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Veröffentlicht: 14.03.2017, 17:21 Uhr

Sat.1-Komödie Liebesgrüße aus Pullach

Mit der Lizenz zum Stalken: Sat.1 zeigt in der Agentenkomödie „Leg dich nicht mit Klara an“, was passiert, wenn beim Bundesnachrichtendienst die Beziehungen enden.

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© Sat.1/Maor Waisburd Kontrollfreak bei der Arbeit: Klara (Jennifer Ulrich) beobachtet ihren Ex-Freund aus der Ferne.

BND-Agent müsste man sein. Zumindest in der Welt, die die Sat.1-Komödie „Leg dich nicht mit Klara an“ zeigt. Da gibt es morgens um halb zehn Döner im Überwachungswagen, dann wird ein russischer Agent mit einer futuristischen Taser-Pistole ausgeschaltet und eine feindliche Kameradrohne gehackt – Anti-Spionage-Business as usual. Klara Matussek (Jennifer Ulrich), eine „Cyber-Agentin“ des BND, hat alles im Griff, sieht toll aus und ihr Freund Jens (Marc Benjamin) ist Kinderchirurg. Wo er steht und geht, trägt er den weißen Kittel. Zum großen Glück fehlt Klara nur, dass Jens ihr einen Heiratsantrag macht. Macht er aber nicht. Stattdessen macht er Schluss, aus heiterem Himmel. Klaras schwangere Kollegin Myriam (Milena Dreißig) fragt noch mitfühlend: „Hast Du Dich gehen lassen, Achseln oder Jogginghose?“ Es herrscht Ratlosigkeit.

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Aber da die Nachmittage beim Sat.1-BND offenbar viel Leerlauf bieten, und die Kollegin vermutet, Klara müsste nur Jens Fetisch aufdecken („Wenn ich nicht festgestellt hätte, das Manfred Bäume mag, hätten wir heute keine Beziehung mehr“), beginnt sie mit der totalen Überwachung des abtrünnigen Arztes. Kontinuierliche Positionsbestimmung via Satellit, Zugriff auf Telefonate, SMS und die Kamera über dem Fernseher – das ganze Programm, mit dem auch die CIA so gerne arbeitet.

Ihr eigentlicher Feind: die neue Flamme ihres Ex-Freundes

Ermöglicht wird das Klara allerdings erst durch einen nicht ganz so überraschenden Nebenstrang, den der Drehbuchautor Marcus Staender in die Handlung eingeflochten hat. Denn der Turbo-Agent von „Abteilung neun“, John Smith (Tim Wilde), Spitzname „Shark“, vermutet einen Maulwurf im BND. Er beauftragt Klara, diesen aufzuspüren und versieht sie mit allen nötigen „Zugriffsrechten“. Ihr eigentlicher Feind ist aber die neue Flamme ihres Ex-Freundes, Susie Besson (Janina Uhse), die Jens mit ihren Bondgirl-Qualitäten und einem Label für Fairtrade-Unterwäsche (darauf muss man erst einmal kommen), den Kopf verdreht. Also schreibt Klara fleißig Nachrichten um, die ihr Ex an seine Neue schreibt und torpediert jeden Versuch, den er unternimmt, Susie näher zu kommen.

45290092 © Sat.1/Maor Waisburd Vergrößern Die gute Seele des Betriebs: Kollege Mickey hilft wo er kann, am liebsten aber hilft er Klara.

Das ist leider alles gar nicht so originell wie es sein könnte. Denn Überwachung, das wird in diesem Film unfreiwillig deutlich, ist ein trockenes Geschäft, bei dem Agenten vornehmlich vor dem Computerbildschirm sitzen und warten. Bei Sat.1 versucht man das dadurch aufzufangen, dass die Oberfläche der Programme, die Klara einsetzt, durch überkandideltes Design auffallen. Selbst wenn es sich nicht um das absichtlich übertrieben gestaltete Köder-Programm von Agent Smith (Matrix lässt grüßen) mit explodierenden Haifischmaul- und Samuraischwertanimationen handelt, flimmern fortwährend und simultan in hundert Fenstern so viele Zahlenreihen, Diagramme und Radar-Applikationen über den Screen, dass der BND eigentlich vor jedem PC-Start eine Epilepsiewarnung einblenden müsste.

Man ist weniger gerührt, vielmehr geschüttelt

Die Handlung beschreibt derweil eine Reihe von Ellipsen: Man sieht Klara, wie sie etwas sieht: das erste Date, den ersten Kuss oder das erste Mal des neuen Paares. Dabei sitzt sie mal vor dem Rechner und mal vor der Fernsteuerung einer Drohne. Nicht fehlen darf die übliche Szene im Restaurant, in der Klara ihren Ex-Freund mit ihrem Kollegen Mickey (Edin Hasanovic) eifersüchtig machen will.

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So durchläuft diese Komödie unter der Regie von Mia Spengler drei Phasen: Es beginnt mit verspielter Leichtigkeit. Dann wird es zäh, weil man versucht, sich – vom Maulwurf abgesehen – den gängigen Agentenfilmmustern zu entziehen, auch indem man die Geschlechterrollen umkehrt. Viel mehr hat das Team dann aber nicht zu bieten. Im letzten Drittel wird es dramatisch, tränenreich und fast ein wenig albern. Danach ist man weniger gerührt, als vielmehr geschüttelt.

Glosse

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