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Rechtspopulist Wilders gegen die Islamisten : Quälende Collage des Hasses im Internet

  • -Aktualisiert am

So wurde das Video angekündigt: „Fitna the Movie: Geert Wilders' film about the Quran” Bild: liveleak.com

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat einen islamkritischen Film ins Internet gestellt. Mit dem lange angekündigten, fünfzehnminütigen Video will er den Islam provozieren. Doch „Fitna“ ist kein rassistischer oder blasphemischer Film.

          Gegen Ende des Films „Fitna“ sieht man die weißen, langen Hände des Filmemachers, wie sie über die Seiten einen prachtvollen Edition des Korans streichen, dann verdunkelt sich das Bild und man hört einen lauten Riss. Daraufhin erscheint folgender Hinweis: „Das Geräusch eben war eine Seite aus dem Telefonbuch, denn es ist an den Muslimen, und nicht an mir, die Seiten des Hasses aus dem Buch zu reißen.“

          Geert Wilders hat kein Symbol des Islams entwürdigt oder herabgesetzt. Es gibt in Fitna - wenn man von einer motivisch genutzten dänischen Karikatur (die Turbanbombe) absieht - keine Verächtlichmachung des Propheten, des Korans oder der gläubigen Menschen. Es ist vielmehr eine sehr geschickte, suggestive Collage des Hasses der Islamisten gegen den Rest der Menschheit.

          Dokumente und Zitate des Hasses

          Wilders hat nicht, wie die dänischen Zeichner, seine eigene Häme ins Bild gesetzt, sondern aus Archiven und öffentlich zugänglichen Quellen Dokumente und Zitate des Hasses kompiliert. Wir hören die Opfer aus den Türmen in Manhattan, sehen die aufgebahrten Leichen nach den Anschlägen von Madrid und dazwischen immer wieder die Prediger, die solche Gewalt fordern und rechtfertigen. Wilders zeigt die Bilder von Kindersoldaten und dem dreijährigen Baschmallah, der brav aufsagt, dass die Juden Affen und Schweine sind.

          Quälende Provokationen: Geert Wilders

          Ein Imam wird gezeigt, der zur Hasspredigt einen Stockdegen mitgebracht hat und - pompös, lächerlich und blutrünstig zugleich - blank zieht, als er davon kündet, wie den Juden der Kopf abgeschlagen werden wird. Schließlich gibt der Film eine Ahnung davon, wie die Niederlande in der Zukunft aussehen könnten, wenn es so weiter geht mit dem Vormarsch der Islamisten.

          Ziemliche Packung

          Es ist schon eine ziemliche Packung, die dem Zuschauer zugemutet wird. Es ist ein direkter Sprung ins Gesicht all jener, die die Probleme leugnen oder auf die lange Bank schieben wollen. Es ist aber kein rassistischer oder blasphemischer Film. Viele moderate Muslime, die selbst die Opfer der Fanatiker sind, werden ihn mit ebensolchem Entsetzen sehen wie säkulare oder christliche Zuschauer. Nur Verdränger haben ein Problem damit, so einen Film zu zeigen.

          Es ist kein ausgewogener Bericht, keine faire Dokumentation, aber auch kein Aufruf zum Hass, sondern der Entsetzensschrei eines Mannes, der von Al Qaida mit einem Todesurteil belegt wurde und seit Jahren in ständiger Furcht um sein Leben sein muss und - obwohl er nie zur Gewalt aufgerufen hat und nie gewalttätig war - rund um die Uhr von Leibwächtern beschützt wird.

          Von Mördern und ihren Anhängern

          „Fitna“ handelt eigentlich vom Hass, nicht von Religion, und nicht von Arabern oder Türken, sondern von Mördern und ihren Anhängern. Über die Frage, wie man ihnen das Handwerk legen könnte, wie die Hassprediger ausgegrenzt werden, sagt Fitna nichts aus. Aber er provoziert gerade die europäischen Muslime, die, wie auch der islamkritische Schriftsteller Leon de Winter jüngst im Spiegel schrieb, eine große Verantwortung tragen und eine große Chance darstellen, sich zu diesen allesamt nachprüfbaren und wahren skandalösen Äußerungen und Taten im Namen des Koran zu verhalten.

          Fair ist „Fitna“ nicht: der Film verschweigt die Rolle des Westens bei der Finanzierung und Stabilisierung der elenden Verhältnisse in arabischen Ländern, die die Jugend in die Arme der Extremisten treibt, er verschweigt die Verurteilungen des Terrors durch islamische Führer und er verschweigt die Opfer der vom Westen finanzierten oder initiierten Kriege in muslimischen Ländern. Aber Fairness ist zuviel verlangt bei einem Autor, der gerade heute Nacht wieder besonders um sein Leben fürchten muss.

          Der Öffentlichkeit ist so ein gequälter und quälender Film unbedingt zuzumuten. Wer glaubt, Dialog müsse immer nett und easy sein, hat nichts verstanden. Fitna provoziert eine Krise, aber nur so gibt es in dieser jahrzehntelang verpassten Debatte Fortschritt.

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