Home
http://www.faz.net/-gsb-7h8hd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Sat.1 verschiebt Ausstrahlung Krach beim Fernsehpreis

Gerade schien es, als würden sich die Wogen beim Deutschen Fernsehpreis glätten. Doch nun fühlt sich die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 von zwei anderen Stiftern des Preises düpiert – und verschiebt die Ausstrahlung der Gala um einen Tag.

© dpa Vergrößern Die Moderatoren der Gala: Für Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn ist der neue Sendetermin gesichtswahrender

Gerade sah es so aus, als sollten sich die Wogen beim Deutschen Fernsehpreis glätten. Durch eine Preisvergabe an alle jene, die in den vergangenen drei Jahren zu kurz gekommen sind - die kreativen Einzelleistungen werden am 1. Oktober, also am Abend vor der eigentlichen Preisvergabe von der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) prämiert. Doch jetzt ist wieder Feuer unterm Dach. Denn die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1, die neben ARD, RTL und ZDF zu den Stiftern des Deutschen Fernsehpreises zählt, fühlt sich von zwei anderen Stiftern offenbar düpiert.

Michael Hanfeld Folgen:  

Mit dem Ergebnis, dass die Aufzeichnung der Preisgala nicht, wie ursprünglich vorgesehen, am 3. Oktober bei Sat.1 gezeigt wird, sondern erst einen Tag darauf, am 4. Oktober, um 22.15 Uhr. Der Grund dafür dürfte sein, dass ARD und RTL am 3. Oktober mit einem vermeintlich besonders attraktiven Programm aufwarten und gegen das unausgesprochene Gentlemen’s Agreement verstoßen, gerade das nicht zu tun. Im Ersten läuft die neue Show „Das ist Spitze!“ mit Kai Pflaume. Dabei handelt es sich um die Wiederaufnahme der legendären ZDF-Unterhaltungsshow „Dalli Dalli“ des verstorbenen Hans Rosenthal.

Beben beim Deutschen Fernsehpreis

RTL zeigt am 3. Oktober um 20.15 Uhr die wahrscheinlich aufwendigste Eigenproduktion dieses Jahres, den Film „Helden“ mit Hannes Jaenicke, Armin Rohde, Heiner Lauterbach, Christiane Paul, Christine Neubauer und Yvonne Catterfeld. „Helden“ kommt daher wie ein Katastrophen-Film in Roland-Emmerich-Manier: Im größten Teilchenbeschleuniger der Welt in Genf soll der Urknall simuliert werden. Das geht natürlich schief und es kommt zu einem echten Urknall, der die Erde zu verschlingen droht.

Nun sorgt der Urknall erst einmal für ein Beben beim Deutschen Fernsehpreis. Vorhersehen konnte man ihn nicht. Zumindest nicht bis vor ein paar Tagen. Die Sender verschicken ihre Programmplanungen stets sechs Wochen vorab, soviel Vorlauf brauchen zum Beispiel die Programmzeitschriften. Die Sendungen vom 3. Oktober dürften allen Beteiligten also seit der dritten Augustwoche bekannt sein. Was bedeutet, dass Sat.1 ein paar Tage überlegt hat, die ohnehin ungeliebte Ausstrahlung des Deutschen Fernsehpreises auf einen nicht ganz so schmerzhaften Sendeplatz zu verschieben.

Der Termin der Preisvergabe am 2.Oktober in Köln und damit die traditionell einen Tag später folgende Sendung stehen seit Ewigkeiten fest. Als Moderatoren der Gala hat Sat.1 Cindy von Marzahn und Oliver Pocher verpflichtet, die man gut oder schlecht finden kann - sie sind keinesfalls eine Notbesetzung. Das Einschaltquotendesaster zur besten Sendezeit, am 3. Oktober um 20.15 Uhr, wollte man ihnen wohl ersparen. Der neue Termin ist gesichtswahrender.

Mehr zum Thema

So zeigt sich einmal mehr, was beim Deutschen Fernsehpreis im Argen liegt. Er wird in der Branche für wichtig gehalten und soll so etwas wie ein Fernseh-Oscar sein. Populär wollen ihn die Preisstifter auch machen. Und so war um der Sendefähigkeit und Popularisierung willen die Zahl der Preise vor drei Jahren deutlich auf zwölf Kategorien reduziert worden.

Was im Dezember 2010 erst zur Gründung der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) mit ihrem jetzigen Konkurrenzpreis führte. Wenn nun aber zwei von vier Sendern ein potentiell besonders starkes Programm dagegen setzen, tragen sie ihr Scherflein dazu bei, den Deutschen Fernsehpreis abzuwerten.

Offiziell war dazu auf Anfrage bei Pro Sieben Sat.1 nichts zu erfahren, doch die Programmfahnen für die erste Oktoberwoche sind raus. Die Eingeweihten wissen folglich schon am 2. Oktober, was dem Publikum erst zwei Tage später präsentiert wird. Dazwischen lohnt es sich besonders, Zeitung zu lesen. Und beim Deutschen Fernsehpreis werden sie jetzt darüber nachdenken, wie sie es mit der Sperrfrist halten sollen, vor der niemand verraten darf, wer die Preise bekommen hat. Falls das jemanden sonderlich interessiert.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutscher Fernsehpreis Aus, aus, aus! Aus! Der Preis ist aus!

Nach der letzten Verleihung hatte es noch einen Funken Hoffnung gegeben, dass ARD, ZDF, RTL und Sat.1 den Deutschen Fernsehpreis am Leben erhielten. Jetzt wird er sang- und klanglos beerdigt. Mehr Von Michael Hanfeld

23.01.2015, 03:57 Uhr | Feuilleton
Streit geht in nächste Runde

Nach Seehofers Angriff auf CDU-Politiker versucht Verkehrsminister Dobrindt, die Wogen zu glätten. Aber trotz allem: Die Maut kommt, sagt der Minister. Mehr

09.09.2014, 09:16 Uhr | Politik
Eintracht Frankfurt Vollgas geben – nicht nur im Freizeitpark

Das 2:3 gegen den HSV hat gezeigt, dass in der Vorbereitung noch viel Arbeit auf die Eintracht wartet. Johannes Flum ist mit seiner Rolle in Frankfurt unzufrieden, aber ich haue nicht ab. Mehr Von Marc Heinrich, Abu Dhabi

17.01.2015, 17:03 Uhr | Rhein-Main
Der audiovisuelle Urknall unserer Literatur

Archivgut 20520: Unter dieser Signatur findet sich im Filmarchiv des Bundesarchivs der erste und einzige Tonfilm eines deutschen Dichters vor 1933. Der Dichter ist, nahezu naturgemäß, Thomas Mann. Mehr

19.09.2014, 10:30 Uhr | Feuilleton
Eintracht Frankfurt Zwei Meier-Tore beim 3:1-Sieg

Dem 2:3 gegen den Hamburger SV folgt im zweiten Test der Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi ein 3:1-Sieg über den FC Al Ain. Derweil teilen die Frankfurter einem Spieler mit, dass er den Verein verlassen kann. Mehr Von Marc Heinrich, Abu Dhabi

18.01.2015, 19:39 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.09.2013, 19:21 Uhr

Pegida oder Jedem sein Vorurteil

Von Harald Welzer

Ressentiment ist durch Information nicht zu belehren. Die Debatte mit Pegida-Akteuren ist daher nutzlos. Und fahrlässig ist es, ihnen auch noch eine mediale Bühne zu bauen, wie es das öffentlich-rechtliche Fernsehen gerade macht. Mehr 235 35