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Rüge für den „Spiegel“ : Was heißt „Unter 3“?

Die Bundespressekonferenz will mit den Kollegen des Spiegel-Büros ins Gespräch kommen. Ob das Gespräch auch „Unter 3“ läuft? Bild: AFP

Die Bundespressekonferenz rügt den „Spiegel“. Das Magazin habe sich bei der Berichterstattung über den Besuch des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts nicht an die vereinbarte Vertraulichkeit gehalten.

          Die Stimmung auf der Mitgliederversammlung der Bundespressekonferenz am vergangenen Montagabend muss aufgeheizt gewesen sein. Diesen Eindruck darf man vermitteln, auch wenn man nicht dabei gewesen ist. Und um einen „Eindruck“ geht es: um den Eindruck nämlich, den die Berichterstatter des „Spiegel“ von dem Besuch des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, in der Bundespressekonferenz am vergangenen Mittwoch hatten und ihren Lesern in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift vermittelten. Darin erkannte die Bundespressekonferenz einen Verstoß gegen ihre Regeln - der Vertraulichkeit -, sprach dem „Spiegel“ eine Rüge aus und machte diese in einem offenen Brief publik. Der „Spiegel“ wies den Vorwurf, man habe die Vertraulichkeit gebrochen, als „absurd“ zurück. Die Empörung der Kollegen der Bundespressekonferenz war derweil so groß, dass sie drohten, den „Spiegel“ bei Wiederholung sogar auszuschließen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Bundespressekonferenz stößt sich daran, dass der „Spiegel“ schrieb: „Über das, was Voßkuhle sagte, darf, wie gesagt, nichts berichtet werden. Nur so viel: Ähnlich wie bei seinen Auftritten zuvor blieb den Zuhörern der Eindruck, dass Karlsruhe im Frühsommer das Ehegattensplitting auf die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ausdehnen dürfte.“ Die Rüge versteht die Bundespressekonferenz, der rund neunhundert Parlamentsberichterstatter angehören, auch als Signal - an Gesprächspartner, die vereinbarter Vertraulichkeit sicher sein sollen, und an andere Medien, die ähnlich wie der „Spiegel“ formulieren könnten, um den Inhalt von Hintergrundgesprächen wiederzugeben. Man habe weder wörtlich noch indirekt zitiert, retourniert der „Spiegel“, sondern einzig auf eine Äußerung Voßkuhles verwiesen, die dieser „selbst mehrfach vor und unmittelbar im Anschluss an die Bundespressekonferenz öffentlich gemacht hat“.

          Nur am Rande

          Voßkuhles Haltung an sich dürfte in der Tat schon vor seinem Besuch in der Bundespressekonferenz vielen kein Geheimnis mehr gewesen sein und danach erst recht nicht. Schon tags darauf, schreibt der „Spiegel“, sei klar gewesen, „dass die Äußerungen Voßkuhles zum Teil wörtlich weitergetragen worden waren und nun überall im politischen Betrieb kursierten“.

          Doch darum geht es in dem Streit auch auch nur am Rande. Es geht um die Frage, was das Rubrum „Unter 3“ bedeutet, unter dem nicht nur Politiker mit Journalisten im Hintergrund sprechen. Die enge Auslegung von „Unter 3“ sagt: Der Journalist behält alles für sich. Die weitere lautet: Man darf Inhalte verwenden, deckt aber seine Quellen. Im Fall Voßkuhle kommt hinzu: die herausgehobene Stellung des Bundesverfassungsgerichts; der Umstand, dass die Bundespressekonferenz einen Gast wie ihn nicht jeden Tag hat; der mögliche Verweischarakter des Ganzen und der verständliche Ärger alle jener Berlin-Berichterstatter, die es nicht so leicht haben, an hochkarätige Gesprächspartner zu kommen. Die Bundespressekonferenz will, wie sie schreibt, „mit den Kollegen des ,Spiegel’-Büros ins Gespräch kommen, um gemeinsam zu erörtern, wie derartige Vorfälle in Zukunft vermieden werden können“. Ob das Gespräch auch „Unter 3“ läuft?

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