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Zukunft der „Berliner Zeitung“ : Eine Redaktion bangt

Nicht nur der Umzug droht: Der Verlag der „Berliner Zeitung“ und des „Berliner Kuriers“. Bild: dpa

Die Mitarbeiter der „Berliner Zeitung“ und des „Berliner Kuriers“ fürchten, dass ihre Redaktion aufgelöst und neu gegründet wird. Ist das der DuMont Mediengruppe, der die Zeitungen gehören, zuzutrauen?

          Auf der Betriebsversammlung am kommenden Mittwoch erwarten die Mitarbeiter des „Berliner Verlags“ schlechte Neuigkeiten. Schlechtestenfalls könnten sie lauten, dass der Verlag geschlossen und anschließend eine neue Gesellschaft, etwa eine GmbH, gegründet wird. Auf diese Weise ließe sich die Redaktion, welche die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“ betreut, von zurzeit rund 160 Redakteuren umstandslos auf eine weit geringere Größe bringen. Dass dies droht, befürchten die Mitarbeiter, seit bekannt ist, dass im neuen Verlagsgebäude in der Alten Jakobsstraße, in das der Verlag im kommenden Jahr vom Alexanderplatz umziehen soll, nur für etwas mehr als die Hälfte der jetzigen Belegschaft Platz wäre.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ausgerollt hat das Szenario unter anderem der Chefredakteur der Fachzeitschrift „Horizont“, Uwe Vorkötter, der früher selbst Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ und der „Frankfurter Rundschau“ war. Demnach würde sich für die Redaktionen der DuMont Mediengruppe am Stammsitz in Köln und in Berlin vieles grundlegend ändern: Die etablierte Regionalzeitung „Kölner Stadtanzeiger“ und das Boulevardblatt „Express“ erhalten ein gemeinsames Newsdesk. An dem entstehen die beiden Zeitungen und deren Online-Auftritte. Selbiges geschieht in Berlin, nur unter verschärften Vorzeichen: Weil die seit Jahren defizitäre „Berliner Zeitung“ eindeutig als Lokalzeitung positioniert und mit der Online-Redaktion sowie der des „Berliner Kuriers“ verschmolzen werden soll, sind etliche Mitarbeiter nicht mehr gefragt.

          Bei einer Schließung und Neugründung würde man sie leichter los als über betriebsbedingte Kündigungen. Juristisch anfechtbar wäre aber auch ein solcher Schritt. Für den Fall des Widerstands gegen diesen Plan, eines Streiks, geht das Gerücht, habe DuMont schon eine Schattenredaktion gebildet.

          Die Spekulationen reichen weit

          Die Spekulationen reichen allerdings noch weiter. Sie lauten, die DuMont Mediengruppe werde sich künftig die Mantelteile ihrer Zeitungen von anderen Verlagen wie der Funke-Gruppe oder dem Madsack-Verlag zuliefern lassen – oder gar die Zeitungen ganz verkaufen, an Funke.

          Gegen Letzteres spricht ungefähr alles, was bei der DuMont-Gruppe im Augenblick läuft. Der Vorstandsvorsitzende der DuMont-Gruppe, Christoph Bauer, hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2014, wie bei vielen Verlagen üblich, Outsourcing in großem Stil betrieben. Das bedeutet für jedes Unternehmen Verschlankung, birgt aber auch das Risiko, dass man geschäftstragende Abläufe nicht mehr selbst im Griff hat. Die Redaktionen wurden seit Jahren immer weiter ausgedünnt, schon zu Zeiten des 2015 verstorbenen Verlegers Alfred Neven DuMont. Jetzt sollen sie sich gänzlich neu aufstellen. Dafür sind unter anderen Jochen Arntz, der bei der „Berliner Zeitung“ zum 1. Oktober Chefredakteur werden sollte, Elmar Jehn, Chef des „Berliner Kuriers“, und der Digitalchef Thilo Knott zuständig.

          Seit Mai, heißt es auf Anfrage bei DuMont, arbeite man an dem „Projekt“, die Redaktionen neu aufzustellen. Was das im Einzelnen bedeute, sagt der Chef der Unternehmenskommunikation, Björn Schmidt, werde in den kommenden Tagen zuerst den Mitarbeitern verkündet. Dass die Mantelteile der Zeitungen aus Berlin und Köln und der „Mitteldeutschen Zeitung“ künftig von anderen Verlagen zugeliefert werden, dementiert Schmidt ausdrücklich: „Unsere DuMont-Hauptstadtredaktion steht nicht zur Disposition.“ Von dieser Redaktion, die bislang der designierte Chef der „Berliner Zeitung“, Jochen Arntz, leitete, werden die DuMont-Zeitungen sowie die „Frankfurter Rundschau“ (deren Gesellschafter unter anderem die Frankfurter Societät und der Verlag dieser Zeitung sind) und der „Weser Kurier“ beliefert.

          Doch was ist mit dem etwaigen Radikalumbau des „Berliner Verlags“? „Das sind Spekulationen, zu denen wir uns nicht äußern“, heißt es bei DuMont. Die in Berlin gehegten Befürchtungen könnten sich bewahrheiten.

          Quelle: F.A.Z.

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