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Rush Limbaugh : 400 Millionen Dollar für den Radiomann

Er hat gut Zigarre rauchen: Limbaugh ist einer der bestbezahlten Radiomoderatoren der Welt Bild: AP

Das konservative Amerika schwört auf Rush Limbaugh. Er ist der König des „Talk Radio“ und sein Salär sprengt den Rahmen: Er wird besser als alle Sportstars bezahlt. Sein neuer Vertrag gilt bis 2016 und bringt ihm mehr als 400 Millionen Dollar ein.

          Es war eine gute Woche für Rush Limbaugh, vielleicht sogar die beste Woche seines Lebens. Zuerst wurde bekannt, dass er mit dem Unternehmen „Premiere Radio Networks“, das zum Medienkonglomerat „Clear Channel“ gehört, den vielleicht am besten dotierten Vertrag in der Geschichte des Rundfunks abgeschlossen hat. Und dann kam die „New York Times“, wo man den König des „Talk Radio“ wegen dessen erzkonservativer Weltanschauung von Herzen verabscheut, mit einer Titelgeschichte des Magazins über Limbaugh heraus. Schließlich kündigte er die zweite Etappe seiner „Operation Chaos“ an, mit welcher er sozusagen im Solo-Luftkampf die Machtübernahme der Demokraten bei den Wahlen am 4.November verhindern will.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Limbaugh hat die geballte Aufmerksamkeit verdient - ob er die astronomischen Summen, die er bekommt, verdient hat, wissen die Buchhalter und Aktionäre von „Clear Channel“, die ihrerseits mit Limbaughs Programmen gut verdienen. Limbaugh selbst kommentierte seinen Coup mit dem Eingeständnis, er habe hienieden tatsächlich „mehr Spaß, als einem menschlichen Wesen erlaubt sein sollte“ - und mit der Ankündigung, er werde sich „erst zur Ruhe setzen, wenn jeder Amerikaner meine Meinung teilt“. Also wird Rush Limbaugh, 57 Jahre alt, noch lange auf Sendung sein, mindestens jedenfalls weiter achte Jahre - und Unsummen verdienen.

          Rush Limbaugh redet jeden Mittag drei Stunden lang

          Der neue Vertrag Limbaughs mit einer Laufzeit bis 2016 hat einen Umfang von mehr als vierhundert Millionen Dollar. Das Jahressalär für Limbaugh beträgt achtunddreißig Millionen Dollar (fünf Millionen mehr als bisher), hinzu kommt ein sofort fälliger Bonus allein für die Bereitschaft, einfach weiterzureden, von hundert Millionen Dollar. Denn nichts anderes tut Rush Limbaugh: Er redet, jeden Tag ab der Mittagszeit drei Stunden lang, vornehmlich über Politik, über die Welt, das Leben, gerne über sich selbst. Und das wohlgemerkt auf Mittelwelle, was den Vorteil hat, dass die örtlichen Sender weiter tragen als auf Ultrakurzwelle, aber von jämmerlicher Tonqualität ist - aber auf die kommt es bei Sprachsendungen nicht so sehr an. Limbaughs Shows, die er in seinem Studio in Florida produziert, werden von sechshundert Rundfunkstationen im ganzen Land übertragen. Seine tägliche Hörerschaft liegt zwischen vierzehn und zwanzig Millionen, das ist in der amerikanischen Rundfunklandschaft unerreicht. Man mag sich vorstellen, für welche Tarife Werbestrecken bei einer solchen loyalen Hörerschaft von „Clear Channel“ verkauft werden.

          Charlie Rahilly, Chef von „Premiere Radio Networks“, bezeichnet den Millionenvertrag mit Limbaugh deshalb als „wirklich rationale Entscheidung“. Bisher hat nur der „Sex-Schocker“ Howard Stern bei seinem mit großer Fanfare zelebrierten Übertritt zum Satellitensender „Sirius“ von 2004 noch mehr Geld aushandeln können: Fünfhundert Millionen Dollar für fünf Jahre, wobei Stern die Kosten für ein neues Studio sowie für seine Mitarbeiter selbst trägt und einen Teil der Summe in Aktien erhielt, die wegen der fortgesetzten Schwierigkeiten der seit Jahren in Fusionsverhandlungen stehenden Sender „Sirius“ und „XM“ stark an Wert verloren haben.

          Der Radio-Talker gefällt sich in der Rolle des Underdogs

          Warum sind die konservativen Radio-Talker in den Vereinigten Staaten - Limbaugh ist seit fast zwanzig Jahren auf Sendung - so erfolgreich, während das linke Talk-Radio „Air America“ kläglich scheiterte und 2006 nach zweieinhalb Jahren Konkurs anmelden musste? Wichtigster Grund dürfte das Bewusstsein der loyalen Zuhörerschaft von Limbaugh, Sean Hannity, Martin Savage, Glenn Beck und anderer konservativer Radio-Talker sein, dass ihre Sichtweise in den Mainstream-Medien im Rundfunk und Fernsehen nicht vorkommt oder unterrepräsentiert ist.

          Auf den knisternden Mittelwellesendern haben sie ein Refugium gefunden, wo sie nicht mit der üblichen Herablassung der linken Leitmedien traktiert werden, die ihre patriotischeren Landsleute der unteren Einkommensklassen als „white trash“ betrachten. Ohne das Element des Rebellischen, des trotzigen Zusammengehörigkeitsgefühls wäre der Erfolg des konservativen Talk-Radios nicht denkbar. Limbaugh gefällt sich in der Rolle des Underdogs, der es geschafft hat. Er zeigt seinen Wohlstand gerne, inklusive fetter Zigarren, Maybach-Limousine für eine halbe Million Dollar und Gulfstream-Jet für 54 Millionen. Dass er 2001 vorübergehend vollständig ertaubte, lange Jahre von Schmerzmitteln abhängig war und unter chronischen Rückenschmerzen leidet, dürfte ihn nur noch mehr anspornen - und die Bewunderung seiner Zuhörer steigern

          Obschon die amerikanischen Konservativen nach siebeneinhalb Jahren George W. Bush enttäuscht sind und sich auf eine Niederlage einstellen, muss Limbaugh offenbar nicht fürchten, vom politischen Pendelschwung erwischt zu werden. Während der Vorwahlen hatte er den ersten Akt der „Operation Chaos“ gegen die Demokraten ins Werk gesetzt, indem er Anhänger der Republikaner aufrief, Hillary Clinton zu wählen, um deren Schlacht mit Barack Obama zu verlängern - was beiden Kandidaten Schaden zufügte. Jetzt fordert er seine Anhänger auf, sich an der Kampagne Obamas zur Internetdebatte über die Parteiplattform zu beteiligen. Für den zum Idol stilisierten Kandidaten der Demokraten hat Limbaugh folgende Anrede parat: „Barmherzigster Messias, Gott Obama!“

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