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Saarländischer Rundfunk : Nie wieder Luft buchen

Ein Sender geht in die Offensive: der Saarländische Rundfunk Bild: picture-alliance/ dpa

Der Saarländische Rundfunk, ein in den zurückliegenden Jahren schwer gebeutelter Sender, gründet eine neue Produktionstochter: Die „ProSaar“, deren Hauptgesellschafter die Produktionsgesellschaft Bavaria ist, tritt die Nachfolge der heruntergewirtschafteten „Telefilm Saar“ an.

          Schwer gebeutelt hatte es den Saarländischen Rundfunk. Im Mai 2007 war bekanntgeworden, dass es bei der Produktionstochter des Senders, der Telefilm Saar, zu Betrügereien gekommen war. Der Schaden wurde vom Intendanten des SR, Fritz Raff, seinerzeit auf zwanzig bis 25 Millionen Euro beziffert, die Firma befindet sich in der Liquidation. Nun setzt der Saarländische Rundfunk neue Zeichen. Der Rundfunkrat stimmte am Montag der Gründung einer neuen Produktionstochter zu, der Produktionsgesellschaft Saar für elektronische Medien, abgekürzt ProSaar. Gesellschafter sind mit 49 Prozent der Werbefunk Saar (der zu hundert Prozent dem SR gehört) und mit 51 Prozent die Münchner Produktionsgesellschaft Bavaria.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Bavaria ihrerseits wird von verschiedenen ARD-Sendern getragen und hat mit diesen etliche Tochterfirmen ins Leben gerufen, die Bremedia mit Radio Bremen, die Colonia mit dem WDR, die Maran mit dem SWR, die Saxonia mit dem MDR und die Askania mit dem RBB. Von der Askania stößt nun auch der Gründungsgeschäftsführer, Martin Hoffmann, zur ProSaar. Er hatte zuvor im Auftrag des Saarländischen Rundfunks Licht in die dunklen Bilanzen der Telefilm Saar gebracht - der Sender hatte die Bavaria um Hilfe gebeten, die hatte den Askania-Chef Hoffmann damit beauftragt.

          Die Gründung einer gemeinsamen neuen Firma darf man also wohl als Folgewirkung des Skandals bewerten, sie entspricht zudem der Geschäftspolitik der Bavaria, über gemeinsame Firmen Aufträge der öffentlich-rechtlichen Sender zu bekommen. Die ProSaar hat ihren ersten Auftrag, sie gestaltet den nächsten „Tatort“ des SR. Will sie überlebensfähig sein, muss die ProSaar allerdings auch Aufträge von Dritten akquirieren.

          Schwieriges Erbe

          An dieser Aufgabe war der ehemalige Geschäftsführer der Telefilm Saar, Joachim Schöneberger, gescheitert. Ihm wirft der Saarländische Rundfunk unter anderem Bilanzfälschung, Untreue und Urkundenfälschung vor, von einer einzelnen „Luftbuchung“ in Höhe von 2,7 Millionen Euro war die Rede und von persönlicher Bereicherung. Diese gab der Beschuldigte nach Angaben seines Anwalts seinerzeit zu, dabei habe es sich um 90.000 Euro gehandelt. Spekuliert worden war über Summen bis zu drei Millionen Euro, den Vorwurf der Veruntreuung besagter drei Millionen nahm der Saarländische Rundfunk im vergangenen Herbst zurück, es bleiben jedoch sechs weitere Strafanzeigen; der Beschuldigte saß kurz in Untersuchungshaft und kam gegen Kaution frei.

          Anfang Juni fällte das Landgericht Saarbrücken ein erstes Urteil gegen ihn, er sei, teilt der Saarländische Rundfunk mit, zu einer sechsstelligen Schadensersatzsumme verurteilt worden. Ein Strafprozeß werde folgen. Im übrigen sei die ProSaar nicht die Rechtsnachfolgerin der Telefilm Saar, die Tätigkeit der ProSaar, die Kooperation mit der Bavaria und die Gremienbeschlüsse hätten sachlich nichts mit den Vorgängen um den ehemaligen Geschäftsführer der Telefilm Saar zu tun. Der durch diesen verursachte Schaden von bis zu 25 Millionen Euro wird am Ende mit dem Geld der Gebührenzahler beglichen.

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