06.07.2008 · Sarah Kuttner findet vieles super, was sie gerade macht. Ihre neue Sendung „Kuttners Kleinanzeigen“ aber ist tatsächlich eine tolle Idee: Aus Anzeigenblättchen pickt sie die lustigsten Annoncen heraus und besucht die Leute, die sie aufgegeben haben.
Von Peer SchaderSie sagt alle Angebote ab, die ihr nicht gefallen. Sie liest keine Texte mehr über sich. Sie macht nur das, was sie will. Manchmal gibt sie auch Interviews, aus reiner Nettigkeit, damit nachher was über ihre neue Sendung in der Zeitung steht und die Leute einschalten. Aber eigentlich ist ihr auch das nicht so wichtig. Sarah Kuttner ist sich selbst genug. Jedenfalls gibt sie sich große Mühe, das so zu erzählen. Man glaubt ihr kein Wort.
Aber vielleicht wird man so, wenn man beim Musiksender Viva bekannt und später beim Musiksender MTV mit seiner Show abgesetzt wurde und seitdem im Fernsehen kein Zuhause mehr hat. Sarah Kuttner sieht das anders: „Ich bin augenscheinlich kein Garant für Quote. Ich bin halt nicht einsachtzig und hab' Riesenbrüste. Aber das ist super so. Ich würd' mich gucken.“
Eine tolle Idee
Sarah Kuttner findet vieles super, was sie gerade macht, so lange sie es macht. Meist steht sie dabei im Mittelpunkt, redet sehr viel und ist sehr ironisch: Haha, hier bin ich, total selbstsicher, schaut mich an, ich kann Unsinn erzählen, mir ist das nicht peinlich, und alle, die das nicht verstehen, sind doof.
Gut, dass das in ihrer neuen Sendung nicht so auffällt.
Die neue Sendung heißt „Kuttners Kleinanzeigen“, läuft drei Mal am Sonntag im Ersten und ist - ganz unironisch! - eine tolle Idee. Aus Anzeigenblättchen hat Kuttner die lustigsten Annoncen herausgesucht und ist zu den Leuten gefahren, die sie aufgegeben haben. Die Frau, die gern ihren Esel wiederhaben will, den sie verkauft hat, weil er so oft vom Zwergpony bestiegen wurde. Nach Stuttgart, wo es die kleinste Bibel der Welt gibt. Und ins Bordell nach Saarbrücken, das von der Besitzerin verkauft wird, Stammkundschaft inklusive.
Menschen, Tiere, keine Sensationen
Sensationen sind keine dabei, aber das ist nicht schlimm, weil das Interessante gar nicht die Anzeigen sind, sondern die Menschen und ihre Geschichten, die sich im Gespräch ergeben. Die Frau ohne Esel hat einen Garten voller Tiere, die ausgesetzt wurden. Und Kuttner? Fragt nicht: Was hat sie dazu gebracht? Die Bordellbesitzerin erzählt, sie möchte zurück in ihre kolumbianische Heimat und ihr bisheriges Leben vergessen. Und Kuttner? Fragt nicht: Bereut sie ihren Job? Das hätte man aber schon gerne gewusst.
Kuttner versichert: Sie hat sehr wohl nachgefragt! Aber im Schnitt sei eben manches rausgefallen, das ärgert sie jetzt richtig. „Wir hatten zwölf Drehs, und die sind auch alle in der Sendung. Ich kann das gar nicht leiden: Wenn ich etwas drehe, und es wird nicht ausgestrahlt.“ Genau das hätte der Sendung aber gutgetan.