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Tichy und Xing : Im Auge des Sturms

Konzentriert sich fortan auf sein Blog: Der Journalist Roland Tichy. Bild: dpa

Der Journalist Roland Tichy zieht sich nach einem Proteststurm als Xing-Herausgeber zurück – Auslöser war ein Text, der auf seinem Blog erschienen war.

          Im Internet wird schnell ge- und verurteilt. Das zeigte sich einmal mehr am vergangenen Wochenende, als sich über den Journalisten Roland Tichy ein Proteststurm zusammenbraute, der dazu führte, dass er seinen Posten als „News-Herausgeber“ bei dem Berufs-Netzwerk Xing aufgibt. Die Kampagne gegen ihn und seine publizistischen Aktivitäten habe „einen weiteren Höhepunkt erreicht“, schreibt der frühere Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ in seinem Blog „Tichys Einblick“. Auf dem Blog sei ein Text erschienen, der nicht hätte erscheinen dürfen. Dafür habe er sich entschuldigt, doch das habe die Sache nicht beruhigt, stattdessen habe er Morddrohungen erhalten. Da sich die Kampagne auch gegen Xing richte, wo er „mit Herzblut“ als Herausgeber im Nachrichtenteil fungierte, lege er seine Arbeit dort nieder, auch den Mitarbeitern zuliebe.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In dem Blog-Beitrag des Autors Jürgen Fritz, von dem Tichy spricht und für den er sich entschuldigt, wurden „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig psychisch krank“ bezeichnet. Es lohne sich nicht, mit ihnen zu diskutieren. Diese Einlassung zog nicht nur heftige Kritik auf sich, sondern veranlasste, wie der Fachdienst „Meedia“ vermerkt, zunächst Mathias Richel, Kreativ-Direktor der Social-Media-Agentur TLGG, die unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium zu ihren Kunden zählt, dazu, per Twitter und auf Facebook seinen baldigen Austritt aus dem Xing-Netzwerk anzukündigen – mit Verweis auf Tichy, auf dessen Blog Andersdenkende „pathologisiert“ würden. Genau dafür bat Tichy noch am Sonntag um Entschuldigung: die Unterstellung von Pathologie sei für den Blog keine Basis einer politischen Diskussion.

          Derweil gingen im Twitteruniversum weitere Wir-kündigen-Xing-Nachrichten ein. Echte Kündigungen aber habe es nicht mehr gegeben als sonst auch, hieß es bei Xing. Das Unternehmen verabschiedete sich von Tichy mit Dank und „Respekt“. Er sei „einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands“ und habe entscheidend geholfen, das Portal „Xing Klartext“ aufzubauen, ein „Debattenformat, das vom Prinzip der Rede und Gegenrede lebt, das kontroverse Debatten ermöglicht und so Meinungsblasen vermeidet“.

          Dass es von denen im Internet reichlich gibt und wie sie funktionieren, darf man anmerken, zeigt dieser Fall. Er werde sich nun auf seinen Blog konzentrieren, schreibt Roland Tichy, der kürzlich mit seinem Blog – ähnlich wie das Portal „Achse des Guten“ von Henryk M. Broder – Ziel einer anderen Boykottaktion war: Deutschland brauche „auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.“

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