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Zum Tod von Martin Lüttge : Kommissar Flemming und das freie Theater

Spielte fürs Fernsehen, doch sein Herz hing am Theater: Martin Lüttge (1943 - 2017). Bild: dpa

Beim „Tatort“ trat Martin Lüttge als Nachfolger von Götz Georges Schimanski ein schweres Erbe an. Er meisterte den Part mit Bravour. Am wichtigsten jedoch war ihm eine andere Rolle. Nun ist Lüttge im Alter von 73 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

          Als Martin Lüttge 1992 die Rolle des „Tatort“-Kommissars für den Westdeutschen Rundfunk übernahm, trat er kein leichtes Erbe an. Im Jahr zuvor hatte sich Götz George als Horst Schimanski verabschiedet, der in Wort und Tat alle bisherigen Konventionen der Vorzeigekrimireihe der ARD gesprengt hatte. Schimanski hatte sich in Duisburg durchgeschlagen, nun kam dieser Hauptkommissar Bernd Flemming aus dem feinen Düsseldorf mit ganz anderen Methoden. Besonnen, hintersinnig, ohne Allüren, so freundlich, dass er leicht zu unterschätzen war, im Habitus dem Kollegen Columbo aus dem amerikanischen Fernsehen vergleichbar.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damit kam Martin Lüttge beim Publikum von der ersten Folge bestens an, doch machte er nach nur fünfzehn Episoden 1995 schon wieder Schluss. Er wollte kein Serienstar werden und aufgehen in dieser einen, populären Rolle. Das machen nicht viele in seinem Metier. Wer beim „Tatort“ reüssiert, hat hierzulande vielmehr eine Stellung fürs Leben, wie man an den Ensembles aus Köln, Ludwigshafen und München erkennen kann. Martin Lüttge aber zog es zurück ans Theater – zurück an den Theaterhof Priessenthal in Mehring bei Burghausen, eine freie Truppe, die auf dem Gelände eines vierhundert Jahren alten Bauernhofs residierte und die er 1978 mitgegründet hatte – und auf Tournee. „Unentfremdete Arbeit“, die er uns seine Frau Marlen leisten wollten, nannte Lüttge das einmal in einem Interview.

          Dabei hatte Lüttge, der am 7. Juli 1943 in Hamburg geboren wurde und Ende der fünfziger Jahre nach England ging, um dort eine Landwirtschaftsausbildung zu absolvieren, bevor er in München auf die Schauspielschule ging, mit dem Fernsehen früh gute Erfahrungen gemacht. Unter dem Regisseur Fritz Umgelter trat er in den sechziger Jahren in einigen Fernsehspielen auf, Rollen in Serien wie „Der Kommissar“ kamen hinzu. Und dann Engagements an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Düsseldorf und am Staatstheater Stuttgart. Lüttge spielte in Inszenierungen von Peter Zadek und Claus Peymann. Für seine Vorstellung als Faust, bei Peymann 1977 in Stuttgart, wurde Lüttge gefeiert. Ins Fernsehen kehrte er 1996 noch einmal in der Serie „Koerbers Akte“ zurück.

          Sie lösten im „Tatort“ fünfzehn Fälle: Martin Lüttge als Kommissar Bernd Flemming und Roswitha Schreiner als dessen Assistentin Miriam Koch.

          All dies spielte er immer mit dem Plan für sein eigenes freies Theater im Hinterkopf. Ein Plan, den Martin Lüttge augenscheinlich auch für sein Leben hatte und dem er folgte. Seine Figuren schienen stets frei, in sich ruhend, von selbstverständlicher Souveränität. Am vergangenen Mittwoch ist Martin Lüttge, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 73 Jahren in Schleswig-Holstein gestorben.

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