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Saarbrücken-„Tatort“ : Mann gegen Mann

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Nein, es sind nicht die Feierlichkeiten zum „Tag der erhobenen Augenbraue“ zu sehen, sondern der Saarbrücker-„Tatort“ mit (von links) Petra Lamy als Schulsekretärin, Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink und Edda Petri alias Schuldirektorin Petra Neuhoff. Bild: SR/Manuela Meyer

Der „Tatort“ des SR wird langsam erwachsen: Im neuen Fall geht es um Väter und Söhne. Man fragt sich allerdings, warum das hier vermittelte Männerbild aus dem Tierreich kommt.

          Wenn ein männlicher Löwe ein Rudel übernimmt, beißt er erst einmal die Jungen tot. Nicht Fürsorge treibt den neuen Herrscher um, sondern der Instinkt, dass der männliche Nachwuchs ihm bald schon seine Position streitig machen wird. Im Saarbrücker „Tatort. Söhne und Väter“ spricht einer der Väter, um die es hier geht, mit seinem Sohn, als im Hintergrund eine Löwendokumentation im Fernsehen läuft.

          Was im Tierreich den Führungsanspruch des Alphamännchens sichert, könne man umstandslos auf das Verhältnis von Stiefvätern und Stiefsöhnen übertragen, heißt es. Das Zusammenleben sei bestimmt von unterschwelliger Rivalität in jeder Hinsicht. Wer den Machtkampf gewinnt, wer den anderen wegbeißt, ist nicht ausgemacht. Zumal auch die Mutter eine Rolle spielt. Man ahnt – ein weites Feld für Familienaufstellungen und Tragödien. In diesem „Tatort“, den Zoltan Spirandelli geradlinig inszeniert und Wolf Siegelmann ohne Firlefanz bebildert, ist es Anlass für zwei Morde.

          Der krampfhaft unorthodoxe Hauptkommissar soll Vater spielen

          Wer freilich nichts tut, der kann auch nichts falsch machen. Diese fragwürdige Laissez-faire-Weisheit scheint sich mit Devid Striesow in der Rolle des krampfhaft unorthodox gezeichneten Hauptkommissars Jens Stellbrink zu bewahrheiten. Hier wirkt er fast normal. Als Polizist mit Motorroller-Fimmel, aber vor allem als bemühter Vater eines herangewachsenen Jungen ist er ein fast leuchtendes Beispiel für (Nicht-)Erziehung. Zwei Jahre lang hatte er keinen Kontakt zu Sohn Moritz (Ludwig Simon), nun besucht der ihn in Saarbrücken, augenscheinlich, um zu bleiben.

          Stellbrink macht weiter, wo er einst aufhörte. Verabredungen mit dem Sohn lässt er platzen, ist aber auch nicht sauer, wenn dieser Alternativpläne macht, mit Präsidiumskollegin Mia (Sandra Maren Schneider) nachts durch Clubs zieht und sich eine WG sucht. Helikopter-Eltern hätten damit ihre liebe Not. Doch Moritz ist ein ausgesprochen selbständiger Charakter. Abstand zeitigt auch Meriten, lässt das Drehbuch von Michael Vershinin und Zoltan Spirandelli mit einem Hauch Ironie durchblicken.

          Zwischen Schweinefleischfabrik und schwarzer Pädagogik

          Abstand zu seinem ungeliebten Stiefsohn hielt der unerwartet verstorbene Berufsschullehrer Dirk Rebmann (Crisjan Zöllner) nicht. Mit Druck und Verachtung wollte er den Jungen Karim Löscher (Emilio Sakraya) auf Leistung trimmen. Die Mutter Daniela (Sanne Schnapp) schaute zu. An der Schule war Rebmann angeblich beliebt. Bei näherer Betrachtung erweist er sich aber auch hier als Vertreter der schwarzen Pädagogik. Den Jungen Enno Bartsch (Filip Januchowski) ließ Rebmann wegen Fehlzeiten und Alkoholisierung von der Schule werfen. Dessen allein erziehender Vater Hermann (Klaus Müller-Beck) war mit der Situation überfordert und reagierte mit Schlägen.

          Pascal Weller (Emil Reinke), der Dritte im Bund der Freunde, kam noch am besten weg, wohl, weil seine dominante Mutter (Christine Zart) Erbin einer großen Schweinefleischfabrik, Einfluss hat und wohlhabend ist. Pascals Vater Rudi (Thomas Schweiberer), ein Duckmäuser, hängt mit Hingabe an seiner überdimensionierten Märklin-Eisenbahn. „Renate, das ist unverhältnismäßig“, protestiert er schwach, als die wütende Wurstfabrikantin auf Pascals Motorrad schießt.

          ©ARD
          Der „Tatort: Söhne und Väter“ läuft am Sonntag, den 29.01., im Ersten.

          Ein Ringelschwänzchen hatte den Weg in das Bestattungsinstitut gefunden, in dem der tote Lehrer auf seine letzte Etappe wartete. Das Schwänzchen zwischen die Pobacken des Peinigers geklemmt, hatten Pascal, Karim und Enno ein Gedenkvideo der anderen Art gedreht und ins Netz gestellt. Morgens liegt nicht Lehrer Rebmann, sondern auch Enno tot in der Kühlung.

          Neben Söhnen und Vätern bekommt es Stellbrink mit Pascals Schwester Rebecca (Marie Bendig) und mit dem Sternekoch Jean Carlinó (Jophi Ries) zu tun. Der hat Karim als Auszubildenden unter die Fittiche genommen, heißt eigentlich anders und kommt statt aus Straßburg aus Winsen an der Luhe. Gesessen hat er auch. Seine väterliche Fürsorge ist der Gegenentwurf zur Löwenfabel. Selbstopfer inklusive. Stellbrink bleibt zu Recht misstrauisch. „Söhne und Väter“ ist nicht spektakulär, aber solide gemacht: Der neue „Tatort“ des SR wird langsam erwachsen.

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