Home
http://www.faz.net/-gsb-6yfed
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Provider bremsen gezielt Das „Zwei-Klassen-Netz“ ist Wirklichkeit

 ·  Hauptsächlich bei der Internet-Telefonie und der Kommunikation der Nutzer untereinander, im Fest- wie im mobilen Netz: Eine Studie stellt fest, dass Europäische Telekommunikationsdienstleister im Datenverkehr gezielt bremsen und blockieren.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)

Viele europäische Telekommunikationsfirmen behindern oder blockieren gezielt den Datenverkehr im Netz. Sowohl im Fest- als auch im mobilen Netz werden vor allem Daten der Kommunikation der Nutzer untereinander (Peer-to-Peer-Communication) und der Internet-Telefonie benachteiligt. Das hat das Gremium europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Berec) festgestellt.

An einer Umfrage des Gremiums, dem auch die Bundesnetzagentur angehört, haben neben Verbraucherschutzorganisationen, Industrieverbänden und Privatpersonen auch vierhundert Telekommunikationsdienstleister teilgenommen. Wie Berec mitteilte, werden Datenpakete typischerweise mit der „Deep Packet Inspection“ überwacht und damit verlangsamt, wie sie auch zur Spam-Kontrolle eingesetzt wird.

Daten zweiter Klasse

Durch die gezielte Verlangsamung im Datenverkehr können Internet-Telefonie- und Streaming-Angebote unattraktiv gemacht werden. Auch solche, die in Konkurrenz zu anderen Produkten der Telekommunikationsdienstleister wie etwa dem Festnetzgeschäft stehen. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Datenentschleunigung den eigenen Geschäften der Dienstleister dienen soll. Welche Dienstleister diese Technik einsetzen, wurde zunächst nicht bekannt.

Damit verstoßen die Provider gegen den Grundsatz der Netzneutralität, dem zufolge alle Daten gleichberechtigt weitergeleitet werden müssen, um kein „Zwei-Klassen-Netz“ entstehen zu lassen, das etwa kommerzielle Inhalte bevorzugt. Die EU-Kommission vertritt bislang den Standpunkt, dass der Wettbewerb der Netzwerkbetreiber die Netzneutralität ausreichend gewährleiste. In der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags ist das Thema umstritten. Der Vorsitzende der Projektgruppe Netzneutralität, Peter Tauber (CDU), hatte noch im Oktober Netzneutralität „ein hohes Gut“ genannt, das allerdings nach Ansicht der Mehrheit in der Projektgruppe in Deutschland derzeit nicht akut gefährdet sei. Die Studie der Berec, die im April vollständig vorliegen soll, könnte zu einem anderen Ergebnis kommen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1972, Redakteur im Feuilleton.

Jüngste Beiträge

Regen in Paris

Von Nils Minkmar

Acht Monate lang durfte Regisseur Patrick Rotman den französischen Präsidenten Hollande begleiten. Entstanden ist ein Film über Regen und Depression. In Frankreichs Kinos scheint er zu floppen. Mehr 1 7