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Rundschau im Tabloid-Format Die letzte Chance

Zum ersten Mal ist die „Frankfurter Rundschau“ als Tabloid erschienen. Die erste Titelseite gibt sich populär, das Konzept scheint an Sonntagszeitungen angelehnt. Die Umstellung auf das Halbformat war die letzte Chance für die krisengeplagte Tageszeitung.

© dpa Kleine Revolution auf dem Zeitungsmarkt: Die „Frankfurter Rundschau”, erstmals im Tabloid-Format

Die neue „Frankfurter Rundschau“ ist - zumindest in ihrer ersten Ausgabe - ein Redakteurstraum: sechsundfünfzig Seiten Platz und kaum eine Anzeige, die beim Layouten stört. Für die regionalen Leser kommen sogar noch einmal achtundzwanzig Seiten hinzu. Die sind zwar mit dem neuen Tabloid-Format nur halb so groß wie zuvor und erzwingen in allem die kleinere Form, aber neben eine fünfspaltige Anzeige muss sich kein Autor quetschen. Für die lieben Kollegen aus der Anzeigenabteilung und den Verlag ist des Redakteurs Plaisir natürlich ein Albtraum.

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Und damit ist der Spagat benannt, den die „Rundschau“ mit ihrem großen Schritt zu meistern hat: Nicht nur die Leser, auch die Anzeigenkunden müssen die Formatumstellung goutieren. Es beiden recht zu machen, dafür wird die „Frankfurter Rundschau“ einen langen Atem brauchen, den man ihr nur wünschen kann. Mutig ist die Sache, auch wenn die „Rundschau“ nicht die erste Zeitung ist, die auf das Tabloid-Format setzt. In Großbritannien haben es der „Independent“ und die „Times“ vorgemacht, hierzulande hat Springer die „Welt“ zu „Welt kompakt“ gepresst, doch ist das nichts als die auf Infohäppchen reduzierte Variante einer Tageszeitung, mit der sich die neue „Rundschau“ schwerlich wird vergleichen wollen.

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Die Seite eins als Eigenanzeige

Und doch verdeutlicht gleich die erste Seite der Tabloid-„Rundschau“, dass sich nicht nur die Papiergröße verändert: Mit einer eigens in Auftrag gegebenen Umfrage nach der Popularität der Staatslenker, die sich in Heiligendamm zum G-8-Gipfel zusammenfinden, hätte sich die Titelseite der alten „Rundschau“ nicht bestreiten lassen. Wie wenig beliebt George W. Bush und wie hoch angesehen ob ihrer Auftritte auf dem internationalen Parkett die Bundeskanzlerin Angela Merkel ist - um das herauszufinden und darzustellen, braucht man weder ausgeprägte investigative noch analytische Fähigkeiten. Als Appetitanreger auf Artikel, die im Blatt erst folgen, aber lässt sich das mit einer Tabloid-Zeitung machen: die Seite eins als Eigenanzeige der Redaktion. Das entsprechende prominente Thema, das herauszustreichen sich lohnt, wird sich auch noch an den härtesten Sommertagen der Saure-Gurken-Zeit finden lassen.

Unverkennbar ist, dass die „Rundschau“ sich im Layout wie den Inhalten nach an einer Agenda orientiert, wie die Sonntagszeitungen sie vorgeben. Ein in der kleineren Form großzügig anmutender Feuilleton-Teil bestätigt dies ebenso wie die Doppelseite inmitten und die Magazin-Seite zum Schluss der Zeitung. Eher beschwerlich und ausgefasert wirken die über das Blatt verstreuten Kleinkommentare - die Kolumnitis greift um sich. Ob das alles im Sinne der schnellen Leser ist, die man hinzugewinnen will, und des angestammten Publikums, das man bei einer Auflage von zuletzt rund 150.000 Exemplaren auf gar keinen Fall verlieren darf, muss sich erweisen. Der Anspruch, als überregional beachtete Tageszeitung durchzugehen, lässt sich mit dem neuen Halbformat sicherlich nicht leichter aufrechterhalten als mit der hergebrachten Erscheinungsweise.

Langer Weg zum Tabloid

Für die zwischenzeitlich immer mal wieder totgesagte „Frankfurter Rundschau“ war es ein langer Weg zum Tabloid. Die Zeitungskrise traf die „Rundschau“ noch härter als andere, die hessische Landesregierung musste im April 2003 mit einer Zweidrittel-Bürgschaft über einen Kredit von elf Millionen Euro einspringen, und wäre im Mai 2004 nicht die SPD-Medienholding DDVG gewesen, die mit neunzig Prozent die Mehrheit übernahm, wäre der „Rundschau“-Verlag in Frankfurt wohl noch vor dem Berliner Verlag in den Händen von Finanzinvestoren gelandet. Was das bedeutet, weiß der umtriebige „Rundschau“-Chefredakteur Uwe Vorkötter, er kam von der „Berliner Zeitung“, die nun dem Briten David Montgomery und dessen Investorenfirma Mecom gehört, an den Main. Redaktion und Verlag der „Frankfurter Rundschau“ wissen, dass die Umstellung auf das Tabloid-Format für sie vor allem eins ist: die letzte Chance.

Quelle: F.A.Z.

 
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