http://www.faz.net/-gqz-9a67p

ARD-Dopingexperte : Russische Justiz kündigt Vernehmung von Seppelt an

  • Aktualisiert am

Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt. Bild: AFP

Dem deutschen Journalisten Hajo Seppelt war zunächst das Visum für die Einreise nach Russland zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 verweigert worden. Nachdem dieses Einreiseverbot nun aufgehoben wurde, kommt es zu einer neuen Wendung.

          Die russische Justiz will den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt vernehmen, falls dieser zur Fußball-WM nach Russland kommen sollte. Hintergrund seien die laufenden russischen Ermittlungen gegen den Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow, sagte die Sprecherin des Staatlichen Ermittlungskomitees am Dienstag in Moskau. Russland habe Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über angebliches Doping befragen zu können. Die deutsche Seite habe immer darauf verwiesen, dass der Journalist von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch mache.

          „Sollte Seppelt jetzt das Gebiet der Russischen Föderation betreten, wird das Staatliche Ermittlungskomitee erneut Mittel ergreifen, um ihn zu befragen“, sagte Sprecherin Swetlana Petrenko der Agentur Interfax zufolge. Russland hatte ein Einreiseverbot gegen Seppelt verhängt, was viel kritisiert wurde. Dieses Einreiseverbot ist mittlerweile wieder aufgehoben, wie Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag zunächst auf Twitter verkündet hatte. Mittlerweile hat der internationale Fußballverband Fifa bestätigt, dass das Visum für Seppel genehmigt wurde. Maas sprach jedoch nur von einem „Zwischenerfolg“.

          Die russische Botschaft in Berlin teilte dazu mit, Seppelt sei per Gerichtsbeschluss zur unerwünschten Person erklärt worden. „Diese Reise zur WM wird eine Ausnahme sein“, die durch die Akkreditierung der Fifa bedingt sei, sagte Botschaftssprecher Denis Mikerin der Agentur Tass zufolge. Seppelt könne bei der WM ungehindert journalistisch arbeiten, sagte Mikerin demnach.

          Die ARD hatte am Freitag mitgeteilt, dass das vom SWR für Seppelt beantragte Visum für die Titelkämpfe vom 14. Juni bis 15. Juli für ungültig erklärt worden sei. Der Journalist stehe auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“ und könne daher nicht in die Russische Föderation einreisen. Nähere Angaben zu den Hintergründen seien nicht gemacht worden, teilte der Sender mit.

          Die Bundesregierung hatte die russische Entscheidung am Montag scharf kritisiert. „Wir halten diese Maßnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die freie Berichterstattung über eines der größten Sportereignisse weltweit müsse gewährleistet werden. „Wir sind der Überzeugung, es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Presse- und Meinungsfreiheit vor den Augen der Welt beschnitte.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft an diesem Freitag den russischen Präsidenten Wladimir Putin in dessen Sommerresidenz in Sotschi am Schwarzen Meer.

          Weitere Themen

          Ein Kompromiss ist deplaziert

          Russland-Kehrtwende der Wada : Ein Kompromiss ist deplaziert

          Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat eine Kehrtwende im Umgang mit Russland eingeleitet. Das stört die Vertreter der Sportler in aller Welt. Ein Gastbeitrag der Fechtpräsidentin und ehemaligen Vorsitzenden der IOC-Athletenkommission.

          Liverpool ist bereit für etwas Großes

          Sieg gegen PSG : Liverpool ist bereit für etwas Großes

          Ein epischer Abend in Anfield mit dem passenden Helden: Roberto Firmino trifft gegen Paris Saint-Germain nach mehreren Tagen ohne volle Sehkraft. Sein Team besteht die nächste Reifeprüfung.

          Die mit dem Ball tanzen Video-Seite öffnen

          „Freestyle Football“ WM : Die mit dem Ball tanzen

          Der Sport verbindet Geschick und künstlerischen Ausdruck. Im nigerianischen Lagos trafen sich nun die besten Ballartisten und zeigten ihre spektakulären Tricks.

          Topmeldungen

          Maaßen-Beförderung : Das Dilemma der SPD

          Nach der Beförderung von Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär zeigt sich die alte Zwangslage der SPD: Wie kann man drohen, wenn man zu viel Angst vor den Konsequenzen hat?

          Innenminister Horst Seehofer : Maaßen künftig für Sicherheit zuständig

          Der bisherige Verfassungsschutzpräsident soll als Staatssekretär für den Bereich Sicherheit zuständig werden – allerdings nicht die Aufsicht über seine ehemalige Behörde bekommen, sagt Innenminister Seehofer. Für Maaßen muss ein SPD-Mann gehen.

          Thema Brexit in Salzburg : Der EU-Gipfel soll eine Katastrophe vermeiden

          Beim informellen EU-Gipfel in Salzburg ist der Brexit wieder Thema. Eine Absage an Mays Pläne wird es wohl vorerst nicht geben, denn die Staats- und Regierungschefs haben die Zukunft der britischen Premierministerin im Blick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.