbesondere dessen Intendant Helmut Reitze sind nicht ohne Grund sensibilisiert: In der nächsten Woche beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Sportchef des Senders, Jürgen Emig, dem die Staatsanwaltschaft Frankfurt Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechung, Betrug und Untreue vorwirft. Die Schadenssumme lautet auf 615.000 Euro.

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