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Veröffentlicht: 19.09.2012, 18:03 Uhr

Prozess gegen Doris Heinze Der fast normale Wahnsinn

In Hamburg steht die einstige Fernsehspielchefin des NDR, Doris Heinze, wegen Betrugs vor Gericht. Ihr Fall ist ein Lehrstück über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Filmbranche.

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© dpa Als Fernsehspielchefin hatte Doris Heinze einst viel Macht, jetzt muss sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Claus Strobel (Mitte) dem Urteil eines Richters beugen.

Karl Hieronymus Schröder ist nicht geflohen, als er nach Nordstrand ins nordfriesische Nichts zog, nein, er hat sich selbst aus dem Verkehr gezogen, sagt er. Privat lief es, kurz gesagt, nicht sonderlich. Jetzt ist er hier, will sich zwei Schafe kaufen, die ihm das Rasenmähen abnehmen, und vielleicht Romane schreiben.

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So schreibt es in ihrem ersten Roman Doris Heinze, die als Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks einmal eine der Großen der deutschen Filmlandschaft war, nach schwerwiegenden Betrugsvorwürfen dort aber wohl keinen Fuß mehr fassen wird. Wenn nun jemand, dessen eigener Kriminalfall kurz vor dem Urteilsspruch steht, einen Krimi schreibt, dann ist das natürlich eine Einladung an all die Journalisten, Weggefährten und Neider, in diesen knapp dreihundert Seiten Fiktion Spuren der echten Doris Heinze zu suchen. Ein Schlüsselroman ist das Werk nicht, aber manch einen Verweis auf Heinzes Erfahrung der vergangenen Jahre glaubt man doch zu finden. Diesem Schröder etwa ist Doris Heinze in mancherlei Hinsicht gar nicht so unähnlich.

Auch sie ist nach Nordstrand gezogen, als ihr Fall in all seinen Ausmaßen bekannt wurde, sie zog sich aus Hamburg und aus ihrem Leben mit Blitzlichtgewitterauftritten an der Seite von Maria Furtwängler oder Veronica Ferres zurück. Dass Doris Heinze dies - wie ihre Romanfigur Schröder - vielleicht eher als Atempause denn als Flucht sieht, würde zu ihr passen. Sie tritt nicht auf wie eine, die sich versteckt. Ihr wird viel daran gelegen sein, ihren Sturz in der Rückschau wie ein Stolpern aussehen zu lassen. Mit Karl Hieronymus Schröders erstem Fall hat sie womöglich den Grundstein für eine neue Karriere gelegt. Mit ihrem Ermittler eint sie ein „Selbstbewusstsein bis knapp unterhalb der Grenze der Großspurigkeit“. Im Prozess gegen sie zeigte sich Doris Heinze über weite Strecken stolz und selbstbewusst lächelnd.

Sie steht vor Gericht, weil sie zu viel wollte. Auch das eint sie mit den Figuren aus ihrem Buch. Schröder, der Topprofiler, konnte sich ein Leben als ganz normaler Kommissar nicht vorstellen, die Ehe ging in die Brüche, es verschlug ihn nach Nordstrand. Dem Hauptverdächtigen geht es nicht anders: Ein indischer Computerspezialist begnügte sich nicht mit dem Auftrag, eine Computersoftware für gierige Spekulanten zu schreiben, er wollte sich auch an den zwielichtigen Geschäften beteiligen: „Wer es vorzog, nichts zu wagen, verpasste die Chance, reich zu werden.“

Vierzehn Straftaten

Doris Heinze wagte. Und verlor. Sie steht im Zentrum eines der größten Betrugsfälle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Als Fernsehspielchefin des NDR entschied sie darüber, welche Drehbücher verfilmt wurden. Ihr wird vorgeworfen, Drehbücher, die sie selbst und ihr Mann Claus Strobel unter den Pseudonymen Marie Funder und Niklas Becker verfasst hatten, beim NDR untergebracht zu haben. Daran beteiligt gewesen sein soll auch die Münchner Produzentin Heike Richter-Karst. Sie soll die Drehbücher ungelesen gekauft haben. Im Gegenzug habe Doris Heinze ihr garantiert, dass der NDR die Projekte umsetzt. Den drei Angeklagten werden vierzehn Straftaten zur Last gelegt, begangen in den Jahren 2003 bis 2007.

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