21.04.2009 · Mit seiner Bildreportage über das Leben auf Haiti nach den Verwüstungen durch die Wirbelstürme im vorigen Herbst hat Patrick Farrell jetzt den Pulitzer Preis erhalten. Farrell war während der Stürme vor Ort und zeigt in einzigartigen Bildern das Elend, aber auch die Hoffnung der Leidtragenden.
Nie hat es für die Formulierung vom „Häufchen Elend“ eine sinnhaftere Darstellung gegeben als in Patrick Farrells Fotografie eines vierjährigen Mädchens: Keine acht Kilo schwer, baumelt es nackt an einem Band - seine Beine kaum mehr als Striche; stehen könnte es darauf nicht.
Dennoch gibt es Grund zu Optimismus. Denn dieses Gewicht hat das völlig unterernährte Kind erst nach zwei Wochen Pflege in einem Krankenhaus in Martissant auf Haiti erreicht. Die Mutter hatte schon Vorbereitungen für eine Beerdigung getroffen. Die Aufnahme der kleinen Venecia Lonis gehört zu Patrick Farrells Bildreportage „A People in Despair: Haiti's Year Without Mercy“ über das Leben auf Haiti nach den Verwüstungen durch Wirbelstürme im vorigen Herbst. Farrell, Redaktionsfotograf des „Miami Herald“ wurde dafür nun mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet.
Etwa eine Million Menschen wurde obdachlos
Farrell, 49 Jahre alt, hatte Haiti im vorigen Jahr viermal besucht und war am Ort, als Hurrikan Ike über das Land fegte. Achthundert Menschen kamen bei den Naturkatastrophen ums Leben, etwa eine Million wurde obdachlos. Wasserfluten und Schlammlawinen machten Orte und ganze Landstriche unpassierbar.
Wie die Menschen gegen die Tragödie ankämpfen
In seinen Aufnahmen dokumentiert Farrell das Elend in den überschwemmten Wohngebieten, die Trauer bei Beerdigungen und Gottesdiensten sowie die Auswirkungen der Hungersnot. Zugleich aber zeigt er, wie die Menschen gegen die Tragödie ankämpfen und sich etwa in den Notunterkünften gegenseitig kleine Zöpfe flechten. Schon einmal hat Patrick Farrell den Pulitzer Preis gewonnen, 1993, damals mit der gesamten Belegschaft des „Miami Herald“ für die Berichterstattung über die Folgen des Wirbelsturms Andrew über Südflorida.
Die „New York Times“ sammelt Pulitzer-Preise
Auch wenn es der „New York Times“ finanziell zurzeit nicht gerade gut geht, musste darunter die journalistische Qualität doch offenbar noch nicht leiden. Das Blatt war der größte Gewinner bei der diesjährigen Verleihung der Pulitzer-Preise, der wichtigsten Auszeichnungen im amerikanischen Journalismus. Insgesamt fünf Preise bekam die Zeitung, mehr als je zuvor, mit Ausnahme des Jahres 2002, als ihr sieben verliehen wurden. Holland Cotters Kunstkritiken gefielen der Jury ebenso wie die Fotos von Barack Obamas Wahlkampf, die Damon Winter aufnahm. Ausgezeichnet wurde zudem die Berichterstattung der „Times“ über den Sexskandal, der den New Yorker Gouverneur zu Fall brachte, über die Kriege im Irak und in Afghanistan und auch die Interessenkonflikte altgedienter Militärs, die im Fernsehen die kriegerischen Auseinandersetzungen kommentierten.
Den traditionell begehrtesten Preis für den „Dienst an der Öffentlichkeit“ durfte in Form einer Goldmedaille Alexandra Berzon von der „Las Vegas Sun“ entgegennehmen. Weitere Preise, alle mit jeweils zehntausend Dollar dotiert, gingen an die „Los Angeles Times“, die „Washington Post“, aber auch an Lokalblätter wie „The East Valley Tribune“ in Mesa, Arizona, und „The Post-Star“ in Glens Falls, New York. Online-Publikationen, die sich erstmals bewerben konnten, gingen leer aus.
In den künstlerischen Sparten, die der Pulitzer-Preis bedenkt, gewannen unter anderen Elizabeth Strout für „Olive Kitteridge“, einer Sammlung von Kurzgeschichten, Lynn Nottage für das Theaterstück „Ruined“, W. S. Merwin für den Lyrikband „The Shadow of Sirius“, Jon Meecham für die Andrew-Jackson-Biographie „American Lion“. Als beste Komposition des Jahres darf fortan „Double Sextet“ von Steve Reich gelten. Jordan Mejias