http://www.faz.net/-gqz-7xti3

NDR verärgert : RTL-Reporter verkleidet sich als Pegida-Anhänger

Ein RTL-Reporter als Pegida-Demonstrant Bild: ARD

Einer muss ja aus der Reihe tanzen: Das NDR-Magazin „Panorama“ sammelt Stimmen auf einer Pegida-Demo in Dresden. Was passiert? Ein Undercover-Rechercheur von RTL fällt aus der Rolle.

          Die Redaktion des NDR-Magazins „Panorama“ ist sauer. Und sie hat allen Grund dazu. Da montiert sie Aussagen von Pegida-Demonstranten in aller Ausführlichkeit aneinander, um die Klage zu konterkarieren, die Medien ließen die Menschen auf der Straße nicht zu Wort kommen. Und dann – entpuppt sich einer derjenigen, die da zu hören sind, als RTL-Reporter, der sich unter die Protestierenden gemischt hat.

          „Sind wir noch deutsch in Deutschland?“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In wohlgesetzten Worten erläutert der junge Mann drei Minuten lang vor den Kameras des NDR, dass er ja eigentlich gar nichts gegen Ausländer habe, aber … er frage sich schon, ob er noch in Deutschland sei. Die Islamisierung mache sich immer mehr bemerkbar, auch in Bayreuth, woher er stamme: „Wenn man irgendwie rausgeht, ganz viele Türken. Ich komme auch mit vielen gut klar, aber es ist doch zunehmend so, dass man denkt: Sind wir eigentlich noch deutsch in Deutschland?“ Man sehe immer in den Medien mehr, was in Syrien passiere, und das mache ihm mit Blick auf radikale Muslime Sorgen. „Ich finde, wir sollten aufpassen, dass Deutschland Deutschland bleibt.“

          Die Reporter des NDR sammelten noch viele weitere Einlassungen in Dresden, aber diese eine, so deutlich und klar, steht zu Beginn eines dreiviertelstündigen Zusammenschnitts, der so eine ganz andere Bedeutung bekommt. Plötzlich geht es nicht mehr um Pegida, sondern um den Journalismus und um die Methoden von RTL.

          „Was sollte das?“

          Immerhin, schreibt die „Panorama“-Redaktion, habe der Reporter sie inzwischen informiert, dass er für RTL arbeite und im Jahr  2012 auch „zwischenzeitlich“ für ein NDR-Regionalstudio. Und der jetzige Cameo-Auftritt als Pegida-Demonstrant ? „Was das sollte, wissen wir nicht. Aber eines ist für uns klar: Das geht gar nicht! Damit gibt man denen ein gutes Argument, die immer ,Lügenpresse` rufen.“ Der Kollege habe „der Glaubwürdigkeit von Journalisten einen Bärendienst erwiesen“, schreibt „Panorama“. Und dem kann man nur beipflichten.

          Erkannt hat man das auch bei RTL. Da Pegida-Anhänger bislang „nicht oder kaum mit Journalisten reden“, habe  sich ein Reporter „verdeckt auf die Pegida-Demo am vergangenen Montag in Dresden begeben, um Stimmungen und Aussagen für eine spätere Berichterstattung aufzugreifen“, teilte der Sender mit.  Er habe sich dann aber vor dem NDR-Mikrofon falsch verhalten, indem er so tat, als sei er ein waschechter Pegida-Demonstrant. „In dieser Situation hatte er drei Möglichkeiten: Nichts sagen, sich als Kollege outen - oder in der gespielten Rolle eines Pegida-Anhängers verbleiben. Er entschied sich für Möglichkeit drei - und traf damit die eindeutig falsche Entscheidung. Seine Aussagen geben weder seine Meinung noch die von RTL wieder“, teilte der Sender mit.

          Ein Leichtes wäre es gewesen, eine derart peinliche Nummer, die jetzt einen Wasserfall auf die Mühlen von Verschwörungstheoretikern stürzt, zu vermeiden. Der Undercover-Reporter hätte nur wortlos weitergehen müssen, wie so viele bei den Montagsdemos der Pegida, die mit den Reportern verschiedener Medien nicht ins Gespräch kommen wollten. Schon vom zweiten O-Ton an lohnt sich der Rohschnitt von Stimmen, den der NDR online aufbietet, wieder: Da gibt es O-Töne zuhauf voller diffuser Ressentiments. Und sie stammen nicht von einem RTL-Reporter.

          Weitere Themen

          Demos gegen Neonazis Video-Seite öffnen

          Washington : Demos gegen Neonazis

          Ein Jahr nach den tödlichen Ausschreitungen in Charlottesville wollten amerikanische Neonazis ihre Stärke bei einem Aufmarsch zeigen. Doch nur 20 Rechtsextreme fanden ihren Weg nach Washington, denn ihnen standen hunderte Gegendemonstranten gegenüber.

          Kein Fall wie der andere

          Berichte zu Flüchtlingspolitik : Kein Fall wie der andere

          Für welche Flüchtlingsgeschichte interessieren sich die Medien? Man sollte nicht nur über den Fall Sami A. reden, sondern auch über den der jungen Jesidin, die Deutschland verließ, weil sie sich hier nicht mehr sicher fühlte.

          Topmeldungen

          Mitgliederverluste der Kirchen : Entscheidungschristentum

          Die Kirchen verlieren Mitglieder ohne Ende. In wenigen Jahren droht eine doppelte Zäsur. Aufhalten lässt sich das Ganze nicht – aber die Grundhaltung wird entscheidend sein. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.