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Satireblatt „Le Canard Enchaîné“ Tagebuch der Carla B., imaginär

In Frankreich gibt es ein Blatt, das allen Krisen trotzen kann: „Le Canard Enchaîné“. Die satirische Wochenzeitung verzichtet auf Werbung, enthüllt Skandale und legt sich gerne mit der Macht an.

© F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes Vergrößern Zehrt von den Sarkozys: „Le Canard Enchaîné”

„Was sagt das Geflügel?“, pflegte der Général de Gaulle zu fragen. Gemeint war die satirische Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“, die an die Kette gelegte Ente, die seit Jahrzehnten eine der erfolgreichsten und beliebtesten Zeitungen in Frankreich ist. Nicht zuletzt beobachten die Berater des jetzigen Präsidenten Nicolas Sarkozy jede Ausgabe der „Canard Enchaîné“ - denn Sarkozys eigenartige Art zu regieren ist für die Ente ein gefundenes Fressen.

Beißende politische Satire und hintergründiger Humor sind ihr Warenzeichen. Das imaginäre Tagebuch der Carla B. wird seit der Hochzeit von Carla Bruni und dem Präsidenten jede Woche auf Seite eins gedruckt - es wurde bis zum Ende der Amtszeit des Präsidenten verkündet. Seit Nicolas Sarkozy an der Macht ist, geht es der Ente finanziell besser denn je, wobei sie von der Krise des Pressewesens verschont blieb. 2006 hatte die „Canard Enchaîné“ eine durchschnittliche Auflage von 406.488 Exemplaren.

Weder Werbung noch großer Internet-Auftritt

Die 1915 in Paris gegründete „Canard Enchaîné“, eine der ältesten Zeitungen Frankreichs, gilt in der Pressewelt als Kuriosum, weil sie weder der Werbung, die sie grundsätzlich ablehnt, noch ihrem minimalen Internet-Auftritt ihren Erfolg verdankt. Während alle anderen Zeitungen Frankreichs sich verzweifelt um mehr Anzeigen bemühen, Sparpläne entwerfen und Stellen streichen, bewährt sich das wirtschaftliche Modell der „Canard Enchaîné“: völlige Unabhängigkeit, keinerlei Werbung, keine riskante Investition. Die Wochenzeitung ergänzte sich bloß mit einem Lexikon, dem Dico Canard, und einer jährlichen Sonderausgabe zu bestimmten Themen, 2007 etwa zur Pressefreiheit in Frankreich. Mit ihren acht Seiten, in Schwarz und Rot gedruckt, hat die Zeitung relativ niedrige Herstellungskosten. Dafür beziehen aber die etwa sechzig Redakteure bessere Gehälter als ihre Kollegen der anderen Zeitungen.

Während viele Zeitungen und Zeitschriften sich begeistert oder notgedrungen auf das Internet-Zeitalter umstellten, wagte die Ente „nur einen Fuß in den Cyber-Tümpel“, wie es auf der Website heißt. Ein umfangreicheres Online-Angebot wurde zwar in Erwägung gezogen, man fand aber ohne Werbung keine überzeugende Finanzierungsmöglichkeit. Die Website lecanardenchaine.fr, die sich auf ein Impressum beschränkt, wurde nur deshalb besetzt, damit andere den Namen nicht missbrauchen. Die Zeitung hat gute Gründe, sich auf das Papier zu verlassen. Sie verfügt mit einer für französische Verhältnisse hohen Abonnementquote von fünfzehn Prozent über eine sehr stabile Leserschaft.

Unveräußerliche Aktien

Der Verlag Éditions Le Maréchal-Canard Enchaîné, dessen tausend Aktien unveräußerlich sind, gehört den Nachfahren des Gründers Maurice Maréchal und der Redaktion. Das Gründungsstatut schließt jede Übernahme aus. Während die großen Verleger der französischen Presse zu Sarkozys engsten Freunden gehören, erfreut sich die „Canard“ politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Sie besitzt dazu ihre eigenen mit Entenmotiven und antiquierten Karikaturen bemalten Wände.

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