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Rivva.de Der Fluss wird trockengelegt

05.05.2009 ·  Die Sinnkrise, in der sich die deutschen Blogger befinden, droht sich zu verschärfen: Der Betreiber der Seite Rivva.de, die für viele den besten Überblick über die Blogwelt liefert, hat erklärt, seine Seite „einmotten“ zu wollen.

Von Jörg Thomann
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„News is a River, not a Lake“: Dieses Motto ziert die vor gut zwei Jahren gestartete Website Rivva.de. Ihr Schöpfer, der Hamburger Informatiker Frank Westphal, hat damit den Versuch unternommen, den kaum zu bändigenden Informationsstrom im Internet in kontrolliertere Bahnen zu leiten und die Spreu vom Weizen zu trennen. Entfernt an Google News erinnernd, zeigt Rivva eine Übersicht der Beiträge aus Blogs und Online-Medien, die am stärksten diskutiert werden, und genießt großes Ansehen in der Netzgemeinde. Die hat nun Anlass, Trauer zu tragen: Im Rivva-Blog hat Westphal bekanntgegeben, die Seite „einzumotten und neue Wege einzuschlagen“.

Als sogenannter „Memetracker“ ist Rivva ein Dienst, der das Netz automatisch nach neuen Nachrichten durchsucht, sie miteinander vernetzt, sortiert und auf einer „Top-News-Seite“ präsentiert. Wichtigstes Kriterium bei der Anordnung sind Verlinkungen von anderen Seiten, zugleich aber sucht Rivva auch themenspezifisch. Vielen in der Netzwelt gilt Rivva, das sich an der amerikanischen Seite Techmeme orientiert und erst vor einem Monat einen Lead-Award gewann, als erste Anlaufstelle und beste Übersichtsseite für das deutsche Bloggeschehen. Er werde versuchen, kündigt Westphal an, „den Dienst noch in einem möglichst pflegeleichten Modus fortzuführen. Die Weiterentwicklung aber ist bis auf Weiteres eingefroren.“ Er hoffe nicht, „dass jetzt alles auseinanderfällt“, befürchte aber, dass demnächst „vielleicht häufiger mal eine Schraube locker sitzt“.

Verschärfte Sinnkrise

Die Sinnkrise, mit der sich die deutschen Blogger plagen, droht sich nun zu verschärfen. Der Ausstieg von Robert Basic aus seinem Blog „Basic Thinking“, das er bei Ebay verkaufte (47.000 Euro für Blog „Basic Thinking“), die Bankrotterklärung des Blogs Medienlese, das durch Spenden noch notdürftig am Leben gehalten wird (Tod eines Blogs: Unter Holzfällern), und nun der angekündigte Tod von Rivva: So unterschiedlich diese Geschichten und die Websites selbst sind, so lässt die Häufung der Nachrichten doch ahnen, dass sich die Bloggerszene in einer Umbruchphase befindet, in der verzweifelt nach tragfähigen Geschäftsmodellen gefahndet wird. Eine Suche, der sich Rivva-Schöpfer Westphal allenfalls halbherzig angeschlossen hatte: Ein richtiges Vermarktungs- und Finanzierungskonzept habe er nicht, hatte Westphal gelegentlich bekannt.

Das Wachstum von Rivva war auch deshalb begrenzt, weil Westphal darauf verzichtete, über Google Leser zugeführt zu bekommen - er betrachtete es als absurd, „Suchmaschinenergebnisse in Suchmaschinenergebnissen zu aggregieren“, und wollte statt der flüchtigen Zufallsleser lieber eine Stammkundschaft bedienen. Damit war Rivva auf die Hilfe der Blogger angewiesen, die freilich, wie in manchem Blog nun selbstkritisch vermerkt wird, mit Verlinkungen nicht viel im Sinn hätten und lieber im eigenen Saft schmorten.

„In a silent Way“, überschreibt Westphal den Beitrag, in dem er seinen Rückzug ankündigt; es passt zu Rivva und seinem Schöpfer, der nie zu den lauten Stimmen im Internet zählte und bei Rivva wie selbstverständlich auch die Themen der unter Bloggern gern geschmähten traditionellen Medien präsentierte. Es freue ihn, schreibt Westphal seinen Lesern mit Understatement, „wenn Rivva euch bis hierhin ein kleiner, hilfreicher Dienst sein konnte“. Dafür, dass der Abschied ganz so leise dann doch nicht ausfällt, sorgt die funktionierende Software von Rivva: Auf der Homepage ist die Meldung in eigener Sache die unumstrittene „Top-News“.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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