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Sarkozy und die Presse in Frankreich „Gratis ist der Tod der Zeitung“

02.10.2008 ·  Frankreichs Qualitätszeitungen stecken tief in der Krise. Jetzt hat sich Staatspräsident Sarkozy ihrer angenommen. Er macht sich für die freie Presse stark. Und denkt dabei leider auch an seine Freunde, die Medienzaren.

Von Jürg Altwegg
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Frankreichs Qualitätszeitungen stecken tief in der Krise. Im vergangenen Juni hatte Staatspräsident Nicolas Sarkozy „Generalstände der Presse“ zu ihrer Rettung versprochen. Mit einer Rede im Elysée hat er sie eröffnet. Ihr Ziel: Das Geschäftsmodell Zeitung muss neu erfunden werden.

In den kommenden zwei Monaten werden vier Arbeitsgruppen Vorschläge für Reformen erarbeiten. Sarkozy legte zum Auftakt ein flammendes Bekenntnis zur gedruckten und bezahlten Zeitung ab.

Sarkozy glaubt an die Schrift

„Gratis ist der Tod der Zeitung“, erklärte der Staatspräsident vor den Verlegern, Journalisten, Medienexperten: „Ob gedruckt oder im Internet, ich glaube an die Zukunft der Schrift. Und mehr denn je. In unserer komplexen Welt ist die vertiefte Analyse genauso unverzichtbar wie die Recherche. Wir brauchen die ausgewählte, verifizierte, eingeordnete Information.“ Und das könne nur die bezahlte Qualitätszeitung leisten.

Als „verrückt“ bezeichnete Sarkozy die Vorstellung, dass eines Tages die Werbung diese Qualität der Information allein finanzieren könne. Und: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Tag kommen wird, an dem kein Zeitgenosse mehr jeden Morgen eine Zeitung kaufen will.“ „Gratis ist der Tod der Zeitung“ sagte der Staatspräsident also, aber fast noch im gleichen Atemzug weigerte sich Sarkozy, „die Gratisblätter gegen die Bezahlzeitungen auszuspielen“. Die kostenlosen Blätter existierten, sagte er, weil es genügend Werbung für sie gebe. Und die Werbung gebe es nur, weil ein Publikum für die Gratiszeitung vorhanden sei: „Sie entspricht einem Bedürfnis.“

Konzentrationsregeln abbauen

Mit niemandem wollte Sarkozy in seiner Eröffnungsrede es sich verderben. Selbst die kommunistische Drucker-Gewerkschaft CGT, die noch immer in vielen Betrieben über die Einstellung von Mitarbeitern entscheidet und von den Verlegern für die hohen Kosten verantwortlich gemacht und wie die Gratispresse gerne als Totengräber ihres Metiers bezeichnet wird, fand Gnade vor seinen Augen: „Es ist zu einfach, die Gewerkschaft zu kritisieren und die Verantwortung der Besitzer zu verschweigen.“

Im Vorfeld der Generalstände – also einer generellen Bestandsaufnahme – wurde im Auftrag Sarkozys von Danièle Giazzi, einer Funktionärin der Regierungspartei UMP, ein Katalog möglicher Reformen zusammengestellt. Danièle Giazzi schlägt vor, die Regelungen, welche bislang die Konzentration behinderten, abzuschaffen – diese Maßnahme wird vor allem als Geschenk von Sarkozy an seine Freunde, die Medienzaren, betrachtet.

Der Staat fördert die Presse direkt

Damit soll der Aufbau international erfolgreicher französischer Konzerne ermöglicht werden. Auch die Privatisierung der Nachrichtenagentur AFP steht zur Diskussion. Umgekehrt soll die Unabhängigkeit der Journalisten in der Verfassung verankert werden. Gegenwärtig wird die Presse vom Staat mit fast 300 Millionen Euro gefördert. Mehr Geld wird es kaum geben – Giazzi sagt, es sei die Pflicht des Staates, die (kommunistische) „Humanité“ und die (katholische) Tageszeitung „La Croix“ am Leben zu erhalten. Was soll man aber von einer „Beobachtungsinstanz für den Pluralismus“ halten, welche dem Premierminister unterstellt wird? Auch das steht im Katalog.

Am ehesten realisierbar sind allfällige Maßnahmen im Bereich des Vertriebs: Sechzig Prozent der Zeitungen werden am Kiosk verkauft, doch die Zahl der Verkaufsstellen ist rapide gesunken. Die Post kommt viel zu spät, die Hauszustellung durch Boten steckt in den Kinderschuhen.

Kein zusätzliches Honorar fürs Internet

Einen Vorschlag von Danièle Giazzi hat sich Sarkozy in seiner Eröffnungsrede ganz konkret zu eigen gemacht: Wenn ein Verlag einen Artikel honoriert habe oder der Autor fest angestellter Journalist sei, müsse der Verlag den Text ohne zusätzliche Bezahlung und Absprache in allen Medien weiterverwerten können.

Die vier Arbeitsgruppen werden von integren und unabhängigen Persönlichkeiten der Medienszene geleitet. In zwei Monaten wird Bilanz gezogen. „Und dann treffen wir die Entscheidungen, die sich aufdrängen“, verspricht Sarkozy.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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