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Pulitzer-Preis an „Washington Post“ und „Guardian“ : Ein Sieg für den investigativen Journalismus

Anerkennung für einen Risikobereiten: Alan Rusbridger, Chefredakteur des prämierten „Guardian“ Bild: AFP

Der Pulitzer-Preis setzt mit der Auszeichnung von „Washington Post“ und „Guardian“ ein politisches Zeichen. Edward Snowden sieht die Wahl als positives Zeichen. In der Literatur siegt Donna Tartt.

          Die „Washington Post“ und der „Guardian“ sind am Montag wegen ihrer Veröffentlichungen über die Überwachungsprogramme der National Security Agency mit dem Pulitzer-Preis für journalistische Verdienste um das Gemeinwohl ausgezeichnet worden. Der Pulitzer in dieser Kategorie, in der nicht einzelne Journalisten, sondern Presseorgane nominiert werden, ist undotiert; die Gewinner erhalten statt der 10.000 Dollar, die in den übrigen zwanzig Kategorien gezahlt werden, eine Goldmedaille.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in München und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Mit der Entscheidung für die beiden Zeitungen aus Washington und London, denen Edward Snowden auf Vermittlung des Bloggers Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras die von ihm sichergestellten Dokumente über die mutmaßlich illegalen Maßnahmen der NSA zur Archivierung des Fernmelde- und Elektropostverkehrs zugänglich machte, setzen die Verantwortlichen des angesehensten Journalistenpreises der Vereinigten Staaten ein politisches Zeichen. Die Wahl eines anderen Siegers wäre allerdings zweifellos als Symptom von Feigheit gedeutet worden. Vor einigen Wochen hatten die Chefredakteure tonangebender Medien auf einer von der „New York Times“ veranstalteten Konferenz deutlich gemacht, dass sie in der Snowden-Affäre einen Testfall für den juristischen Schutz des investigativen Journalismus sehen.

          Anerkennung von Snowden

          Kevin Siers, der Karikaturist des „Charlotte Observer“, stellte in der Ausgabe seiner Zeitung vom 16. Oktober die „Nixon-Bänder“ und die „Obama-Bänder“ nebeneinander. Richard Nixon musste sich damit begnügen, sich die Aufzeichnungen der Gespräche in seinem eigenen Arbeitszimmer anzuhören – der weise lächelnde Obama trägt einen Riesenkopfhörer in Form einer Weltkugel. Siers bekommt den Preis für „Editorial Cartooning“, für gezeichnete Leitartikel. Seine Kategorie ist das Pendant zum „Editorial Writing“, in dem sich in diesem Jahr nach Überzeugung der Jury die Leitartikler des „Oregonian“ aus Portland die größten Meriten erworben haben, mit ihren Kommentaren zu einem Schicksalsthema, bei dem man etwas von Mathematik verstehen muss, der Krise der Pensionskassen für Staatsbedienstete.

          Edward Snowden begrüßte die Ehrung für die Abnehmer seiner Informationen aus der Kommandozentrale des Cyberweltkriegs in einer schriftlichen Mitteilung. Der Preis sei eine Genugtuung für alle, die noch daran glaubten, dass die Öffentlichkeit in den Staatsgeschäften mitzureden habe. Ohne „den Einsatz, die Hingabe und das Können dieser Zeitungen“ wäre seine eigene Arbeit sinnlos gewesen. Der republikanische Kongressabgeordnete Peter King aus New York, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, nannte die Entscheidung auf Twitter eine Schande.

          „Washington Post“ behauptet nationalen Rang

          Die siebenköpfige Fachjury in der Kategorie „Public Service“ beriet unter dem Vorsitz von Mike Connelly, dem Chefredakteur der „Buffalo News“, einer 1873 gegründeten Tageszeitung im Eigentum des Großinvestors Warren Buffett. Der Jury gehörte Richard Berke aus der Redaktion des Online- und Gratisblatts „Politico“ an, des Konkurrenten der „Washington Post“ in der Gunst der Eingeweihten der Hauptstadt. Jeff Bezos, der neue Eigentümer der „Washington Post“, kann befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass seine Zeitung ihren nationalen Rang behauptet. Unter der Familie Graham, die dem Amazon-Gründer die Zeitung verkaufte, hatte man sich zuletzt eher als Lokalblatt für das Regierungsviertel verstanden. Einen weiteren Pulitzer-Preis darf die „Washington Post“ sich im Fach der „erklärenden Reportage“ gutschreiben: Eli Saslow hat dargestellt, dass immer mehr Amerikaner auf die für die Ärmsten der Armen gedachten Essensgutscheine der Regierung angewiesen sind.

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