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Reality-Fernsehen Die Klappe fällt, der Kandidat geht pleite

Das Reality-Fernsehen sucht ständig Protagonisten. Dass die komplizierten Verträge oft nicht in ihrem Interesse sind, merken viele zu spät. Manche Fälle landen vor Gericht.

© ddp images Hollywood ist das nicht, nur die Filmklappe haben sie übernommen.

Als Vox vor vier Jahren Kandidaten für seine neue Sendung „Mein Restaurant“ suchte, klang das nach einer großen Chance. Acht Wochen sollten die Teilnehmer Zeit haben, um mit Anschub vom Sender ihr eigenes Lokal zu eröffnen. Das Publikum durfte testessen und entscheiden, welches Team den Laden behält. Lena Katerbau und Martin Berg schafften es in die Sendung, machten ein Restaurant in Berlin auf - und nach ein paar Wochen gleich wieder zu, weil nicht genug Zuschauer für sie angerufen hatten. So waren die Spielregeln. Damit hätte die Sache erledigt sein können. Für den Sender ist sie das auch. Für die Kandidaten nicht.

Die Kölner Firma ITV Studios Deutschland, die „Mein Restaurant“ im Auftrag von Vox produzierte, hat Katerbau und Berg verklagt, weil sie ihren Vertrag nicht eingehalten hätten. Es geht um ein Auto, das sie während der Dreharbeiten geschenkt bekamen und angeblich nicht wie vereinbart versteuert haben. Jetzt müssen sie fast zehntausend Euro nachzahlen.

Dabei hatte alles eigentlich ganz gut angefangen: „Sich selbständig zu machen, und zwar im Grunde ohne eigenes finanzielles Risiko, war schon verlockend“, erklärt Berg, warum er und Lena Katerbau sich bei „Mein Restaurant“ beworben hatten. „Das Restaurant war durch die Sendung ja von Anfang an abends ausverkauft - so was schafft man allein niemals.“ Die Kandidaten verpflichteten sich, der Firma während der dreimonatigen Produktion zur Verfügung zu stehen. Das Honorar: viertausend Euro pro Person.

Mit dem SUV zum Restaurant

Das haben die Beteiligten vorher gewusst. Sie haben bloß nicht dran gedacht, dass es dem Fernsehen darauf ankommt, am Ende selbst als Gewinner dazustehen.

Katerbau und Berg erinnern sich, wie sie während des Drehs informiert wurden, dass sie ein Auto bekämen. Sie hätten eigentlich lieber ihren Kleinwagen behalten und den neuen SUV verkauft. Das ging aber zunächst nicht, weil ITV Studios das Geschenk mit einer Rechnung auslieferte: Die Kandidaten sollten erst die Steuer zahlen und dann den Kfz-Brief kriegen. Das funktionierte nicht, die Produktionsfirma musste später selbst ans Finanzamt zahlen - und forderte das Geld von den Kandidaten zurück. ITV Studios erklärt dazu: „Es gab zahlreiche Erinnerungsschreiben, bevor Klage eingereicht wurde. Für eine außergerichtliche Einigung gab es keine Grundlage, da die Forderung von der Gegenseite immer in toto abgelehnt wurde.“

Nicht ganz unwichtig ist, dass die Kandidaten sich von den Verantwortlichen der Show aufgefordert fühlten, den Wagen während der Dreharbeiten möglichst oft zu benutzen, weil dann die Chance größer sei, damit in die Sendung zu kommen. Das Auto kam von demselben Hersteller, der Gewinnspielpartner bei „Mein Restaurant“ war und - ähnlich wie ein Sponsor - vor den Werbepausen in Trailern auftauchte. Den damals geltenden Werberichtlinien zufolge war es verboten, Sponsoren in die Sendung zu integrieren. Bei „Mein Restaurant“ war der neue Wagen permanent im Bild.

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