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Rommel-Dokumentation im ZDF Sein Name sei Sand

Ein ZDF-Film über Erwin Rommel ist überraschend sachlich und ausgewogen geworden. Zwei historische Schulen kommen zu Wort und erläutern die Bildung einer Legende.

© ZDF und Süddeutsche Zeitung Erwin Rommel (re.) mit seinem Stabschef Hans Speidel (li.) in der Normandie kurz vor der alliierten Landung

Erwin Rommel in Nordafrika. Sandstürme, und der Sand dabei so fein, dass er in die Uhren der Soldaten des Afrika-Korps eindringt. Es wird erzählt, dass Rommel damals mit Stammesältesten zusammenkam. Man sagte ihm: Dass du zu uns gekommen bist, war dir vorherbestimmt. „Raml“ - das Arabische kennt den Vokal „o“ nicht - heißt in unserer Sprache „der Sand“. Im Nachlass des Feldmarschalls fand man drei Glasfläschchen, gefüllt mit Sand in verschiedenen Farben. Er war der Mann, wohl der einzige unter den Militärführern der Wehrmacht, um den sich Mythen kristallisieren konnten.

Lorenz Jäger Folgen:

Dass Mythen unkritisch wiederholt werden, kann man nicht erwarten. Der Film von Christian Frey nähert sich der Realität, vermeidet dabei aber auch den Fehler mancher Fernsehaufklärung über die NS-Zeit, den einer Entheroisierung um jeden Preis. Er ist unerwartet sachhaltig, konzis, mit einer differenzierten Darstellung des Mannes, seiner persönlichen und militärischen Fähigkeiten, er kann den Zuschauer überzeugen. Nur die Wochenschaubilder vom Einzug in Benghasi, wo eine jubelnde italienische Bevölkerung Rommel empfing, sind doch nicht zumutbar, lassen sich aber im Netz finden.

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In den 45 Minuten dieser Dokumentation ließ sich die Karriere Rommels im Ersten Weltkrieg nicht mehr unterbringen, das Gewicht liegt auf dem Afrikafeldzug, der Abwehr in der Normandie und der Frage, wieweit Rommel mit dem 20. Juli sympathisierte. Gerade beim letzten Punkt ist dieser Film insofern besonders gut, als er zwei verschiedene Deutungen zu Wort kommen lässt - die des Historikers Sönke Neitzel (der Rommel seit dem Sommer 1944 in einer geistigen Nähe zum Widerstand sieht) und die entgegengesetzte von Ralf Georg Reuth, Verfasser einer Rommel-Biographie, der hier drei Fragezeichen setzt.

Selbstmord oder Volksgerichtshof

Im Herbst 1944 kam es durch die Aussage Hans Speidels gegenüber der Gestapo (die Speidel seinerseits aber nach dem Krieg vehement bestritt) zu einem konkreteren Verdacht gegen den Feldmarschall. Immerhin hatte er schon am 15. Juli Hitler eine Denkschrift zukommen lassen und darin aus einer sehr pessimistischen Lageanalyse ein Ende der Kampfhandlungen im Westen als mögliche Lösung angedeutet. Neitzel sagt, dies habe man als Ultimatum auffassen können. Zudem berichtet Rommels Sohn Manfred, sein Vater habe vom damaligen Stuttgarter Oberbürgermeister erfahren, dass Juden in großer Zahl durch Gas getötet wurden.

Im Herbst 1944 schloss sich das „Ehrengericht“ der Wehrmacht unter dem Vorsitz Gerd von Rundstedts der Auffassung an, dass Rommel sträflich gehandelt habe. Im diesem Gremium war auch Heinrich Kirchheim vertreten, der Rommel aus Afrika kannte und dort schwer mit ihm zusammengestoßen war, weil er Rommels Vorgehen beim ersten, sehr verlustreichen Sturm auf Tobruk für abenteuerlich gehalten hatte und deshalb der „Feigheit“ geziehen worden war. Nun stellte das Regime den ungemein populären General vor die Alternative, entweder Selbstmord zu begehen oder sich einem Verfahren vor Freislers Volksgerichtshof zu stellen. Er müsse dann mit Sippenhaft für seine Familie rechnen. Rommel nahm die Giftkapsel. Bei der groß inszenierten Beerdigungsfeier sprach dann ausgerechnet Gerd von Rundstedt zum Lob des Helden.

Geheimnisse des Dritten Reiches. Teil 3: Rommel - Mythos und Wahrheit läuft um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
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