http://www.faz.net/-gqz-8f62w

Redakteure vor Gericht : Diese Journalisten will Erdogan hinter Gittern sehen

  • Aktualisiert am

Can Dündar (l.) und Erdem Gül auf dem Weg ins Gericht Bild: AFP

In Istanbul beginnt der Prozess gegen die „Cumhuriyet“-Redakteure Can Dündar und Erdem Gül. Sie hatten über mögliche Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten berichtet. Präsident Erdogan bezichtigt sie der Spionage.

          Der Chefredakteur der kritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, und der Hauptstadt-Büroleiter der Zeitung, Erdem Gül, stehen seit diesem Freitag unter anderem wegen Spionage und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor Gericht. Ihnen droht lebenslange Haft. Der Prozess in Istanbul begann unter großem öffentlichen Interesse. Hintergrund der Anklage ist ein Bericht der „Cumhuriyet“ über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aus dem vergangenen Jahr. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Anzeige gegen Dündar und Gül gestellt.

          Die Türkei-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Emma Sinclair-Webb, kritisierte das Verfahren. Über Waffenlieferungen zu berichten, sei eine Angelegenheit des „öffentlichen Interesses“, hieß es in einer an diesem Freitag verbreiteten Erklärung. Reporter ohne Grenzen (ROG) hatte die türkische Justiz vor Prozessbeginn dazu aufgefordert, das Verfahren gegen Dündar und Gül sofort einzustellen. „Dass es überhaupt zu diesem Prozess kommen konnte, ist ein Skandal“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

          Für Dündar hat der Druck auf die Presse in der Türkei in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. „Die Türkei war noch nie ein Paradies für Journalisten. Aber ehrlich gesagt haben wir nicht einmal in militärischen Putschzeiten einen derart intensiven Druck erlebt“, sagte Dündar in Istanbul.

          Dündar und Gül verbrachten drei Monate in Untersuchungshaft, bevor das Verfassungsgericht Ende Februar die Freilassung der beiden Journalisten anordnete. Erdogan hatte den Gerichtsbeschluss mit den Worten kommentiert: „Ich sage es offen und klar, ich akzeptiere das nicht und füge mich der Entscheidung nicht, ich respektiere sie auch nicht.“

          Dündar warf Erdogan im Interview vor, die Richter mit solchen Äußerungen vor Prozessbeginn unter Druck zu setzen. Er kritisierte außerdem Erdogans Einfluss auf die Medien in der Türkei. Der Präsident habe sich sein eigenes Medienimperium aufgebaut. „Er hat sympathisierende Geschäftsleute dazu gebracht, Zeitungen zu kaufen. Deshalb ist der größte Medienboss der Türkei heute Erdogan“, sagte Dündar.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Putin und Erdogan wollen politische Lösung Video-Seite öffnen

          Syrien : Putin und Erdogan wollen politische Lösung

          Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben sich zu Gesprächen in Sotschi am Schwarzen Meer getroffen. Vier Stunden unterhielten sie sich unter anderem über Syrien, wo Russland und die Türkei weiterhin unterschiedliche Interessen verfolgen.

          Was wird aus Mugabe? Video-Seite öffnen

          Druck nach Militärputsch : Was wird aus Mugabe?

          Nach der Machtübernahme durch die Armee in Zimbabwe ist die Zukunft von Noch-Präsident Robert Mugabe offener denn je. Forderungen, nach denen er sein Amt niederlegen solle, werden laut.

          Topmeldungen

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?

          Bonn : Weltklimakonferenz bringt kleine Erfolge

          Die Verhandlungen dauerten viel länger als geplant, nach einem zähen Ringen gibt es nun aber eine wichtige Einigung auf der Bonner Klimakonferenz. Beobachter zeigen sich erleichtert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.

          Folgende Karrierechanchen könnten Sie interessieren: