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„Nicht tot zu kriegen“ : Der miese Methusalem

Helmut (Jochen Busse) erklärt seinem verstorbenen Bruder, dass er bald nicht mehr alleine im Haus sein wird. Bild: RTL

Im neuen RTL-Comedy-Format „Nicht tot zu kriegen“ kämpfen die Generationen gegeneinander. Das könnte ganz lustig sein, wenn der Sender nur seinem Produkt vertrauen würde.

          Die Serie heißt „Nicht tot zu kriegen“ und RTLs Allzweckhumorist, Jochen Busse, spielt darin nach zehn Jahren Fernsehabstinenz eine tragende Rolle. Da keimt für einen kurzen, entrückten Moment die Hoffnung auf, das deutsche Fernsehen habe sich endlich an die erste eigene Zombie-Serie à la „The Walking Dead“ gewagt. Hat es nicht. Obwohl Waffen eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielen. Gruseln kann man sich allerhöchstens beim Vorspann. Da trieft der Privatsender-Post-Primetime-Humtata-Humor aus jedem mit digitalen Pappaufstellern animierten Bild. Das hat diese launige kleine Serie doch gar nicht verdient.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Ihr Konzept ist ebenfalls „nicht tot zu kriegen“. In der Serie kommt es zum Krieg der Generationen. Jochen Busse kämpft als sadistischer, alter Landlord Helmut Kraft gegen zwei junge Pärchen. In der Handreichung für die Presse sind deren Rollennamen so aufgeführt: „Dagmar – Die impulsive Chefin“, „Oliver – Der Gemütliche“ (Pärchen Nummer eins), „Nina – Die Prinzessin“ und „Rasmus – Der feingeistige Finne“ (Pärchen Nummer zwei). Spätestens beim feingeistigen Finnen vermutet man ehemalige Praktikanten der RTL-Reality-Soap „Bauer sucht Frau“ am Werk – es grüßt der zärtliche Ziegenwirt. Dabei wirken vor allem Caroline Frier als resolute Friseurmeisterin Dagmar und ihr Spielpartner Tristan Seith als Oliver kaum wie die üblichen Fernsehgesichter und auch sprachlich überraschend lebensnah.

          Er intrigiert, spielt alle gegeneinander aus und tyrannisiert das junge Glück

          Der Einstieg gelingt durch viel schwarzen Humor: Da kurvt Helmut Kraft im Rollstuhl durch seine riesige Villa, die er mit seinem just verstorbenen Bruder bewohnt hat und faltet erst einmal gehörig das betretene Hauspersonal zusammen. Darunter „Genossin Popova“ (Petra Nadolny), „die bestechliche Haushälterin“. Rasch setzt er alle vor die Tür, nur um sogleich festzustellen, dass er niemanden mehr zum Quälen findet. Man sieht Busse hintereinander in kurzen Einstellungen (Kamera Brendan Uffelmann, Paul Pieck) mit einer Tommy-Gun auf ein Uhrenpendel zielen, den Toaster in Brand setzen und wiederholt Asia-Imbiss-Nudeln aus einem Pappeimer mümmeln.

          Rasmus (Mathias Harrebye Brandt, von links), Nina (Amelie Plaas-Link), Dagmar (Caroline Frier) und Oliver (Tristan Seith) sind entsetzt, als Helmut ihnen eine fiese Vertragsklausel präsentiert.
          Rasmus (Mathias Harrebye Brandt, von links), Nina (Amelie Plaas-Link), Dagmar (Caroline Frier) und Oliver (Tristan Seith) sind entsetzt, als Helmut ihnen eine fiese Vertragsklausel präsentiert. : Bild: RTL

          Dann fasst er einen Plan: das Haus billig verkaufen, sich Wohnrecht auf Lebenszeit einräumen und nachträglich eine Klausel in den Vertrag schmuggeln, die ihm gestattet, Mieter rauszuschmeißen, wenn sie nicht spuren. Das funktioniert soweit ganz gut. Die beiden Paare – nur zusammen können sie sich das Herrenhaus leisten – ziehen ein. Bis zur Unterschrift gibt sich der Alte gebrechlich und einsam. Danach wird es hässlich. Er intrigiert, wo er kann, spielt alle gegeneinander aus und tyrannisiert das junge Glück nach Leibeskräften. Von da an kreiseln die Episoden (Regie Felix Stienz und Daniel Siegel; leitende Autorin Stefanie Ren) durch Nachbarschaftsstreitigkeiten, aus dem Ruder laufende Geburtstagspartys und unangemeldete Schwiegermutterbesuche.

          Derweil wird die Stärke der Serie, all die kleinen Scharmützel und Wortwechsel, eingeschnürt durch allerlei unnötigen Chichi: unmotivierte Einzelaufnahmen als Füller und eine musikalische Untermalung, gegen die sich die eines jeden Kindertrickfilms subtil ausnimmt. Wer sich so ausgiebig beim britischen Humor bedient und solide Darsteller einsetzt, dem hätte auch ein wenig Mut zum ästhetischen Unterstatement gut zu Gesicht gestanden. Als hätte man dem eigenen Produkt misstraut. RTL sollte sich etwas mehr trauen, das Publikum hat seinen Humor trotz „Dschungelcamp“ und „Bauer sucht Frau“ noch nicht verloren.

          Fernsehtrailer : „Nicht tot zu kriegen“

          Quelle: F.A.Z.

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