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Dschemal Chaschuqdschi : Saudischer Regierungskritiker in Istanbul verschwunden

  • Aktualisiert am

Dschemal Chaschuqdschi im Jahr 2015 in Bahrain Bild: AP

Einer der bekanntesten regierungskritischen Journalisten in Saudi-Arabiens, Dschemal Chaschuqdschi, gilt als vermisst. Er verschwand bei einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul.

          Der saudische Regierungskritiker und Journalist Dschemal Chaschuqdschi ist nach einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul nicht zurückgekehrt. Ein mit ihm befreundeter türkische Journalist, Turan Kislakci, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch, Chaschuqdschi habe das Konsulat im Stadtteil Besiktas am Dienstag gegen 13.30 Uhr betreten, um Papiere abzuholen, sei aber nicht wieder herausgekommen. Seine Verlobte habe stundenlang vor dem Haus gewartet.

          „In der Nacht gab es kein Lebenszeichen von Chaschuqdschi“, so Kislakci. Am Morgen seien viele Journalisten und Unterstützer vor das Konsulat gekommen. Der Sender Al-Dschasira berichtete in der Nacht, die türkische Polizei habe begonnen, nach Chaschuqdschi zu suchen.

          Der 59-Jährige gilt als einer der bekanntesten regierungskritischen Journalisten in Saudi-Arabien. Mit seinen unbequemen Artikel und Kolumnen zog er in den vergangen Jahrzehnten immer wieder den Unmut Riads auf sich. Im vergangenen Jahr wuchs der politische Druck auf ihn und sein Umfeld so sehr, dass er das Königreich verließ und in die Vereinigten Staaten floh.

          „Ich will nicht im Gefängnis landen“

          Die Verfolgung politisch Andersdenkender hat in Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Kronprinz Mohammed bin Salman führt zwar wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Reformen durch, regiert das Land nach innen aber mit harter Hand. In der Vergangenheit ließ er unter anderem Kleriker, Geschäftsleute und Frauenrechtler festnehmen. Chaschuqdschi hatte der Deutschen Presse-Agentur zuletzt im Juni gesagt, dass er Angst vor einer Verhaftung durch die saudische Staatsmacht habe: „Ich bin ein Unterstützer der Reformen und jetzt im Exil, weil ich nicht im Gefängnis landen will.“ Das harte Durchgreifen gegen Dissidenten bezeichnete er als absolut nicht gerechtfertigt. „Mohammed bin Salman hat keinen Grund, besorgt zu sein. Es gibt keine Opposition im Land."

          Chaschuqdschi schreibt auch für die „Washington Post“, wo man sich sehr besorgt über die Ereignisse zeigte. Die Türkisch-Arabische Medienorganisation rief per Twitter den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf, sich des Falls anzunehmen.

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